Fed senkt Diskontsatz um 50 Basispunkte – wirklich ein positives Signal?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 17. August 2007 18:00 Uhr
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Die Fed hat heute den Diskontsatz um 50 Basispunkte gesenkt. Nicht die Leitzinsen! Trotzdem reagierten die Märkte, der Dax sprang zum Beispiel über 2,7 % an, nachdem er den ganzen Tag in einer engen Spanne auf Höhe des gestrigen Tiefs verharrte.
Zum Diskontsatz können sich Banken bei der Fed unmittelbar Geld ausleihen. Damit wird die Kapitalbeschaffung für die Banken billiger, eine Liquiditätsspritze für den Bankensektor. Soweit ich weiß, ist zudem ein Unterschied zu den Leitzinsen (Fed Funds), dass die Banken Papiere als Sicherheit hinterlegen können, für die niedrigere Bonitätsanforderungen gelten (hier werde ich noch einmal genauer recherchieren, das könnte ein höchst interessanter Aspekt sein). So liegt der Diskontsatz auch höher, vor dieser Senkung um genau 1 %, also 6,25 %, während die Federal Funds Rate bei 5,25 % liegt. Zunächst ist das also wiederum eine liquiditätssteigernde Maßnahme.
Reaktion auf die Auflösung der Carry-Trades und den Nikkei?
Die Fed reagiert nun doch offensichtlich mit deutlichen Maßnahmen auf die aktuelle Situation. Ich denke, das ist eine Reaktion auf die massive Auflösung der Carry-Trades, von der ich gestern berichtet hatte. Aber auch die Kapitulation der Anleger im Nikkei mit einem Tagesminus von 5,43 % stimmt bedenklich. Gründe genug, damit die Notenbanken nervös werden, insbesondere da gerade die Auflösung der Carry-Trades schon häufig als Gefahr für die internationalen Kapitamärkte genannt wurden.
Ein schlechtes Zeichen?
Diese Aktion der Fed muss somit eigentlich als eher schlechtes Zeichen gewertet werden, denn sie macht deutlich, dass die Krise vielleicht doch schlimmer ist, als bisher dargestellt. Aber das ist nur ein erste Gedanke, wesentlich bedenklicher finde ich folgende Interpretation:
Wenn man es sich genau überlegt, ist es eigentlich auch ein schlechtes Zeichen, dass die Fed nicht direkt die Leitzinsen senkt. Man könnte diesen Schritt nämlich auch dahingehend interpretieren, dass die Fed aufgrund der hohen Inflationssorgen den eigentlichen Leitzins nicht senken will oder kann! Somit hätte diese Diskontsatzsenkung eher eine symbolische Bedeutung.
Es ist nicht sicher, dass die Märkte diesen Schritt ähnlich bewerten werden. Sie rechnen in einer ersten Reaktion zunächst damit, dass bald auch eine Leitzinssenkung folgen wird. Ich bin gespannt, ob die erste Euphorie im weiteren Verlauf Bestand hat, denn nach dieser Nachricht bin zumindest ich eher besorgt, als beruhigt.
Sehr, sehr wütend!
Bei mir hat diese Zinssenkung lediglich bewirkt, dass ich nun noch wütender bin als heute morgen. Und damit zu dem Thema, über das ich eigentlich heute schreiben wollte:
Immer Ärger mit den Emittenten
Eigentlich lernt man als Trader recht schnell, immer gelassen, ruhig und gefasst zu bleiben, egal was passiert. Anders ist erfolgreiches Handeln gerade im kurzfristigen Bereich kaum möglich.
Es gibt jedoch so Tage, da verliere selbst ich die Gelassenheit, und glauben Sie mir, dazu muss schon sehr viel passieren.
Eigentlich der perfekte Trade. 100 % in 24 Stunden!
Gestern Morgen hatte ich für die Leser des Target-Trades eine Empfehlung für einen Call-Optionsschein auf den Euro-Stoxx zu 15 Cent heraus gegeben. Ich hatte dazu geschrieben, dass ich heute, spätestens morgen, mit einem Reversalversuch rechne.
Um 8 Uhr stand der Schein bei 15/16 Cent, um 9 Uhr bei 16/17 Cent. Den ganzen Tag über weigerte sich der Emittent trotz massiver Kursverluste in den Indizes den Kurs „15 Cent“ zu stellen. Die Taxen waren einfach idiotisch, der Call stieg sogar um über 25 % an, obwohl die Märkte derart massiv eingebrochen sind. Bis einschließlich 20.00 Uhr, als der L-Dax zeitweise über 4 % im Minus war – nichts.
Volatilität alleine reicht nicht als Argument
Ich weiß, dass man diesen Anstieg bei Optionsscheinen, die weit aus dem Geld sind, bei fallenden Kursen oft mit der gestiegenen Volatilität erklären kann. Aber ich beobachte schon seit vielen Jahren diese Optionsscheine. In diesem Fall reichte diese Erklärung nicht aus. Nein, der Emittent wollte einfach in dieser Panik-Situation das vergleichsweise große Volumen nicht befriedigen und hat bis zum Erbrechen an der Vola gedreht – verständlich, die Absicherung wäre schwierig geworden.
Hinzu kamen erste größere Ordern zu den aktuellen Kursen. Natürlich waren es auch diese massiven Käufe, die den Emittenten davon abgehalten hat, tiefer zu taxen. Warum sollte er auch, wenn genug Käufer alles kaufen, was der Emittent anbietet?
Aber okay, das Spiel kennen wir, es war in diesem Fall unter anderem sicherlich auch mein Fehler, die Order so deutlich und früh in den Markt zu legen. Nur: damit war der Trade hinfällig. Ich hatte auf einen schnellen Anstieg auf 30 Cent, also schnelle 100 %, gesetzt. Bei einem Kurs von 19-20 Cent war aber nur noch ein Gewinn von 50 % möglich. Das Chance-Risiko-Verhältnis war zu diesem Zeitpunkt hundsmiserabel, da auf der anderen Seite ein hohes Totalverlustrisiko bestand.
Das alles habe ich noch mit großer Gelassenheit beobachtet.
Das Ende der Gelassenheit: Gewinn von 200 % vermasselt!
Doch meine Gelassenheit endete heute um 9 Uhr: Wie ich letzte Woche schon geschrieben habe, hatte ich überlegt, den Lesern des Target-Traders einen Short auf Dollar/Yen zu empfehlen, was ich tatsächlich auch am Donnerstag noch gemacht hatte. Dieser Schein stand nach einer Woche heute im frühen Handel bei 200 % im Plus. 200 % in einer Woche ist eine gigantische Performance (Rechnen Sie das mal aufs Jahr hoch, das sind über 10.000 %!).
Es wäre alles so schön gewesen! Aber über Stuttgart konnte man den Schein natürlich genau heute nicht handeln, da es irgendwelche Probleme mit dem Emittenten, der Deutschen Bank, gegeben hat.
Auch auf telefonische Nachfrage geschah lange nichts...
Stuttgart taxte munter die ganze Zeit einen irrealen Kurs von 3,76 €. Auf telefonische Nachfrage meinerseits hörte ich, dass dies der Kurs vom Vortag sei. Der freundliche Herr am Telefon erklärte, nachdem er mit dem Händler Rücksprache gehalten hatte, die Euwax könne zurzeit keinen Kurs stellen, da der Emittent mitgeteilt habe, die aktuellen Emittentenkurse seien nicht handelbar. Erst wenn von dem Emittenten das Okay käme, würden sie wieder Kurse stellen. Der Emittentenkurs stand zu diesem Zeitpunkt bei 3,96 € (was auch dem Kurs im Dollar/Yen entsprach) und war auch außerbörslich offensichtlich handelbar. Genau das war der Kurs, zu dem ich eine Verkaufsempfehlung herausgegeben hätte (der Höchstkurs lag sogar über 4 Euro).
Keine Chance!
Da über Stuttgart jedoch kein Handel möglich war, konnte ich meine Mail nicht versenden, weil vielen Kunden der außerbörsliche Handel nicht möglich ist. Jetzt sind die Kurse derart deutlich zurückgekommen, dass sich ein Verkauf nicht mehr lohnt - okay, dann traden wir eben auf 500 %.
Ich kann gut verstehen, dass die Emittenten dann, wenn die Kurse stark steigen oder fallen, kurz keine Kurse stellen, da diese sich in so einem Markt nur schwer absichern können. Aber die ersten Kurse wurden erst eineinhalb Stunden nach Handelsbeginn um 10.25 Uhr gestellt! Und die Bewegungen im Dollar/Yen waren in dieser Zeit eigentlich eher moderat. Als endlich ein Kurs gestellt wurde, lag er bei 3,59 € (!!!) – damit war der Gewinn deutlich zusammengeschrumpft.
In diesem Moment war ich bereits wütend, doch auch das war noch zu steigern:
Nach dieser Senkung des Diskontsatz wird der Dollar/Yen Put nunmehr bei 2,60 getaxt! 1,36 € unter dem Kurs, zudem ich aussteigen wollte! Und der Call auf den Euro Stoxx stand nach dieser Nachricht bei 35 Cent, das wäre ein Gewinn von 133 % in 24 Stunden gewesen.
Was bleibt ist Resignation...
Schlechter Service?
Ganz ehrlich, wenn man solche Scheine emittiert, um damit Gewinn zu machen, muss man auch dafür Sorge tragen, dass diese Scheine handelbar sind! Ich habe für vieles Verständnis und weiß, dass die Emittenten sich selbst absichern müssen. Aber gerade die Ausfälle der Deutschen Bank sollen in letzter Zeit zugenommen haben, wie mir auch von mehreren Kollegen bestätigt wurde.
Im Prinzip sollte man die Scheine meiden, deren Emittenten die meisten Schwierigkeiten machen. Denn die Emittenten bringen die Scheine ja nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit heraus, sondern um Geld zu verdienen. Wir sind die Kunden und natürlich sollten wir Wert auf gute Produkte und entsprechenden Service legen, schließlich geht es hier um viel Geld. Wer es sich mit seinen Kunden verscherzt, sollte sich nicht wundern, wenn diese Kunden irgendwann weglaufen. Das ist Teil der freien Marktwirtschaft, wer sollte das besser wissen als wir Börsianer – und besagte Emittenten.
Ich gehe heute höchst frustriert ins Wochenende und pfeife auf jedwede Gelassenheit – auch nicht erzielte 200-300 % können schmerzhaft sein.
Viele grantige Grüße
Jochen Steffens