Falsche Beweggründe für steigende Goldpreise
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Goldpreisentwicklung
vom 11. November 2011, 13:00 Uhr
ENL5454
Gold habe ich hier im Wave Daily schon lange nicht mehr analysiert (zuletzt am 28. September). Doch passt es gerade zu den zuvor geschilderten Fakten. Denn bei Gold (und Silber) muss man sich zwangsläufig derzeit die Frage stellen, ob die inzwischen in die Billionen gehenden Summen zur Bekämpfung der Schulden in Europa (Gold-)preistreibend wirken oder ob der Schuldenschnitt für Griechenland als ein erstes Signal zur endgültigen Lösung der Probleme interpretiert wird und somit die (Edelmetall-)Preise weiter fallen werden.
(Quelle: CFX-Broker) Gold, Candlestick-Chart, Tageskerzen
Gold wird als Schutz vor Inflation wieder gekauft
Als ich Gold hier zuletzt am 28. September charttechnisch betrachtet habe, hatte der Kurs gerade dynamisch ein Tief bei 1.532 USD angesteuert und dabei die Kerze mit der langen Lunte gebildet.
Offensichtlich tendiert der Kurs seit dem wieder deutlich nach oben. Die Anleger sehen durch die Summen, die zur Bekämpfung der Schuldenkrise in den Markt gepumpt werden, also weiterhin deutliche Inflationsrisiken (preistreibend) und kaufen Gold weiter als Schutz vor Inflation oder gegen die Krise.
Gold weitestgehend ohne Funktion
Gold als Inflationsschutz ist einer der häufigsten Gründe für den Erwerb von Gold. Sie wissen, dass ich dem etwas skeptisch gegenüber stehe, denn Gold ist außer als Schmuck zu nichts anderem wirklich zu gebrauchen.
Zwischen Geld und Inflation gibt es einen Zusammenhang
In den Medien wird immer behauptet, seit einiger Zeit würden die Märkte mit Liquidität überschwemmt und "Geld gedruckt". Das verleitet natürlich zu der Annahme, die Inflation müsse irgendwann stark ansteigen. Und im Prinzip ist dieser Zusammenhang auch durchaus richtig und logisch. Denn zwischen vorhandenem Geld und Inflation gibt es einen Zusammenhang.
Beachten Sie alle Elemente der Gleichung!
Wichtig in dieser Gleichung (in der VWL auch als Quantitätsgleichung bekannt) ist jedoch auch die Geldumlaufgeschwindigkeit. Denn wenn Banken, Unternehmen und Konsumenten ihre Liquidität bzw. das Geld horten, kann die Geldmenge steigen, ohne Inflationsdruck zu erzeugen. Denn Preise können nur steigen, wenn auch mehr Nachfrage erzeugt wird. Doch das Geld fließt nicht sondern bleibt in den Händen der Empfänger. Genau diesen Effekt sehen wir derzeit an den Märkten.
Abnehmende Inflation erwartet
Ich beobachte hier seit längerem die Preisentwicklungen auf verschiedenen Ebenen (Großhandelspreise, Produzentenpreise, Verbraucherpreise etc.) für Sie. Und ich habe mehrfach geschrieben, dass zukünftig eher eine rückläufige Inflation erwartet wird, insbesondere von den Notenbanken.
Zwischen Geld und Inflation besteht also ein Zusammenhang, doch müssen dazu bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, die es derzeit aber einfach nicht sind.
Zwischen Gold und Inflation besteht keine Korrelation
Und selbst wenn die Voraussetzungen erfüllt wären, so sagt dies nur, dass es einen Zusammenhan zwischen GELD und Inflation gibt. Doch gibt es auch einen Zusammenhang Zwischen GOLD und Inflation? Und hier dürften die Erwartungen vieler Leser enttäuscht werden und das folgende könnte Sie nun überraschen: zwischen GOLD und Inflation besteht KEINE Korrelation!
So habe ich kürzlich im Rohstoff-Report gelesen, dass die Gold/CPI Ratio, also der Goldpreis dividiert durch den Consumer Price Index (CPI) in den vergangenen 50 Jahren zwischen 0,78 und 12 schwankte. Eine Korrelation würde ein Ergebnis von 1 bzw. bei einer negativen Korrekation von -1 verlangen.
Lediglich im Falle von Hyperinflationen besteht eine hohe Korrelation. Doch wie Sie aus den hier veröffentlichten Daten zu den unterschiedlichsten Preisentwicklungen wissen, sind wir davon noch weit entfernt. Erst bei einer Inflation ab 10 % nimmt die Korrelation zu.
Und auch sonst gibt es keine Korrelationen
Und insbesondere besteht auch keine Korrelation von Gold zur Geldmenge. Dies dürfte vielen Goldbullen den Boden unter den Füßen wegziehen. Wer die Inflation also als Grund für seine Goldkäufe vorschiebt, macht also irgendetwas falsch.
Auch sonst ist es schwer, irgendwelche (negativen) Korrelationen, wie zum Beispiel zum Dow Jones, bei Gold zu finden. Zwar werden häufig derartige Zusammenhänge als Argumente pro Gold und Silber herangezogen, empirisch belegen lassen sie sich jedoch nicht.
Und trotzdem steigt Gold
Und trotz meiner tollen Argumente steigt Gold. Doch warum? Das erläutere ich Ihnen am Montag. Dann werde ich auch noch ein wenig auf die Charttechnik eingehen. Und auch die Öl-Analyse, die ich Ihnen angekündigt habe, habe ich noch nicht vergessen.
Bis dahin wünsche ich Ihnen ein erholsames Wochenende
Sven Weisenhaus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Rainer Seifert (11.11. 2011 15:07 Uhr):
Lieber Herr Weisenhaus, was die Inflation betrifft, so muss ich sagen, dass hier bei Lebensmitteln durchaus schöne Anhebungen zwischen 10 und 20% stattfinden. Von Frisören und Blumenhändlern will ich erst gar nicht reden. Da heißt es immer: "es wird halt Alles teurer", Auch ein Argument. Wer unseren Politikern noch glaubt, die ja eisern für Stabilität eintreten, rechnet sicher auch nicht mit Inflation. Wer auf unser Aller Schulden, und die der nächsten Generationen schaut, wohl schon eher. Ist es nicht aber so, seit Nixon in den USA die Goldpreisbindung an den US $ abgeschafft hat, die Inflation vermehrt gestiegen ist, verbunden mit der steigenden Schuldenmenge? Wenn hier kein Zusammenhang zum Goldpreis besteht, und fast alle Menschen, Firmen und Regierungen ihr Geld zurückhalten (was sollen Regierungen bei den Schulden inzwischen auch anderes machen?), besteht dann nicht die sehr große Gefahr der Deflation? Freundliche Grüße, verbunden mit den besten Wünschen für weiterhin gute Nachrichten Rainer Seifert
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (12.11. 2011 10:37 Uhr):
Guten Tag, Herr Seifert! - - - Die subjektive Einschätzung der Inflation ist auch bei mir eine andere (höhere). - - - Doch ist es denn tatsächlich so, dass die Inflation seit der Abschaffung der Goldpreisbindung gestiegen ist? Oder ist das nur Hörensagen? Und selbst wenn dem so wäre, dürfte dies nicht in direktem Zusammenhang zu Gold sondern zur gestiegenen Geldmenge stehen. - - - Damit sehe ich immer noch keinen Zusammenhang zwischen Goldpreis und Inflation, vor allem jedoch insbesondere keine Korrelation. - - - Selbst ein langfristiger Trend ist nicht auszumachen. - - - In der Tat gab es insbesondere in den USA auch eine berechtigte Angst vor einer Deflation. Wenn dem so war, warum ist der Goldpreis dann gestiegen, wenn es doch angeblich einen Zusammenhang zwischen Inflation und Gold gibt?! - - - Es gibt sicherlich gute Gründe, ein wenig Gold zu kaufen, doch sind es nicht die, die derzeit durch die Medien geistern. Und die Gold-Euphorie kann ich absolut nicht nachvollziehen. Ich bleibe langfristig skeptisch für Gold. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (12.11. 2011 10:37 Uhr):
- Kommentar von Hermann Josef Bandt (11.11. 2011 15:18 Uhr):
Sehr geehrter Herr Weisenhaus, vielen Dank für Ihre Ausführungen. Für Gold sehe ich ebenfalls fallende Kurse voraus. Zielzone müßte im Bereich von 1.475,- US-Dollar pro U. liegen, bevor die Marke von 2.000,- Dollar ernsthaft angegangen wird. Zum Thema Inflation möchte ich erwähnen, dass die wesentlich von den zu erwartenden Energiekosten abhängt. Und hier wären wir beim Öl. Da fehlt ja wohl noch der letzte Anstieg in Form einer Welle 5 oder nicht? Ich bin gespannt auf Ihre Analyse. Die Spekulation steckt in hohem Maße in der Sorte Brent. Täglich treffen Meldungen ein, in denen von einer Rückkehr zur Normalität in einzelnen Ölfeldern in Lybien berichtet wird, aber die Differenz zwischen den beiden Sorten bleibt auf hohem Niveau stabil. Vielleicht könnten Sie mal darstellen, welcher Kurs nach der EW-Theorie in der Welle 5 mindestens erreicht werden müßte, bevor der Kurs überhaupt drehen könnte? In den Geschäftsberichten der Öl-Konzerne liest man immer wieder, dass sie im Raffineriegeschäft keine ausreichenden Margen erzielen, bzw. Verluste einfahren. Dies liegt meines Erachtens an den exorbitant hohen "Transfer-Preisen" zu denen die Raffinerien dies im Konzern kaufen müssen. Hierbei holt sich die Muttergesellschaft einen erheblichen Teil der Gewinne und schiebt den Kostendruck an die Raffinerien weiter. Dort wird dann Personal gespart oder der Komplex wird mehrmals im Jahr unter Heranziehung bestimmter Gründe - immer jedoch mittels Vorankündigung - heruntergefahren für drei bis sechs Wochen, so dass die raffinierten Produkte, Diesel oder Benzin, schön teuer bleiben. Das schürt dann die Inflation. Schauen Sie sich doch mal den Chart von Brent Crude Oil auf Monatsbasis an: wenn das Alltime High nicht genommen wird, verbleiben wir im Korrekturmodus, und das hieße, der Markt wendet sich in Richtung der Untergrenze von etwa 35 Dollar pro B. Öl an. Daran ist den Ölkonzernen nicht gelegen. Auch aus geopolitischen Gründen fürchte ich, dass es eher zu weiter steigen Preisen kommen wird mit dem Ziel, das Hoch zu übertreffen. Freundliche Grüße und vielen Dank für Ihre wertvollen ausführlichen Analysen wünscht Hermann-Josef Bandt
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (19.11. 2011 13:50 Uhr):
Guten Tag, Herr Bandt! - - - Ich denke, ich habe in dieser Woche Ihrem Wunsch nach einer Öl-Analyse bereits in Teilen entsprochen. - - - Ihren Kommentar werde ich am Montag aber noch aufgreifen und eine entsprechende Elliott-Wellen-Analyse zum Öl anstellen. - - - Zum Thema Inflation hatte ich je zuletzt ebenfalls mehrfach geschrieben, dass diese durch die Energiepreise getrieben waren, sich diese jedoch auf dem Rückzug befinden. Dies dürfte sich jedoch sicherlich ändern, wenn der Konjunkturabschwung in Europa beendet ist und die USA bereits zuvor wieder als Öl-Konsument bereit steht. - - - Von einem Korrekturmodus kann man bei den aktuellen Trends seit den Tiefs bei ca. 40 USD schon lange nicht mehr sprechen, selbst wenn das Alltimehigh bei 150 USD nicht mehr erreicht wird. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (19.11. 2011 13:50 Uhr):
- Kommentar von Kurt Luder (11.11. 2011 15:19 Uhr):
CPI Ratio, irgendwelche herbeigewünschten Korrelationen, Elliott-Wellen und anderer Plunder, können nicht darüber hinwegtäuschen, dass physisches Gold (und vielleicht noch mehr Silber) in der immer mehr verrückten Finanz-Welt, historisch belegt, das einzige monetäre Mittel ist um sein Erspartes risikofrei und wachsend zu erhalten.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (12.11. 2011 10:45 Uhr):
Guten Tag, Herr Luder! - - - Solche pauschalen Aussagen lese und höre ich sehr oft. Doch inwiefern ist dies "historisch belegt"? Und warum soll Gold "risikofrei" sein, wenn die einzige Möglichkeit zu partizipioeren ein stabiler oder steigender Kurs ist? - - - Ein Investment, welches ausschließlich von der Stimmung der Käufer abhängig ist, halte ich nicht gerade für risikofrei. - - - Es gab auch Phasen, in denen Gold kaum eine Bdeutung hatte an der Börse. Die Phasen starker Euphorie, wie wir sie derzeit sehen, waren hingegen stets nur von relativ kurzer Dauer (langfristig gesehen). - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (12.11. 2011 10:45 Uhr):
- Kommentar von Anonymous (11.11. 2011 20:50 Uhr):
Sind Sie sicher, dass es keine Korrelation zwischen der Geldmenge M2 in den USA und Gold - sagen wir seit 1990 gibt. Das ist 20 Jahre nach dem Goldstandard, der die Preise niedrig gehalten hat und im Nachgang von Bretton-Woods ist der Goldpreis nicht gleich die Höhe geschossen, aber spätestens ab 1990 stellt sich den Daten nach doch eine Korrelation ein.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (12.11. 2011 10:57 Uhr):
Guten Tag! - - - Können Sie dies belegen, dass es seit 1990 eine Korrelation zwischen Goldpreis und Geldmenge M2 gibt? - - - Die Daten aus dem Rohstoff-Report, auf die ich mich in meinem Beitrag bezog, zeigen etwas anderes. - - - Rein bei der Betrachtung des Goldcharts müssten Sie bereits erkennen, dass es tatsächlich keine Korrelation gab. Denn der Goldpreis gab von 1990 bis zum Anfang des neuen Jahrtausends von 420 USD auf 260 USD nach, während die Geldmenge recht kontinuierlich gestiegen ist. Erst seit 2001 steigen Goldpreis UND Geldmenge. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Anonymous (13.11. 2011 15:05 Uhr):
Ich danke für die Antwort! Stimmt, Gold ist noch mal gefallen bis zum Jahrtausend, die Notenbanken waren bis dahin Nettogoldverkäufer (UK z.B. im besonderen Maße). Ist M2 betrachtet über einen 10 Jahreszeitraum in der "1. Welt" jemals gefallen ohne dass Krieg und/oder Währungsreform dafür gesorgt hätten? Ich sehe nicht, dass die Korrelation zwischen Goldpreis und Geldmenge wieder aufgehoben wird ohne, dass sich an der Geldmenge signifikant etwas ändert. Dies wiederum wohl kaum durch Sparanstrengungen - die Staatschulden werden nicht realistisch getilgt werden können ohne hohe Inflation, das ausstehende Geld wird sich nicht wieder einsaugen lassen. Wieso Gold in einen Abwärtstrend geraten sollte, solange sich die Geldmenge weiter ausweitet erschließt sich mir nicht. Höchstens, wenn die Fördermenge von Gold sich signifikant verändert, was nicht zu erwarten ist. M2 wird meiner Ansicht nach nur durch Währungsreformen / 1:10 Haircut signifikant nach unten verändern. Danach ist die Korrelation gebrochen, aber der Zweck von Gold sehr wahrscheinlich erfüllt.
- Antwort von Sven Weisenhaus (14.11. 2011 13:22 Uhr):
Guten Tag! - - - Gold kann jederzeit in einen Abwärtstrend geraten, ohne dass die Geldmenge sinkt, weil die Geldmenge nicht die einzige den Goldpreis bestimmende Größe ist. - - - Wir hatten doch bereits festgestellt, dass es KEINE Korrelation zwischen Gold und der Geldmenge gibt. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (12.11. 2011 10:57 Uhr):