FED hebt Diskontsatz an: EUR/USD sackt erneut ab
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 19. Februar 2010, 12:00 Uhr
ENL5462
Überraschend kam sie ja eigentlich nicht, die Anhebung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank am gestrigen Abend. Doch es sind die sich daraus ergebenden Erwartungen, die zu einem klaren Signal umgedeutet werden.
Gestern Abend hat das FED den so genannten Diskontzinssatz um 25 Basispunkte auf 0,75% angehoben. Der Diskontsatz ist der Zins, den die Geschäftsbanken zahlen müssen, wenn sie kurzfristig einen Kredit bei der Notenbank aufnehmen. Vor der Krise lag der Diskontsatz gewöhnlich um rund 100 Basispunkte über dem Leitzinssatz. Doch im Zuge der Krise wurde diese Differenz deutlich eingeengt. Nun allerdings sieht es das FED an der Zeit, dass sich die Geschäftsbanken für ihre Refinanzierung langsam wieder stärker auf den privaten Sektor verlassen.
Der Markt sieht ein Signal
Die Anhebung des Diskontsatzes wird aktuell als der erste Schritt für den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik des FED gewertet. Am Ende stünde hier ein Rückgang der hohen Liquidität im Finanzsystem. Und so reagieren die anfälligen Marktteilnehmer erst einmal mit Verkäufen - Aktienmärkte und US-Futures runter und auch der Ölpreis hat wieder abgegeben.
So rasch ist wohl allerdings nicht mit einer Leitzinssatzanhebung zu rechnen
Gerade weil der Markt allerdings so anfällig ist und auch die wirtschaftliche Erholung sich Zeit lässt, dürfte meiner Meinung nach mit einer sehr raschen Anhebung der Leitzinsen nicht zu rechnen sein.
Zwar fordern nicht nur Ökonomen sondern auch einige der Notenbanker im Angesicht von Inflationsgefahren einen baldigen Abzug der Liquidität und eine Anhebung der Zinsen, doch das Gros der Notenbanker, darunter vor allem auch FED-Chef Bernanke, sehen die Zeit dafür noch nicht gekommen. Ein zu rasches und heftiges Anziehen der Zügel könnte nämlich immer noch dafür sorgen, dass der Reiter doch noch abgeworfen wird. In diesem Zusammenhang dürfte wohl vor allem das Stichwort Doube-Dip-Rezession über Bernankes Kopf schweben, wie das sprichwörtliche Damokles-Schwert.
Aber, nun gut! Ein erster Schritt ist getan, der Markt hat reagiert und der Euro ist erneut deutlich eingebrochen. Nachdem EUR/USD sich zu Beginn der Woche noch einmal auf über 1,37 aufschwingen konnte (wie von mir erwartet, handelte es sich erneut nur um eine Zwischenerholung), begann bereits am Mittwoch wieder der Abstieg. Nach Verkündigung der FED-Entscheidung klatschte das Währungspaar dann gestern förmlich von über 1,36 bis auf 1,3442 im Tief. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3495 . Eine starke Unterstützung ergibt sich im Bereich um 1,3423/20. Sollte dieses Level nach unten durchbrochen werden, könnte es bald weiter nach unten gehen in Richtung 1,33. Widerstand ergibt sich erst einmal bei 1,3510 und 1,3530.
Quelle: CFX-Broker
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