"Falsche" Bescheidenheit
Cindy Bach in Insider Daily
vom 19. August 2010, 14:30 Uhr
ENL5462
wenn jemand von falscher Bescheidenheit spricht, dann ist zumeist unbegründete Zurückhaltung und überzogene Selbstunterschätzung gemeint. Doch im Falle von Klaus Ernst, dem Parteichef der "Linken", ist die Bezeichnung "falsche Bescheidenheit" durchaus wörtlich zu nehmen.
Bei einem Sommerinterview des ZDF führte der Linke-Chef nämlich einen alten Bauernhof als sein Urlaubsdomizil vor. Und hier meine ich "vorführen" im Sinne täuschen. Denn das Nachrichtenmagazin "Focus" will herausgefunden haben, dass Ernst gar nicht auf der bescheiden anmutenden "Ranhart-Alm" bei Ellmau weilt, sondern in einem bedeutend luxuriöseren Anwesen, unweit des Drehortes. Seit 22 Jahren sei das Feriendomizil Ernsts der zweistöckige "Ried-Hof" in Tirol.
Auf Anfrage von "Focus" gab das ZDF an, der 55-Jährige habe den Ort für die Aufzeichnung selbst ausgesucht. Grund: Er wollte ausdrücklich sein wahres Urlaubsdomizil nicht in der Öffentlichkeit zeigen. So kann man es auch formulieren, Herr Ernst. Es ist immer alles Auslegungssache. Wahrscheinlich in diesem Fall ebenso wie Ende Mai 2010, als das Magazin "Der Spiegel" Ernst Betrug und Untreue vorwarf, weil er sich Kosten für drei Reisen zu Gewerkschaftstreffen und Aufsichtsratssitzungen von der Bundestagsverwaltung hatte erstatten lassen, anstatt von der Gewerkschaft und den jeweiligen Unternehmen. Ernst verteidigte die Abrechnung damals dahingehend, dass er den Gremien ja schließlich auch in seiner Eigenschaft als Bundestagsabgeordneter angehöre. Alles klar?
Und auch im aktuellen "Streitfall" sollte wohl einfach nur der Schein gewahrt werden. Schließlich steht "Die Linke" für soziale Gerechtigkeit. Und da wäre es natürlich unangebracht, wenn der "Volksvertreter der kleinen Leute" - der nach Angaben von "Focus" monatlich 13.000 Euro verdient (Bundestagsdiäten: 7.668 Euro+ 3500 Euro von der Partei + 1913 Euro von der Bundestagsfraktion) - Urlaub auf einem exquisiten, teuren Anwesen machen würde.
Fehltritte und Vorwürfe am laufenden Band
Daher ließ sich Ernst vom ZDF vor einer schönen, aber auch einfach anmutenden Kulisse filmen. Doch natürlich wirkt das ganze wie ein abgekartetes Spiel, wenn Ernst die eingespielten Bilder des "falschen Domizils" aus dem Off folgendermaßen kommentiert: "Wir sind hier auf einem wunderschönen alten Bauernhof in den Bergen bei Ellmau." Und erklärte weiter: "Hier finde ich die Ruhe und die Muße zum Nachdenken." Sicher, an diesen Sätzen ist nichts gelogen. Vielleicht hat er ja dort wirklich für einen kurzen Moment mal nachgedacht, bevor er sich wieder in seinem Porsche auf in Richtung "wahre Urlaubsfreude" machte.
Doch damit nicht genug der Vorwürfe: Auch im bayerischen Landesverband der Linkspartei sind Manipulationsvorwürfe gegen den Parteiflügel aufgekommen, der dem Bundesvorsitzenden Klaus Ernst nahe steht.
Diese Kreisverbände sollen die Zahl ihrer Mitglieder zu hoch angegeben und dadurch mehr Delegierte zu den Landesparteitagen geschickt haben, als ihnen eigentlich zustanden. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf ein internes Dossier des Landesschatzmeisters der Partei, Ulrich Voß. Es habe sich "möglicherweise um Tricks gehandelt, um die Mehrheiten auf Parteitagen zu verändern", heißt es demnach in dem Papier.
Nun ja, ein Fehltritt kommt selten allein und auch nicht jene die den Finger drauf halten. Am vergangenen Montag jedenfalls blieb der Linke-Boss der allmontäglichen Pressekonferenz in der Parteizentrale in Berlin, wo er sich sonst zu "aktuellen politischen Themen" äußert, ohne "echte" Entschuldigung fern. Er sei verhindert, hieß es von Seiten der Parteisprecherin, mehr nicht. Wahrscheinlich hatte er keine Lust, sich für sein unbescheidenes Urlaubsdomizil zu rechtfertigen. Stattdessen musste sein Stellvertreter Bierbaum ran. Der dürfte sich über sein "Lückenbüßer-Hemd" auch nicht gefreut haben, auch wenn er zwanghaft versuchte den Schein der "innerparteilichen Harmonie" zu wahren. Mein Fazit: Ernst ist nicht mehr ernst zu nehmen. Naja, wenn er es überhaupt schon einmal war.
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Georg Stamm (19.08. 2010 16:54 Uhr):
Dieser Klaus Ernst scheint ein sog. Cüplisozialist zu sein, wie wir in der Schweiz Linke nennen, die lieber die Hände Prominenter drücken als die von Arbeitern. Solche Linkspolitiker sind unglaubwürdig und gehören abgewählt.
Antworten - Kommentar von Josef Nopper (19.08. 2010 17:26 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach, für diesen sehr guten Artikel danke ich Ihnen. Wie geht es in Deutschland weiter, wenn solche Leute die Po- litik mitbestimmen
Antworten - Kommentar von Beate Kurz (19.08. 2010 19:32 Uhr):
Vielen Dank für den Interessanten Beitrag, es ist schon toll, was sich sogenannte Volksvertreter alles leisten! Gut, daß es die Presse gibt, die solche Schandtaten aufdeckt. Bitte weiter so!
Antworten - Kommentar von Dr Klaus Landfried (19.08. 2010 21:07 Uhr):
Danke, Frau Bach, so klar wird die doppelte Moral der so genannten Linken selten verdeutlicht wie in Ihrem Kommentar. Eine Doppelte Moral, die ja damit anknüpft an die selbst ernannte Avantgarde der Arbeiterklasse der SED-Grufties Honecker, Mielke und Konsorten. Ob's aber die Wähler merken? Die 10%, die dieser Partei der "Gerechtigkeit" - einer sozialistischen "Gerechtigkeit" auf Kosten derer, die für ihren Wohlstand hart arbeiteten - ihre Stimme geben wollen, wissen nicht, dass das eigentliche Motto dieser Ideologen und Spinner lautet: Ruinen schaffen ohne Waffen! Sind die Kerle dann in der Regierung und geht alles schief, was sie anfassen, wills am Ende keiner gewesen sein...
Antworten - Kommentar von Hermann Freyer (19.08. 2010 23:12 Uhr):
Liebe Frau Bach, erst Fidel Castro - gleich danach die bösen Linken.... wollen sie uns irgend etwas mitteilen?? Wenn mir nach tendenziösem Klatsch und Tratsch ist, abonniere ich mir den Focus, lese Bild und Bunte und schaue RTL 2, Pro7 etc. Bleiben Sie bitte auf dem Teppich.... in Ihrem Falle auf dem (Börsen-)parkett. Bitte rufen Sie sich den Titel Ihres eMail Dienstes in Erinnerung: ..." (...) für chancenorientierte Geldanleger" Gruß H. Freyer
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ENL5462
- Kommentar von DoktorWolf (20.08. 2010 07:09 Uhr):
Sehr geehrte Frau Bach, Darf ich sie darauf aufmerksam machen, daß sie auf ein zu leicht durchschaubare Kampagne zu spät aufspringen. Ja, so sind die bösen Linken. Oskar Lafontaine zeigte beim Sommerinterview die Saarschleife, die ihm auch nicht gehörte. Herr Ernst hat tatsächlich nicht behauptet, die Hütte sei seine. Mittlerweile ist auch das Original, die Hütte die er offenbar mit Freunden seit vielen Jahren angemietet hat, in den Medien gewesen. Ja, zweistöckig ist die Hütte, aber alles andere als luxuriös. Ist interessand wie mit "zweistöckig" versucht wurde medial luxeriös zu suggerieren obwohl man bereits wußte, daß die Hütte dies nicht ist. Übrigens, ich denke ein Linker muß sich gegen Armut einsetzen, aber er muß nicht in Lumpen herum laufen um glaubwürdig zu sein. man sollte sich endlich mehr mit den Inhalten der Linken fair und kontrovers auseinandersetzen, daß Land bruach diese Debatte. Die Debatte die sie versuchen zu führen braucht das Land nicht.
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