Fed-Minutes: Richtige Schritte ... doch das Publikum applaudiert nicht
Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. April 2007 07:30 Uhr
ENL5454
von Ronald Gehrt
Guten Morgen, sehr geehrte Leserinnen und Leser!
Es ist jedes Mal ein Elend, sich durch die verklausulierten Sitzungsprotokolle der US-Notenbank zu kämpfen. Vor allem, da man die relevanten Passagen, gering an der Zahl, erst finden kann, wenn man das ganze Zeug komplett gelesen hat. Aber oft lohnt sich der Aufwand, denn wie in einer fast erschöpften Mine findet sich auch hier öfter noch ein wenig Gold, das die Arbeit belohnt. Hier ein paar übersetzte Abschnitte die wohl Anlass gaben, dass die US-Börsen wenig begeistert auf die so genannten „Fed-Minutes“ reagierten:
Unerfreuliche Erkenntnisse
„Die erneuten Hinweise auf schwache Investitionen der Unternehmen und die jüngsten Ereignisse im Bereich der Immobilienkredite suggerieren, dass die Abwärtsrisiken in Relation zum erwarteten, moderaten Wachstum in den Wochen seit der letzten FOMC-Sitzung im Januar gestiegen sind. Zugleich bleibt das Inflationsniveau unangenehm hoch und die letzten Informationen nähren Zweifel, ob sich die Inflation auf dem erwarteten Weg nach unten befindet. Wenngleich die meisten Ratsmitglieder weiterhin erwarten, dass sich die Inflation abschwächen wird, haben doch die jüngsten Daten zu Inflation und Produktivitätssteigerung, im Verein mit höheren Energiepreisen, die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Inflation nicht wie erwartet zurückgeht. Dies bleibt die vornehmliche Sorge des Rates.“
Immobilienmarkt? Immer noch kein Problem?
Locker nahmen die Ratsmitglieder hingegen die Lage am Immobilienmarkt. Man sähe (wie seit Monaten, Anmerkung meinerseits) Tendenzen zu einer Stabilisierung und erwarte, dass der gute Arbeitsmarkt und die Lohnsteigerungen dazu führen, dass das Interesse am Immobilienmarkt wieder ansteigen werde. Zumal es keine Hinweise gäbe, dass die jüngste Abschwächung auf andere Konjunkturbereiche übergegriffen habe.
Ich persönlich vermute, dass das Interesse an Häusern in der Tat wieder zunehmen wird. Ich frage mich indes, wann und auf welchem Niveau ...
Überraschungen: Ei, warum investieren die nicht?
Erstaunt gab man sich angesichts der schwachen Investitionsneigung der Unternehmen trotz starker Bilanzen, hoher Profitabilität, zu erwartendem Umsatzwachstum und günstigen Geldmarktkonditionen. Man kam zu dem Schluss, dass dies möglicherweise daran liegen könnte, dass die Verantwortlichen dort angesichts der jüngsten Entwicklungen Zweifel über die kommende Entwicklung bekommen hätten und vielleicht sogar relativ geringe Umsatzsteigerungen befürchten ...
Gewichtige Worte, gelassen formuliert. Wer nun einwendet, dass dies doch wohl logisch und selbst unerfahrenen Investoren glasklar sei ... stimmt. Tja, da mag man sich seine eigene Meinung bilden.
Ein Schritt in die richtige Richtung ...
Aber: Wenngleich die US-Börsen dieses Protokoll mit Abschlägen quittierten, ist es doch allemal positiv, dass auch die US-Notenbank zu verinnerlichen beginnt, dass die Lage keineswegs so prima und unter Kontrolle ist, wie der US-Notenbankchef in den vergangenen Monaten jedem mitteilte, der es wissen wollte. Nur der, der die Scheuklappen abstreift, kann auf dir richtige Art und Weise reagieren. Sicher:
Zu hohe Inflation bei zeitgleichem Abkippen des Wirtschaftswachstums in Richtung Nulllinie ist ein Problem, das nicht einfach gelöst werden kann. Es aber zu erkennen und einzuräumen, ist wenigstens ein Schritt in die richtige Richtung. Was bedeutet:
... doch das Publikum applaudiert nicht
Eigentlich hätten die Börsen dieses Protokoll positiv quittieren müssen: Die Notenbank erkennt den Ernst der Lage – großenteils. Das ist gut. Aber ich könnte mir gut vorstellen, dass die Verkäufe einfach von denen kamen, die ernstlich an die „alles bestens“-Parolen zuvor geglaubt haben und nun erst langsam realisieren, dass ihre heile Welt keineswegs heil ist. Das mag für jemanden, der die Lage nüchtern und regelmäßig betrachtet absurd klingen. Aber wären diejenigen, die alle Seiten der Medaille betrachten, in der Mehrheit ... hätte es dann die Millenniums-Rallye gegeben? Den 1987er-Crash? Den aktuellen Einbruch am US-Immobilienmarkt? Und, und, und?
Diejenigen, die die Dinge zu betrachten suchen, wie sie wirklich sind, waren schon immer in der Minderheit. Wundern wir uns also besser nicht über diese Reaktion gestern Abend. Und wundern wir uns auch nicht über das, was noch alles auf uns zukommt – weder nach oben, noch nach unten ...
Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Tag – bis morgen!
Ronald Gehrt
The Daily Observer
weitere Ausgaben von
Kapitalschutz Akte
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Sicheres Geld
Der exklusive Börsendienst, der Ihr Vermögen zuverlässig schützt
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Sicheres Geld