FED signalisiert das Ende der Zinssenkungsserie
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 4. Juni 2008, 11:00 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
Ben Bernanke hat es nun doch mit der Inflationsangst zu tun bekommen. Gestern setzte der FED-Vorsitzende unmissverständliche Zeichen für das Ende der Leitzinssenkungsserie in den USA. Seit vergangenem September hatte die FED in mehreren rasch aufeinanderfolgenden Schritten den Leitzins um 3,25 % gesenkt.
Nun gab Bernanke zu Protokoll der Leitzinssatz sei gut positioniert um das Wachstum zu unterstützen und Preisstabilität zu garantieren.
Oder anders ausgedrückt, die FED hat mittlerweile eine Verbindung zwischen dem schwachen US-Dollar und der wachsenden Inflation hergestellt.
Willkommene Unterstützung der US-Währung
Nicht erst seit dem der USD sein Tief bei 1,6019 gegenüber dem EUR erreichte, ist nicht nur die FED, sondern auch die EZB und die G-7 Staaten überhaupt in äußerster Besorgnis. Nicht ohne Grund, denn die Weltwirtschaft leidet unter einem zu schwachen US-Dollar. Vor allem die weltweite Exportwirtschaft.
Obgleich Bernanke noch vor gar nicht allzu langer Zeit einen schwachen US-Dollar in Kauf nehmen wollte, mit einem zwinkernden Auge auf die eigene Exportwirtschaft gerichtet (im Februar erst gab er zu Protokoll ein schwacher USD unterstütze immerhin das Exportwachstum), so musste er nun doch inzwischen einsehen, dass sich weitaus gewichtigere Probleme aus der USD-Abschwächung ergeben haben. Und obgleich US-Finanzminister Henry Paulson nach wie vor eine Verbindung zwischen der wachsenden Teuerungsrate und der USD-Schwäche ablehnt, scheint die FED nun anders zu denken.
Dabei ist die Begründung nun egal, denn sowohl Bernanke als auch Paulson haben nun beide deutlich gemacht die US-Dollar-Entwicklung unterstützen zu wollen.
Ein starker USD steht aber auch schon länger auf den Fahnen der G-7, deren Mitglieder bereits mehrmals Appelle für eine Stärkung der US-Währung an den Markt richteten.
Nun fest steht, das zu favorisierende Ziel aller beteiligten Notenbanken im Allgemeinen und der FED nun ganz explizit ist die Stärkung des USD gegenüber den anderen Leitwährungen.
Die Erfolgsaussichten
In meinen Augen kann noch lange nicht davon ausgegangen werden, dass die FED in diesem Jahr tatsächlich eine Anhebung des Leitzinssatzes durchführen wird. Wovon aber durchaus ausgegangen werden darf ist dass Ben und seine Mannen tapfer und so lange es geht am gegenwärtigen Zinssatz von 2 % fest halten werden. Schließlich und schlussendlich wird es darauf ankommen wie sich die US-Wirtschaft im kommenden Halbjahr weiter entwickelt. Da die Aussichten für das US-amerikanische Wirtschaftswachstum nach wie vor nicht die besten sind, gehe ich davon aus, dass es zwar nicht so bald zu einer Anhebung des Zinssatzes kommen wird, aber die FED auch bei einer möglichen konjunkturellen Abschwächung zunächst unverändert an den 2 % fest halten wird.
Am Ende stellt sich wohl eher die Frage, ob es schlussendlich dann doch zu Interventionen durch die Zentralbanken kommen wird. So wie wir es im Jahr 2000 mit dem Euro erlebt haben, als die G-7 gemeinsam intervenierten und durch den Euro-Kauf das Abrutschen der Währung verhinderten. Am Ende wohl gemerkt....
...denn zunächst einmal gehe ich davon aus, dass der USD vorerst weiter die gewünschte Richtung nimmt und aufwertet. Zu Interventionen dürfte es erst dann kommen wenn der USD eine massive weitere Abschwächung hinlegt.
In Europa hält EZB-Chef Trichet übrigens weiterhin am Leitzinssatz und am Fokus auf die Preisstabilität fest.
EUR/USD notiert gegenwärtig bei 1,5453 und könnte mittelfristig durchaus die 1,5390 testen.