Fallender Tantalpreis bringt Minen zum Aufgeben
Daniela Knauer in Nebenwerte Daily zum Thema Rohstoffe
vom 2. November 2010, 17:00 Uhr
ENL5454
Bei diesem Punkt beginnt im Prinzip unser Krimi. Denn in den vergangenen Jahren fielen bei hohem Angebot aus dem Kongo die Preise für die Metalle Niob und vor allem Tantal immer wieder auf so tiefe Niveaus, dass normale Minen damit kaum konkurrieren konnten. Sie litten unter der unfairen Konkurrenz und versuchten sich dagegen zu wehren. Auch 2007/08 war das der Fall, zudem verschärfte sich die Lage durch die sich zuspitzende Finanzkrise. In dieser Situation war der bis zu diesem Zeitpunkt bedeutendste Produzent von legal in Australien gefördertem Tantal, Talison Minerals, gezwungen, mit H.C. Starck über einen neuen langfristigen Abnahmevertrag zu verhandeln.
Schon der frühere Vertrag hatte zuletzt kaum noch auskömmliche Bedingungen geboten. Denn die Preise in Australien waren durch die boomende Wirtschaft stark gestiegen, der Ölpreis auf Rekordniveau kostete in dieser energieintensiven Branche zusätzliche Kraft. Der schwache US-Dollar hingegen ließ die erzielbaren Erlöse der Rohstoffe immer weiter sinken bzw. es verschlang zusätzliches Geld, das Währungsrisiko über Optionen abzusichern. So habe ich heute erst bei Talison gelesen, dass eine Abschwächung des US-Dollars um einen Cent die Firma jährlich rund 1 Mio. AUD an Gewinnen kostet.
Bei den starken Währungsschwankungen der vergangenen Jahre können Sie sich ja vorstellen, wie schwierig und kostenintensiv es für ein Unternehmen ist, sich optimal dagegen abzusichern. (Übrigens kratzt der Australdollar heute schon wieder an einem neuen Allzeithoch, nachdem die australische Notenbank überraschend die Zinsen erhöht hat - nach ihren Aussagen wegen zunehmender Inflationsgefahren! Wie anders sieht die Situation da doch auf der anderen Seite der Erdkugel aus.)
Talison bemühte sich also, einen neuen Vertrag mit H.C. Starck zu verbesserten Konditionen zu verhandeln. Doch diese hatten einen Trumpf in der Hinterhand: Sie schlossen ihrerseits ein Abkommen mit einem kleinen australischen Explorer zu günstigeren Bedingungen (vermutlich, in dieser Branche wird über Preise selten öffentlich gesprochen). Hier kommt also der nächste Darsteller mit Gippsland Ltd. ins Spiel. Diese verfügen über die Rechte an einem der größten unentwickelten Tantalvorkommen der Welt in Ägypten. Es ist bereits so weit erschlossen, dass eigentlich nur noch die nötigen Finanzen fehlten, um mit der Konstruktion der Mine zu beginnen.
Die Vereinbarungen gingen sogar so weit, dass die deutsche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) einer Förderung dieses Projekts mit großzügigen Beihilfen zustimmte. Bedingung dafür war der Abnahmevertrag mit H.C. Starck und eine genaue Prüfung der Machbarkeitsvoraussetzungen. Eine ganz klar politische Entscheidung: Der Nachschub für das als strategisch wichtig anerkannte Metall Tantal sollte Deutschland damit für viele Jahre zu günstigen Konditionen gesichert werden.
Doch die Rechnung wurde ohne die Krise gemacht. Die Nachfrage der Industrie brach fast schlagartig weg. H.C. Starck saß auf großen Mengen von Lagerbeständen, man munkelte von Vorräten für den Verbrauch von zwei Jahren. Finanzierungen selbst kleinerer Beiträge zum KfW-Kredit erschienen nahezu unmöglich. Für viele Firmen ging es nur noch ums blanke Überleben.
In dieser Situation kam dem bedeutenden Verarbeiter eine Modifizierungsabsicht des kleinen Explorers für die Aufbereitung des Erzes gerade recht - die Verträge sollten neu verhandelt werden. Und diese Verhandlungen dauern bis heute an ... eine Finanzierung oder Mine gibt es bis heute noch nicht.
Auch Talison Minerals zog die Konsequenzen aus der schwierigen Situation bei allgemein fallenden Rohstoffpreisen: Kurzerhand wurden ihre beiden australischen Tantalminen dicht gemacht. Damit fiel der größte Anteil der weltweiten Produktion des strategischen Metalls weg. Auch andere kleinere Produzenten schränkten ihre Arbeit ein oder legten die Verarbeitung gleich ganz still. Während der Krise war das kein großes Problem. Die Nachfrage war gering, die Lagerbestände konnten für einige Zeit den Verbrauch decken.
Kaum jemand hatte jedoch damit gerechnet, dass sich die Elektronik-Industrie so schnell erholen würde, wie wir es erlebt haben. Der technologische Fortschritt führte im vergangenen Jahr zu Rekordverkäufen, die Bänder laufen wieder auf Hochtouren. Denn ein modernes Smartphone, Navi oder eine Spielekonsole sind heute zu einem wichtigen Statussymbol geworden. Damit stieg auch der Verbrauch des unverzichtbaren Tantals ebenso rasant an, wie zuletzt sein Preis.
An dieser passenden Stelle legen wir erneut eine kleine Pause in meiner Erzählung ein. Welche Konsequenzen für die Beteiligten die neue Knappheit hat, werde ich Ihnen am Freitag berichten. Ebenso darf natürlich dann der Hinweis nicht fehlen, wer davon profitieren könnte. Inzwischen kann ich Ihnen ein Interview zur Lektüre empfehlen, dass ich damals mit David Miller von Talison Minerals geführt habe. Sie finden Auszüge im Archiv des Nebenwerte Daily. Das komplette Gespräch wurde nur im Rohstoff Investor veröffentlicht. Wenn Sie sich zu einem Probe-Abonnement entschließen, können Sie es im Archiv der Ausgaben nachlesen.
Herzliche Grüße. Eine erfolgreiche Woche wünscht Ihnen
Ihre Daniela Knauer
PS: Während ich diese Zeilen schreibe, veröffentlicht gerade K+S überraschend seine Quartalszahlen vorab. Die Jahresprognose wird deutlich nach oben angepasst, die Kalipreise steigen. Und der Kurs geht weiter durch die Decke ...
ähnliche Beiträge:
weitere Ausgaben von
Nebenwerte Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Freitag, 25. Mai 2012
Donnerstag, 24. Mai 2012
Dienstag, 22. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Oxford Club
Der exklusive Finanzclub mit der antizyklischen Strategie
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Oxford Club