Fed lässt Zinsen unverändert
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 10. Dezember 2003 18:00 Uhr
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Die Fed hat vordergründig nichts verändert. Die Zinsen blieben bei 1 %, die Niedrigzinspolitik soll weitergeführt werden – zunächst einmal. Allerdings – etwas hat sich doch verändert: Deflationäre Tendenzen machen der Fed keine Sorge mehr. Damit wird jetzt das Thema "Inflation" wieder interessant. Das hatten wir hier im Investor's Daily bereits vorweggenommen. Von Analysten wird diese Aussage der Fed zum Teil als eine frühe Warnung verstanden, dass es doch bald zu einer Zinssteigerung kommen wird. Vielleicht schon im Frühjahr nächsten Jahres?
Meiner Meinung nach müsste die Fed bereits jetzt die Zinsen leicht anheben. Das gäbe zwar ein kurzes Beben an den Märkten, aber das wäre angesichts der aktuellen Kurse eher gesund. Aus der Vergangenheit weiß man jedoch, dass die Fed offenbar notwendige Maßnahmen gerne etwas zu spät einleitet.
Andererseits ist die Zurückhaltung auch ein Zeichen dafür, dass die Fed die Gefahren des schlechten Arbeitsmarktes nicht aus den Augen verloren hat. Denn wäre der Arbeitsmarkt tatsächlich deutlich angezogen, gäbe es kaum noch Gründe umd an der Niedrigzinspolitik festzuhalten. Insgesamt kann man nun schlussfolgern, dass die Fed wahrscheinlich erst reagiert, wenn der Arbeitsmarkt deutlich anzieht oder die Inflationsgefahr zu groß wird.
Die Bush Regierung macht währenddessen mit ihrer bekannten "Politik des Charmes, der Diplomatie und des internationalen Zusammenhalts" weiter. Nun wurden auf einer Internetsite des US-Verteidigungsministers die Staaten aufgelistet, deren Unternehmen sich am Wiederaufbau des Iraks beteiligen dürfen. Natürlich nur solche Länder, die Amerika beim Thema Irak-Krieg direkt unterstützt haben. Sogar die Türkei ist dabei, obwohl sie den USA die Nutzung ihrer Stützpunkte versagt hatte. Staaten wie Deutschland und Frankreich sind natürlich nicht aufgelistet. Die Begründung der Regierung ist so klar, wie kurz: Dieser Schritt sei notwendig, um die wesentlichen Sicherheitsinteressen der USA zu schützen.
Ob nach dieser Veröffentlichung die nicht genannten Länder noch bereit sind, die USA aktiv beim Wiederaufbau zu unterstützen? Offenbar soll sich hier eine Unterstützung "erkauft" werden. So sehr man die verschiedene Seiten diskutieren kann, es bleibt ein fader Beigeschmack.
Derweil stehen die Großen der deutschen Wirtschaft mit Ihren Anwälten vor diversen Gerichten und hoffen auf günstige Urteile.
Die Deutsche Bank musste dabei gerade eine empfindlich Niederlage hinnehmen. Das Oberlandesgericht München entschied, dass Leo Kirch Schadensersatzansprüche aufgrund der umstrittene Aussage des damaligen deutschen Bank Chefs, Rolf Breuer, zur Kreditwürdigkeit des Kirchs Imperiums, zuständen. Jedoch hafte nicht die Person Rolf Breuer, sondern die Deutsche Bank. Welche Summen da auf die Deutsche Bank zukommen, ist im Moment sehr ungewiss. Trotzdem hielt sich die Deutsche Bank nach dieser Nachricht erstaunlich stabil.
Die Deutsche Bank will nach diesem Urteil weitere rechtliche Schritte überlegen.
Im US-Bundesstaat Delaware hingegen sitzt DaimlerChrylser Chef Jürgen Schremp und versucht die Gerichte davon zu überzeugen, dass es sich bei der Fusion zwischen Daimler und Chrysler um eine Fusion und nicht um einer Übernahme gehandelt habe. Kernpunkt dürfte dabei sein, dass Chrysler aufgrund miserabler Ergebnisse nicht mehr als "Gleich unter Gleichen" behandelt werden konnte. Anders dürfte es schwer zu erklären sein, dass Chrysler in dem neuen Konzern immer mehr an Gewicht verlor. Sie kennen meine Meinung, es war eine Übernahme. Trotzdem dürfte es schwer werden, das vor Gericht zu beweisen. Interessant sind die Fakten, die dabei ans Tageslicht kommen. Sie sind ebenso spannend, wie man es erwarten sollte, wenn es um eine Fusion unter Großen geht. Wahrscheinlich wird sich ein findiger Journalist finden, der diese Geschichte mit ein wenig Fiktion zu einem netten Thriller verarbeitet. Ich glaube, das könnte eine nette Urlaubslektüre werden.