Fastenzeit
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 28. Februar 2007 07:30 Uhr
ENL5454
Am Mittwoch hat die Fastenzeit begonnen. Ich hätte es fast vergessen, hätte ich nicht am Donnerstag zufällig Pater Walter getroffen. Er erinnerte mich daran, dass ein guter Katholik die Fastenzeit ernst nehmen sollte. Natürlich hatte ich ebenfalls bereits vergessen, dass ich ein guter Katholik bin. Da ich momentan in unserer Neuen Welt lebe, dachte ich, dass ich drum herum komme, indem ich den Lebensstil der Neuen Welt annehme. In der Alten Welt war ich immer Katholik – sowohl bevor ich nach Amerika auswanderte als auch nachdem ich zurückkam. Aber in der Neuen Welt gehörte ich immer der Episkopalkirche an. Und nebenbei, ich bin gerade mit einer jungen Familie auf Reisen und das Familienoberhaupt ist Atheist.
„Unsere Kinder gehen in die örtliche presbyterianische Kirche in New York. Aber ich habe dem Pastor gesagt, dass ich ein praktizierender Atheist bin“, sagte mein Bekannter. „Religion ist ein heißes Thema bei uns in der Gegend. Unser Sohn kam aus der Schule und sie hatten ihm erzählt, dass die Evolution ‚nur eine Theorie’ sei. Sie erläuterten ihm außerdem die Theorie des ‚intelligenten Designs’.“
Die Diskussion fing bei den Pfannekuchen an. Steigerte sich sogar noch bei Papaya und Melone … und erreichte ihren Höhepunkt beim Kaffee. Das ganze Frühstück hindurch diskutierten wir die Grenzen der Wissenschaft und die Reichweite der Religion.
Was mich überraschte war nicht die Evolution … für die sich die Menschen anscheinend nicht sonderlich interessieren … sondern die globale Erwärmung. Hier ist sich die jüngere Generation einig. Die globale Erwärmung ist ein Risiko für die Menschheit.
Ich gestand, dass ich nichts darüber weiß. Aber noch mehr ärgert sich das junge Volk darüber, dass Leute wie ich davon ausgehen, dass auch niemand sonst darüber Bescheid wissen muss.
„Steigt die Temperatur wirklich? Ist das so ungewöhnlich? Sind wir dafür verantwortlich? Ist es schlecht? Kann man das Ganze in den Griff bekommen? Lohnt sich der Klimaschutz? Da stehen eine ganze Menge Fragezeichen zwischen meinem momentanen Standpunkt und einem festen Standpunkt, wenn es um dieses Thema geht”, entgegnete ich zurückhaltend.
„Du kannst deinen Kopf nicht einfach in den Sand stecken. Du kannst nicht einfach sagen ‚Ich kann nicht alles wissen … und daher werde ich es auch gar nicht erst versuchen.’ Du kannst dich nicht von der Verantwortung, für das was in der Welt vor sich geht und inwieweit zukünftige Generationen davon betroffen sind, lossagen“, sagte mein Sohn Henry.
„Hm, ich weiß nicht“, entgegnete ich mutig. „Wurden jemals irgendwelche großen Katastrophen von Menschen verursacht, die zu lange gezögert haben … von Leuten, die einen zweiten Gedanken darauf verwenden wollten … oder gar einen dritten? Oder von Leuten, die sich lieber um ihre eigenen Angelegenheiten gekümmert haben? Kriege, Progrome, Hungerfolter, Massenmorde, Revolutionen, Ermordungen – sie sind allesamt Sünden des Engagements und nicht der Gleichgültigkeit.“
“Ja, aber hier stehen wir einer unnatürlichen Katastrophe gegenüber – als ob der Tsunami in Asien von einem durch Menschen durchgeführten Atomtest im Pazifik verursacht worden wäre. Wenn etwas in der Größenordnung von Menschen verursacht worden wäre … oder auch wenn nicht … sollte man dann nicht trotzdem versuchen, die Menschen zu warnen? Ihnen zu sagen, dass sie vom Strand runter kommen sollen. Sollte man nicht versuchen die Zahl der Todesopfer zu verringern?“
“Nun ja … aber das verringert nicht die Anzahl der Fragezeichen. Wir wissen nicht, ob es einen Tsunami geben wird. Wir wissen auch nicht, warum er entstanden ist oder wie man ihn verhindern kann … oder ob es überhaupt Anlass gibt, es zu versuchen. Wenn man glaubt, dass das Meeresniveau steigt, sollte man definitiv an eine höher gelegene Stelle ziehen. Aber vielleicht will man die Leute nicht dazu bringen, ihre Klimaanlagen nicht mehr zu nutzen und ihre Milch nicht mehr im Kühlschrank kalt zu stellen, nur weil man eine Theorie verfolgt, laut derer solche Dinge das Weltklima in 50 Jahren beeinflussen werden.“
Die Diskussion endete kläglich. Es gab keine Gewinner, nur Verlierer. Wir beide fühlten uns schlecht, weil wir so aggressiv über etwas diskutiert hatten, über das keiner von uns so richtig Bescheid wusste.