Feierabend für rasende Frösche!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 23. August 2005 12:00 Uhr
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*** Sie überlegen, ob Sie zu Höchstkursen noch Aktien kaufen sollen? Ich habe eine mögliche Alternative für Sie: Rindfleisch (in den beiden Kategorien Mastrind, Lebendrind). Begründung in Kurzform: Die weltweiten Weideflächen gehen zurück, wegen des Bevölkerungswachstums (die Städte/das menschliche Siedlungsgebiet breiten sich aus) und Verödung und Versteppung. Gleichzeitig wächst die Nachfrage: In Asien erkenne ich erste Tendenzen, dass die Ernährung ähnlich wie in den westlichen Industrieländern vermehrt von Gemüse auf Fleisch umgestellt wird. Gerade hat China die Öffnung für Fleischimporte aus Brasilien beschlossen. Ein durchaus richtungsweisender Entschluss. Der Preis für Rindfleisch ist seit Monaten in einem soliden Aufwärtstrend (diesen Sommer allerdings in Seitwärts- bzw. Korrekturphase). Meine Einschätzung: Hier wird es undramatisch, aber recht stetig nach oben gehen. Bis Jahresende ist ein solides Plus von 10 % realistisch.
Umsetzung wie üblich mit Hilfe von Zertifikaten auf die Rindfleisch-Futures der amerikanischen Rohwarenbörsen.
*** Ich komme auf das Thema "Klingeltonwerbung" zurück. Musiksender wie VIVA oder MTV, die ich früher gerne mal anstelle von ntv oder Bloomberg laufen ließ, wenn der Chef gerade nicht da war, sind einfach unerträglich geworden. In den zahlreichen Werbepausen kommt fast nur noch aggressive Handy-Klingelton-Werbung, mit lauten Aufforderungen, sich "Klingeltöne im Sparabo" zu holen. Verblödet die deutsche Jugend? Wie kann man denn im Abo für 30-sekündige Soundschnipsel von "rasenden Fröschen" rund zwei Euro je Download bezahlen? Verschuldung Jugendlicher wird leider ein Thema. Herr, lass Hirn regnen!
Doch es gibt Hoffnung für eine andere Lösung: VIVA und MTV wollen die Klingeltonwerbung verbannen! Laut Spiegel soll es bei MTV ab Oktober zwischen 16 und 24 Uhr eine Sperrzeit für Klingeltonwerbung geben, bei Viva soll es ab März so weit sein.
Ein mutiger Schritt der Chefin Catherine Mühlemann (die für MTV und VIVA zuständig ist, da beide inzwischen zu Viacom gehören) – schließlich ist die Klingeltonwerbung für ca. 40 % der Werbeeinnahmen verantwortlich. Allerdings: Durch die verblödenden und nervtötenden Klingelton-Werbespots bleiben Zuschauer wie ich fern, und die klassischen Werbekunden merken das und streichen entsprechende Werbeaufträge. Mittelfristig hätten sich MTV und VIVA so auf Billigwerbung festgelegt, die Chance auf Wachstum wäre eingeschränkt.
Das ist ja einer der großen Vorteile am Kapitalismus: Die Verbraucher haben Macht, das Angebot zu steuern. Wenn Klingeltonwerbung verblödet und nervt, dann sieht man sich die Sender, die in jeder Werbepause entsprechende Werbespots bringen, einfach nicht mehr an. Das merkt dieser Sender dann an den Quoten – und zieht die Konsequenzen. Ähnlich könnte es auch in anderen Bereichen funktionieren, wenn die Verbraucher z.B. genmanipulierte Nahrungsmittel ignorieren.
Viele Grüße,
Michael Vaupel