FED ohne Patentlösung
Miriam Kraus in Rohstoff Daily
vom 26. April 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Ein Ausbruch aus dem bösen Kreislauf wäre meiner Meinung nach nur dann möglich, wenn es die US-Wirtschaft schaffen könnte, sich über ihre Exportwirtschaft gesund zu stoßen (nachdem die Zeit für echte Konjunkturprogramme, welche dem Aufbau der Binnenwirtschaft hätten dienlich sein können, mittlerweile, dank der überbordenden Staatsschulden längst abgelaufen ist), was ich aber aktuell eher für eine utopische Vorstellung halte. (obgleich vielleicht so manch ein US-Befürworter der US-Dollar-Abwertungspollitik genau dies im Hinterkopf haben mag, so führt doch gerade diese Politik wiederum dazu, dass potenzielle Absatzmärkte im Ausland geschwächt werden). Aber eigentlich ist das ein anderes Thema...
Das Thema ist die FED und lustigerweise scheint die FED tatsächlich zu glauben, dass sie den Schlüssel zum Ausbruch aus dem bösen Kreislauf in den Händen hält. Oder anders gesagt, die FED geht vermutlich tatsächlich davon aus, dass sie allein mit Hilfe von Zins- und Liquiditätspolitik die wirtschaftlichen Geschicke des Landes lenken kann.
Verstehen sie mich nicht falsch, natürlich hat die FED etwas verändert: sie hat die Weltleitwährung inflationiert und für steigende Asset-Preise gesorgt....aber dennoch zeigen die vergangenen zwei Jahre, dass die FED keineswegs in der Lage ist, die US-Wirtschaft aus ihrem aktuellen Kreislauf zu befreien.
Nun gut, abgesehen davon, dass die FED trotzdem glaubt, dass sie das könnte, hat sie dennoch keine Patentlösung dafür, wie die Uneinigkeit der FED-Notenbanker zeigt.
Was wird uns also morgen erwarten?
Nun, wir alle glauben zu wissen, dass FED-Häuptling Bernanke glaubt, die Patentlösung bereits gefunden zu haben. Diese ist: die aktuelle Politik der Nullzinsen und des QE.
Deshalb gehen einige Beobachter nun davon aus, dass Ben morgen nicht an der Zinsschraube drehen und zudem QE2 wie geplant bis zum Juni fortsetzen wird, vielleicht sogar Hinweise auf ein QE3 liefern wird.
Das ist durchaus eine realistische Annahme, aber leider keineswegs die Patentlösung, wie die Erfahrung der letzten zwei Jahre zeigt.
Aber was wäre die Alternative? Ein Ende von QE? Oh je, dann dürfte sich Ben aber große Sorgen um seine US-Banken machen müssen, von denen nach wie vor fast jedes Wochenende 2-3 pleite gehen. Mal abgesehen davon, dass sich Ben dann auch langsam Sorgen um seine Regierung machen müsste, weil mit dem Wegfall des großen Käufers FED durchaus mit steigenden Zinsen zumindest bei längerfristigen Anleihen gerechnet werden kann. (und das wo die USA doch jetzt schon so überschuldet sind). Höhere Anleihenzinsen haben dann aber auch belastende Auswirkungen auf die Wirtschaft. Und dann ist da auch noch der nach wie vor marode Immobilienmarkt, den gerade steigende Zinsen deutlich weiter belasten würden.
Tja, wie man es auch dreht und wendet, die Patentlösung gibt es zwar nicht und so wird es vielleicht nur umso interessanter zu sehen, welches Überraschungsei der liebe Ben morgen wohl für uns bereit halten mag. Wer weiß, vielleicht wird's auch ein Kompromiss aus Auslaufen des QE und Fortsetzung der Nullzinspolitik? Vielleicht aber auch umgekehrt, ein Kompromiss aus winziger Zinsanhebung und Fortsetzung des QE? Ja, wer weiß...? Man wird sehen...
So long liebe Leser...verpassen Sie die morgige Show jedenfalls nicht...wo sie doch die erste ihrer Art sein wird...und der Asset-Preisrallye entweder einen weiteren Schub oder einen zwischenzeitlichen Stopp verpassen kann....bis morgen und liebe Grüße...
Ihre Miriam Kraus