Ferien in Argentinien - Teil 1
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 25. März 2008 07:30 Uhr
ENL5454
Was war das für ein Urlaub!
Wir waren zu Weihnachten alle in Buenos Aires zusammen gekommen… und hatten uns dann auf den Trek in die Anden gemacht.
Unsere Ranch liegt am äußersten Rand der menschlichen Besiedelung. Wenn sie noch etwas höher läge oder es noch etwas trockener wäre, dann würde sich das Land zusammenrollen und vom Wind weggeweht werden… und genau das scheint momentan zu passieren.
„Vor zwanzig Jahren war es hier noch wesentlich feuchter“, erklärte Jorge, der Vorarbeiter. „Dieses ganze Tal ist schon im späten Frühjahr ganz grün gewesen. Man konnte hier die Rinder mästen und sie am Ende des Sommers verkaufen. Aber es gibt heute weniger Wasser. Und es hat hier in den letzten zwei Jahren nicht mehr wirklich geregnet. Wenn es nicht bald regnet, dann wird es schwer werden, die Herde zu verkaufen.“
Eine der Vorhersagen, die von den Wissenschaftlern der Erde gemacht wird, besagt, dass die trocknen Gegenden am Rande der Tropen noch trockener werden. Ich weiß nicht, ob ich daran glauben soll. Aber genau das scheint hier gerade zu passieren. Um diese Zeit des Jahres gibt es nur ein kleines Rinnsal Wasser, das aus den Anden kommt. Die gesamte Ranch, die Bäume, die Leute, die Rinder und das Gras… leben von diesem Wasser.
„Ja, und es gab hier auch einmal mehr Menschen. Seht ihr die Häuser dort drüben? Dort hat eine Familie gelebt. Und noch eine gleich hinter dem Tal. Überall gibt es hier verlassene Häuser. Die Leute sind ganz einfach weggezogen, weil sie sich nicht mehr selbst unterhalten konnten.
Es gab nicht genug Wasser.“
Wir waren auf dem Pferderücken in ein kleines Tal ungefähr zwei Stunden vom Haupthaus entfernt geritten. Als wir zuletzt hier waren, führte der kleine „Rio“, der durch das Tal fließt, einen netten Wasserfluss. Diesmal konnte man auf dem Grund des Flusses ein Streichholz anzünden.
Jorge blickte nach oben. Der Himmel war klar und blau. Nur die Ahnung einer Wolke hing über einem der nahen Hügel.
“Ja, es ist wirklich schlimm. Der Preis für Rindfleisch steigt. Aber wir haben kein Rindfleisch zu verkaufen. Unsere Kühe sind zu mager. Ich weiß nicht, was sie fressen. Es gibt kein Gras. Natürlich haben wir etwas Heu gekauft… aber das ist nur eine Notfallration.”
Ich habe die Ranch gekauft, weil ich dachte, dass ein Rinderbetrieb ein besserer Ort ist, um sein Geld anzulegen, als ein Bankkonto. Mit einem Bankkonto hätte dann meine Dollar… oder Pfund… oder Euro, doch ich mag keine dieser einzelnen Währungen besonders gerne. Doch zumindest brauchen die Dollar kein Wasser. Und auch kein Gras.
Und man verletzt sich nicht, wenn man einmal nach ihnen gucken möchte.
Wir aßen in diesem Tal zu Mittag und machten uns dann zurück auf den Weg zum Haupthaus. Die Luft war so dünn und die Sonne so stark, dass ich mich ein bisschen übermütig fühlte. Vielleicht ist das der Grund, warum ich dachte, ich könnte das Pferd wie Gene Autry in einem Rodeo besteigen.
Als ich meinen linken Fuß in den Steigbügel steckte, ging Muerte… oder was immer sein Name war… los. Und anstatt ihn zu zügeln und zu zwingen, stehen zu bleiben, habe ich versucht, im Ritt aufzusteigen. Ein Reiter mit mehr Erfahrung hätte sich vielleicht hochziehen können. Aber ich schlug auf den Sattel, der alte Muerte begann auszuschlagen, und ich flog davon, Hals über Kopf, und machte so etwas wie einen Fosbury Flop auf die sonnengetrocknete Erde.
Jorge stieg von seinem Pferd ab und sah besorgt aus. “Senor Bonner, können sie aufstehen?”
Jorge hatte diesen Blick in den Augen. Wenn ich mit ihm spreche, dann spreche ich natürlich immer Spanisch. Und mein Spanisch ist nicht besonders gut. Jorge ist zu höflich, als dass er darüber lachen würde. Er hat dann eher einen fragenden Blick in den Augen, als wollte er sagen: „Was um alles in der Welt wollen Sie mir sagen?“
Am Tag zuvor wollte ich ihn z.B. fragen, ob er einen bestimmten Nachtisch im Laden geholt hätte. Es ist ein sehr leckerer argentinischer Kuchen namens „Alfahore“, der mit dulce de leche hergestellt wird. Aber ich habe alles durcheinander gebracht und bat um „Alfombras“ zum Nachtisch. Und sofort hatte er wieder diesen Blick in den Augen. Afombras sind Teppiche. Ich hatte gerade vorgeschlagen, zum Nachtisch einige Teppiche zu essen.
Als ich auf dem Boden lag, verstand ich seine Frage. Und ich wusste, dass ich eine Antwort darauf hatte. Aber in diesem Moment wusste ich einfach nicht, welche Antwort das war. Anstatt aufzustehen, habe ich mich zur Seite gerollt.
„Oh… dann wir wollen vielleicht zuerst die Kaktusstacheln entfernen“, schlug Jorge vor.
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
Kapitalschutz Akte
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Sicheres Geld
Der exklusive Börsendienst, der Ihr Vermögen zuverlässig schützt
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Sicheres Geld