Fed hat keine langfristigen Inflationssorgen!
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 02. November 2005 18:00 Uhr
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Die Fed hat den US-Leitzins gestern, wie allgemein erwartet, zum zwölften Mal in Folge um 25 Basispunkte auf 4 % angehoben. Das letzte Mal stand der Leitzins Mitte 2001 auf diesem Niveau.
Die Fed hat eine weiterhin maßvolle Straffung ihrer Geldpolitik angedeutet. Nach Aussagen der Fed sind die Auf- und Abwärtsrisiken für die Preisstabilität und das Wachstum ausgeglichen (hört, hört). Allerdings räumte sie ein, dass die Steigerung der Energiepreise das Potential hätten, den Inflationsdruck zu erhöhen. Nun kommt es: Langfristig sei aber die Inflation unter Kontrolle, so die Fed. Der geneigte Börsianer darf sich fragen, was das dann in den letzten Wochen sollte? Ist man hier langsam zur Vernunft gekommen? Das würde jedoch bedeuten, dass vorher "Unvernunft" geherrscht hat. Da ich das nicht glauben will, bleiben die Theorien, die ich hier ausführlich diskutiert habe. Ich sehe mich lediglich ein wenig mehr bestätigt.
Die Medien, die Medien!
Fast amüsiert kann man nun auf den fast inflationistischen Umgang mit dem Thema " Inflationsgefahren" in den Medien zurückblicken. Wie gesagt, alles nur, wenn der Ölpreis nicht wieder neue Hochs erklimmt, aber auch der zeigt sich, wie erwartet, nicht in Bullenlaune, mal schauen wie sich die beginnende Heizperiode auswirkt.
Positive Effekte der Hurrikans
Interessant auch, dass die Fed mittlerweile von den Folgen der Hurrikans in der Vergangenheit spricht: So hätten deren Auswirkungen das Wachstum und die Beschäftigung in den USA nur vorrübergehend geschwächt. Hier nun auch der Hinweis, dass der Wiederaufbau das künftige Wachstum stärken werde. Ich könnte ja jetzt – aber ich lasse es ...
Alles wird gut
Nun sieht also alles wieder besser aus, die Inflation ist langfristig unter Kontrolle, die Auswirkungen der Hurrikans sind langfristig positiv. Es wird mit noch zwei, höchstens drei Zinserhöhungen gerechnet. Wieder einmal hat sich gezeigt, dass es sich an der Börse absolut nicht lohnt, an irgendwelchen Massenhysterien teilzunehmen. Bleiben Sie abseits, machen Sie sich Ihre eigenen Gedanken, glauben Sie nichts und niemandem. Das ist bei weitem lukrativer, als jede andere Strategie, die ich kenne.
Wirklich alles?
Allerdings macht der Dax mir langsam Sorgen. Im Moment stehen viele Dax-Chart kurz davor, bearishe Signale auszubilden. Damit würde sich eine weitere Abwärtskorrektur bis ca. 4600 Punkte abzeichnen. Das entspräche dann auch sicherlich einem Dow unter 10.000 Punkten. Die amerikanischen Indizes müssen heute demnach sehr schnell und impulsiv nach oben gehen, damit dieses Szenario endlich aus dem Markt genommen wird! Also seien Sie vorsichtig!
Hebt die EZB die Zinsen an?
Und ein letztes: Es wird diskutiert, dass die EZB die Zinsen morgen anheben wird. Ich kann mir das nicht vorstellen, das wäre ein falsches Signal und wesentlich zu früh. Aber spätestens im Jahr 2006 sollte es zu Zinserhöhungen kommen, maßvolle, wie die Fed zu sagen pflegt.