Fehler, die sich vermeiden lassen
Von Georg Pröbstl in Investoren Wissen
vom 07. April 2005 16:00 Uhr
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Viele Anleger denken noch mit Schaudern an Advanced Medien. In den Jahren 1999 und 2000 war das Medienunternehmen ein wahrer High Flyer an der Börse. Die Filmbibliothek der Münchner Firma versprach riesige Gewinne, Firmengründer Herbert Jovy seinen Aktionären eine goldene Zukunft. Viele Anleger glaubten die oskarpreisverdächtige Geschichte und kauften die Aktie. Zuerst explodierte der Kurs, doch schon nach wenigen Monaten gab es nur noch Talfahrt.
Jetzt bekam Jovy die Quittung für seine Märchen. Das Landgericht München hat den ehemaligen Filmerechtehändler wegen Insiderhandels und Betrugs zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Seine Frau muß eine Strafe von 200.000 Euro berappen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Filmmanager Ende 2000 Aktien für über elf Millionen Euro an ahnungslose Anleger für gutes Geld verkauft hat, obwohl das Unternehmen bereits damals massive Probleme hatte. Denn kaum war der Deal gelaufen, brach der Kurs der Aktie in wenigen Wochen von acht auf zwei Euro ein. In den folgenden zwei Jahren fiel der Kurs sogar auf weniger als 10 Cent.
Gut – gegen Schwindel ist kaum ein Kraut gewachsen. Wer aber schon hereinfällt oder sich eine Niete ins Depot legt, sollte einige Dinge beachten. Hier wie bei anderen Geldanlagen auch hilft Börsenpsychologie. Den die spielt eine wichtige Rolle. Schon Börsenguru André Kostolany wusste: Kurzfristig bestimmt Psychologie 90 Prozent der Aktienkurse. Viele Anleger machen dabei immer wieder die gleichen Fehler:
Psychofalle Nummer 1: Nach dem Motto "lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach", steigen sie zu früh aus und lassen Gewinne nicht laufen. Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass etwa doppelt so viele Anleger eine Aktie verkaufen, wenn sie um 20 Prozent steigt, als wenn sie 20 Prozent fällt.
Tipp 1: Arbeiten Sie mit Stopps und ziehen Sie diese bei steigenden Kursen nach.
Falle Nummer 2: Viele Anleger laufen den Kursen hinterher. Sei warten bei einem Kursanstieg zu lange, steigen erst zu Höchstkursen ein und tappen so in die Bullenfalle. Das passiert vor allem den Übervorsichtigen, die erst nach einer langen Hausse mutig werden und Aktien kaufen. Sie haben Angst einen Boom zu verpassen, es entsteht Kaufpanik, die Kurse explodieren.
Tipp 2: Laufen Sie nicht der breiten Masse hinterher.
Falle Nummer 3: Vor allem Kleinanleger steigen oft völlig ohne Plan ein. Sie wissen manchmal nicht einmal, was eine Firma überhaupt macht. Auch hier spielt die Psyche einen Streich. Oft werden Aktien nur aufgrund von Informationen ausgewählt, die der eigenen Meinung entsprechen.
Tipp 3: Machen Sie Ihre Hausaufgaben. Sammeln Sie alle Informationen zu einer Aktie die Sie bekommen und werten Sie diese auch aus.
Falle Nummer 4: Neue Informationen und Ereignisse werden stärker gewichtet als ältere. Folge: Die Börse übertreibt. Siehe Kostolany! Bei Katastrophen oder schlechten Meldungen verkaufen viele Anleger in Panik mitten im Tief. Etwa im März 2003 kurz vor dem Irakkrieg. Der DAX verlor damals in drei Monaten rund 30 Prozent. Jetzt liegt er 100 Prozent vorne.
Tipp 4: Nutzen Sie solche Übertreibungen zu günstigen Käufen bzw. Verkäufen.
Vier Fehler, die Sie leicht vermeiden können. Mehr dazu demnächst.