Falsche Denkmäler
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. Februar 2005 18:00 Uhr
ENL5454
Letzte Woche ging ich in London ins Theater, in das Stück "The Longest Journey – die längste Reise", das in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs spielt. Es ist ein langes Stück, ein bisschen zu langwierig für meinen Geschmack. Es dauerte fast zwei Stunden, bis der Erste starb.
Viele Jahrzehnte später gibt es für die Sieger Denkmäler ... für die, die ihre Pflicht taten. Aber es gibt keine Denkmäler für die, die sich weigerten, das zu tun. Das ist schade; denn die, die sich weigerten, sind die, die es am meisten verdienen, geehrt zu werden.
Stellen Sie sich vor, was für eine bessere Welt es gewesen wäre, wenn beide Seiten einfach ihre Waffen niedergelegt hätten und gesagt hätten: "Das ist absurd ... wir wissen noch nicht einmal, für was wir kämpfen." Das passierte sogar fast, nebenbei gesagt. Die deutschen, französischen und britischen Soldaten nahmen die Sache in ihre eigenen Hände. Sie hatten alle genug vom Krieg, so dass sie sich auf einen informellen Waffenstillstand einigten. Sie hörten auf, aufeinander zu schießen. Sie besuchten sich gegenseitig in ihren Schützengräben und tauschten Tabak und Alkohol. Die Situation drohte außer Kontrolle zu geraten ... zu einer Form von Frieden zu werden ... bis ältere Offiziere eingriffen und darauf bestanden, dass die Männer wieder damit begannen, sich gegenseitig zu töten.
Es gibt keine Denkmäler für die, die diesen Waffenstillstand verabredeten ... für die Simulanten ... für die Deserteure. Stattdessen wird der Granit für die anderen gemeißelt. Das ist schade; denn sie verdienen es nur selten.
So trat zum Beispiel im Ersten Weltkrieg der amerikanische Präsident Woodrow Wilson mitten auf die Weltbühne. Er sagte, dass dieser Kampf "die Welt sicher für die Demokratie machen müssen".
Die Europäer lachten. Bis zu diesem Moment hatten sie nicht gemerkt, dass der Krieg irgendetwas mit Demokratie zu tun hatte. Aber die Franzosen und die Engländer brauchten das amerikanische Geld ... und das amerikanische Blut. Ja, natürlich, stimmten sie zu. Es ist ein Kampf für die Demokratie! Deshalb schmeichelten sie der Eitelkeit von Wilson und ließen die Truppen zwei weitere Jahre vorwärts stürmen. Ja, die Welt würde definitiv ein besserer Platz werden, wenn wir alle wie ihr Amerikaner werden – sagten sie ... und bissen sich dabei auf die Zunge. Und so ging das Töten weiter.
Nun, sagen die Apologeten, "man kann kein Omelett machen, ohne ein paar Eier zu zerbrechen". Natürlich werden immer Fehler gemacht. Und die Bolschewiken fügten hinzu, dass man es den kleinlichen bourgeoisen Sentimentalitäten nicht erlauben dürfe, sich in ihre Mission einzumischen.
Der andere Weg, die Welt zu verbessern, ist erheblich bescheidener. Er erkennt an, dass die kleinlichen bourgeoisen Sentimentalitäten – Ehrlichkeit, fair play, Würde, Manieren, Nächstenliebe und Mitgefühl – nicht etwas sind, das für eine bessere Gesellschaft geopfert werden darf. Stattdessen sind sie selbst ein Ziel ... sie sind die Substanz einer besseren Welt, und kein Hindernis für eine solche.
Dieser Ansatz ist nicht grandios. Aber wie der oben beschriebene Ansatz beim Investieren funktioniert er zumindest.