Fed wird prognostizierbar
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 01. Februar 2007 18:00 Uhr
ENL5454
Ich weiß nicht, ob das gestern in der Flut der Konjunkturdaten untergegangen ist, deswegen noch einmal im Zusammenhang: Die vielleicht wichtigste Zahl war der PCE-Deflator, ein wichtiges Maß für die Inflation in den USA. Dieser ist von zuvor 2,4 % auf nunmehr minus 0,8 % eingebrochen. Das ist der größte Rückgang seit 52 (!) Jahren.
Nach dieser Zahl war eigentlich klar, dass man sich keine weiteren Sorgen um eine Zinserhöhung für die nächsten beiden oder mehr Zinssitzungen machen muss.
Dazu gesellte sich der Chicagoer Einkaufsmanager Index, der nach einem kleinen Anstieg im Dezember auf 51,6 Punkte, jetzt im Januar unter die wichtige 50 Punkte Marke auf 48,8 Punkte zurückgefallen ist. Damit weist er auf ein negatives Wachstum in der Chicagoer Region hin.
Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex wird als Hinweis auf die Entwicklung des ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes gesehen, der heute veröffentlicht wird. Nun muss man hier vorsichtig sein. Im Bereich Chicago geht es hauptsächlich um die Automobilindustrie. Dass hier große Schwierigkeiten zu beklagen sind, konnte man bereits an den Unternehmenszahlen aus der Branche erkennen. Dies wiederum ist unter anderem auch eine Folge des so stark gestiegenen Ölpreis. Selbst die ansonsten so wenig sparsamen US-Amerikaner ziehen mittlerweile Autos vor, die einfach weniger verbrauchen. Insofern ist die Korrelation schwierig und geht auch gerne mal nicht auf.
Da aber die Region Chicago natürlich auch ein Teil des breiter gefassten ISM-Index ist, dieser knapp an der 50 Punkte Marke steht, ist die Sorge zumindest nicht unberechtigt, dass auch der ISM-Index wieder unter die 50er Marke rutscht. Dazu dann gleich mehr, wenn der ISM Index veröffentlicht wurde.
Der ISM-Index ist einer der wichtigsten Indikatoren für die Fed-Zinspolitik
Der ISM-Index ist wiederum deswegen so wichtig, weil die Fed offenbar unter anderem ihre Zinsentscheidungen von der Entwicklung des ISM-Index abhängig macht. Hier gilt nämlich: Sinkt der ISM Index des verarbeitenden Gewerbes drei Mal in Folge unter die 50 Punkte Marke, dann wird eine Rezession erwartet. Also, was macht die Fed in einem solchen Fall? Sie senkt die Zinsen, um einer Rezession entgegen zu wirken. Aus diesem Grund erwachte mit diesem deutlich gesunkenen Chicagoer Einkaufsmanager Index die schon tot geglaubte Zinssenkungsphantasie zu neuem Leben.
Das Fed-Statement stützt sich auf die US-Konjunkturzahlen
Aber so weit sind wir noch nicht. Erst einmal zu dem Fed-Statement. Und da waren erstaunliche Änderungen zu erkennen, die schön belegen, dass sich die ganze Mühe, die ich mir hier mit den Konjunkturdaten und den Grafiken mache, doch mehr als lohnt. Man könnte fast meinen, die Fed hätte abgeschrieben...
So sieht auch die Fed, dass die neuesten Indikatoren auf ein wieder etwas festeres Wirtschaftswachstum hinweisen. Zudem erkennt sie auch, dass einige der vorläufigen Zahlen zum Immobilienmarkt auf eine Stabilisierung hinweisen. (Sie erinnern sich, in den Charts konnte man eine Bodenbildung erkennen.)
Das waren schon einmal zwei wichtige neue Sätze, die zudem ganz am Anfang zu finden waren. Dann folgte noch, dass die Kerninflation sich in den letzten Monaten leicht verbessert hat. Den Satz, dass die hohe Kapazitätsauslastung weiterhin eine Gefahr für die Inflation beinhaltet, wurde im Statement allerdings belassen. Rausgeflogen ist der Satz, dass die hohen Energiepreise Risiken bergen. Allerdings sei immer noch ein gewisses Inflationsrisiko vorhanden (z.B. Arbeitsmarkt).
Die offene Zinspolitik
Für mich ist das eine wichtige Entwicklung. Denn es zeigt sich, dass die Fed tatsächlich auf die US-Konjunkturdaten achtet und dabei sogar sehr zeitnah auf die Zahlen reagiert. Damit wird die Fed in gewisser Weise prognostizierbar! Das war unter Alan Greenspan sicherlich anders. Aber Ben Bernanke steht und stand auch schon immer für eine offenere Zinspolitik. Das ist gut so, denn so können wir hier im Investor's Daily wahrscheinlich frühzeitig Entwicklungen erkennen, in der Hoffnung etwas schneller zu sein, als der Markt.
Für den Markt waren diese Aussagen ein klares Signal, dass es zu keiner weiteren Zinserhöhung in Bälde kommen wird, es sei denn, die Umstände (Inflation/Ölpreis) verschlechtern sich dramatisch.
Diese Hoffnung wurde auch dadurch genährt, dass zum ersten Mal seit langem, die Zinsentscheidung einstimmig gefallen ist. Jeffrey M. Lacker hat dieses Mal nicht mehr für einen Anstieg um 25 Basispunkte gestimmt.
Folgt nun eine Zinssenkung?
Aufgrund des Einkaufsmanagerindex ist, wie gesagt, sogar wieder eine Zinssenkung im Gespräch. Das Bild wird aber erst dann klarer, wenn der ISM-Index zum verarbeitenden Gewerbe gleich veröffentlicht wird. Also mehr zu dem Thema unter den US-Konjunkturdaten.
Sollte sich eine Zinssenkung abzeichnen, dann wird das die Märkte natürlich massiv beflügeln. Es ist ein einer der Argumente für steigende Kurse, welches mir abhanden gekommen war und weswegen ich unter anderem anfing, skeptischer zu werden.