FED-Diskontsatz-Anhebung belastet nur kurzfristig...
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 19. Februar 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
In der vergangenen Woche haben die Aktienmärkte wieder zugelegt. Der DAX schloss die Woche mit einem Plus von 4,0%. Der Nikkei legte im Vergleich zur Vorwoche um 0,3% zu, während der Dow Jones aktuell mit 3,1% im Plus notiert gegenüber der Vorwoche. In China sind die Börsen in dieser Woche aufgrund der Neujahrsfeierlichkeiten geschlossen.
Konjunkturdaten
Aus den USA wurden überwiegend besser als erwartet ausgefallene Konjunkturdaten übermittelt. So stieg der Empire State Manufacturing Index im Februar auf 24,91 Punkte. Ökonomen hatten zuvor nur einen Anstieg auf 18 Punkte prognostiziert. Auch die Zahl der US-Baubeginne ist im Januar mit einem Anstieg von 2,8% gegenüber dem Vormonat stärker gestiegen als zuvor angenommen. Dagegen verbuchten die Baugenehmigungen einen Rückgang. Dem FED zufolge ist die US-Industrieproduktion im Januar um 0,9% gestiegen gegenüber dem Vormonat. Hier hatten Analysten zuvor ein Wachstum von 0,7% erwartet. Der Geschäftsklimaindex der FED Philadelphia zeigte einen Anstieg von 15,2 Punkten im Vormonat auf 17,6 Punkte im Februar. Erwartet wurde nur ein Anstieg auf 17 Punkte. Die wirtschaftliche Aktivität verbesserte sich dagegen im Januar nur um 0,3% gegenüber dem Vormonat, erwartet worden war ein Anstieg um 0,7%. Zudem hat sich die Arbeitsmarktsituation in den USA weiter verschlechtert: die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe erhöhte sich um 31.000 auf 473.000, während man zuvor einen Rückgang erwartet hatte. Das US-Arbeitsministerium gab für die Verbraucherpreise im Januar einen Anstieg um 0,2% gegenüber dem Vormonat bekannt. Die Inflationsrate notiert bei 2,6%. Die Kernrate ging im Vergleich zur Vormonat dagegen um 0,1% leicht zurück.
Griechenland unter Sparzwang
Die EU-Finanzminister haben Griechenland nach ihrem Treffen am Dienstag die Pistole auf die Brust gesetzt. Brüssel fordert härtere Sparmaßnahmen, andernfalls will man das Land zu Sparmaßnahmen zwingen.
Auszug aus Devisen-Monitor vom 17.02:
Luxemburgs Juncker sagte es so: "Griechenland muss wissen, dass die deutschen, die belgischen, die niederländischen, die luxemburgischen Steuerzahler nicht bereit sind, die Fehlleistungen der griechischen Haushaltspolitik zu begleichen. Insofern ist Griechenland am Drücker, und wir bringen Griechenland in die Nähe des Voll-Durchdrückens haushaltspolitischer Konsolidierungsmaßnahmen."
Natürlich heißt das noch immer nicht, dass man dem Land nicht im Ernstfall beistehen würde, doch immerhin hat die Euro-Zone den Griechen zunächst einmal ein Ultimatum gestellt: bis zum 16.März muss das Land beweisen, dass es auf dem richtigen Weg ist, noch in diesem Jahr sein Defizit von aktuell 12,7% auf 8,7% zu senken. Brüssel empfiehlt Mehrwertsteuererhöhungen, sowie Zusatzabgaben auf Luxusgüter und Energie.
So weit, so gut - jetzt müssen die Griechen nur noch aufhören zu streiken und die bittere Pille endlich schlucken.
Griechenlands Finanzminister Papaconstantinou glaubt ja bereits auf dem richtigen Weg zu sein und die Vorgaben einhalten zu können. Wir wünschen es uns alle! Zumindest sieht Papaconstantinou keine Notwendigkeit für einen Bailout!"
Kurzfristig konnte sich daraufhin der Euro, der zu Beginn der Woche unter 1,36 handelte gegenüber USD, wieder erholen und stieg bis über 1,3780. Allerdings war die Erholung wie gesagt nur kurzfristig und EUR/USD begann bereits am Mittwoch wieder den Abstieg. Von Donnerstag auf Freitag brach der Euro erneut deutlich ein bis auf 1,3442 im Tief, nachdem das FED bekannt gegeben hatte, den Diskontsatz anzuheben.
FED hebt Diskontsatz an
Auszug aus Devisen-Monitor vom 19.02:
Überraschend kam sie ja eigentlich nicht, die Anhebung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank am gestrigen Abend. Doch es sind die sich daraus ergebenden Erwartungen, die zu einem klaren Signal umgedeutet werden.
Gestern Abend hat das FED den so genannten Diskontzinssatz um 25 Basispunkte auf 0,75% angehoben. Der Diskontsatz ist der Zins, den die Geschäftsbanken zahlen müssen, wenn sie kurzfristig einen Kredit bei der Notenbank aufnehmen. Vor der Krise lag der Diskontsatz gewöhnlich um rund 100 Basispunkte über dem Leitzinssatz. Doch im Zuge der Krise wurde diese Differenz deutlich eingeengt. Nun allerdings sieht es das FED an der Zeit, dass sich die Geschäftsbanken für ihre Refinanzierung langsam wieder stärker auf den privaten Sektor verlassen.
Der Markt sieht ein Signal
Die Anhebung des Diskontsatzes wird aktuell als der erste Schritt für den Ausstieg aus der extrem lockeren Geldpolitik des FED gewertet. Am Ende stünde hier ein Rückgang der hohen Liquidität im Finanzsystem. Und so reagieren die anfälligen Marktteilnehmer erst einmal mit Verkäufen - Aktienmärkte und US-Futures runter und auch der Ölpreis hat wieder abgegeben.
So rasch ist wohl allerdings nicht mit einer Leitzinssatzanhebung zu rechnen
Gerade weil der Markt allerdings so anfällig ist und auch die wirtschaftliche Erholung sich Zeit lässt, dürfte meiner Meinung nach mit einer sehr raschen Anhebung der Leitzinsen nicht zu rechnen sein.
Zwar fordern nicht nur Ökonomen sondern auch einige der Notenbanker im Angesicht von Inflationsgefahren einen baldigen Abzug der Liquidität und eine Anhebung der Zinsen, doch das Gros der Notenbanker, darunter vor allem auch FED-Chef Bernanke, sehen die Zeit dafür noch nicht gekommen. Ein zu rasches und heftiges Anziehen der Zügel könnte nämlich immer noch dafür sorgen, dass der Reiter doch noch abgeworfen wird. In diesem Zusammenhang dürfte wohl vor allem das Stichwort Doube-Dip-Rezession über Bernankes Kopf schweben, wie das sprichwörtliche Damokles-Schwert."
Aktuell notiert EUR/USD wieder leicht erholt bei 1,3575.
Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Energie
Die Ölpreise sind in der vergangenen Woche deutlich gestiegen. Die Anhebung des Diskontsatzes und die daraus resultierende USD-Stärke zeigten nur kurzfristigen Einfluss auf die Ölpreise. WTI fiel von 79 US-Dollar pro Barrel zunächst um über 1 USD. Nachdem sich der Euro ab Freitag Nachmittag aber wieder erholen kann steigen auch die Ölpreise wieder weiter an und WTI notiert erneut über 79 US-Dollar pro Barrel.
Dennoch geben die Fundamentaldaten nach wie vor nur wenig Anlass zum Optimismus. In der vergangenen Woche sind die US-Rohöllagerbestände um 3,1 Millionen Barrel gestiegen - stärker als erwartet. Dies obwohl sich die Raffinerieauslastung auf 79,8% erhöht hatte. Die Benzinbestände stiegen um 1,6 Millionen Barrel. Nur die Destillatsbestände zeigen aufgrund des kalten Wetters einen Rückgang um 2,9 Millionen Barrel.
WTI zur Lieferung im März notiert aktuell bei 79,79 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im April notiert aktuell bei 78,22 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Der Goldpreis konnte auch in dieser Woche weiter steigen und handelt wieder über der 1.100 US-Dollar-Marke.
Auch hier zeigte die Anhebung des Diskontsatzes durch die US-Notenbank und der daraus resultierende deutlich stärkere US-Dollar nur kurzfristigen Einfluss, mit einem zwischenzeitlichen Rückgang des Goldpreises von 1.120 US-Dollar bis auf 1.100 US-Dollar pro Unze.
Aktuell notiert der Goldpreis bei 1.120,10 US-Dollar pro Feinunze an der COMEX.
Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.112,75 US-Dollar pro Feinunze festgesetzt.
Basismetalle
Auch die Industriemetallpreise konnten in dieser Woche weiter zulegen. Hier kehrte sich die kurzfristige Belastung durch die Anhebung des FED-Diskontsatzes ebenfalls praktisch ins Gegenteil um. Die Marktteilnehmer sehen hierin nun ein Anzeichen für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage, was ebenfalls die Erwartungen auf eine wieder steigende weltweite Industriemetallnachfrage unterstützt.
Allerdings bleiben auch hier nach wie vor die Fundamentaldaten schwach - mit weltweit hohen und steigenden Lagerbeständen für alle Industriemetalle.
Konjunkturmetall Kupfer notiert aktuell bei 3,35 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
ähnliche Beiträge:
- FED hebt Diskontsatz an: EUR/USD sackt erneut ab
- Fed senkt Diskontsatz um 50 Basispunkte – wirklich ein positives Signal?
- Nur kurz beeindruckt
- Sind auch Stolpersteine dabei?
- Fed senkt Diskontsatz um 50 Basispunkte – wirklich ein positives Signal?
- Europa-BIP belastet kurzfristig EUR/USD
- Die Hurriansaison beginnt
- Hoher Euro belastet kurzfristig
Artikel weiterempfehlen