Fallende Preise auf breiter Basis

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Doch führen noch niedrigere Zinsen nicht zu noch mehr Inflationsgefahren?

Fallende Erzeugerpreise auf europäischer Ebene

Der Erzeugerpreisindex der Industrie zumindest legte im Mai sogar den Rückwärtsgang ein. Nachdem die Preise bereits im April im Euroraum nur um 0,1% zulegten bzw. in der EU27 stabil blieben, fielen sie nun im Mai sogar im Vergleich zum Vormonat im Euroraum (ER17) um 0,5% und in der EU27 um 0,7%.



(Quelle: Eurostat) Erzeugerpreisindex der Industrie im Euroraum und in der EU27

Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat erhöhten sich die Erzeugerpreise im Mai im Euroraum um 2,3% und in der EU27 um 2,4%.

Am Montag berichtete ich bereits, dass die Inflation des Euroraums für Juni auf 2,4% vorausgeschätzt wird.

Niedrigste Teuerungsraten seit 2010

In Deutschland erreichten wir im Juni voraussichtlich sogar die niedrigste Teuerungsrate seit Dezember 2010. Der Verbraucherpreisindex wird sich nach ersten Angaben des Statistischen Bundesamtes im Juni um 1,7% gegenüber dem Vorjahresmonat erhöhen. Gegenüber dem Vormonat Mai werden die Preise voraussichtlich um 0,1% sinken.


(Quelle: Statistisches Bundesamt) Verbraucherpreisindex, Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in %

Auch bei den Preisen für importierte Produkte gab es eine geringere Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr zuletzt im Januar 2010 (+ 1,4%). Im Mai waren die Preise um 2,2 % höher als ein Jahr zuvor. Hier fiel der Einfuhrpreisindex im Monatsvergleich sogar um 0,7%.


(Quelle: Statistisches Bundesamt) Einfuhrpreisindex, Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in %

Ebenfalls ein Monatsrückgang bei den Erzeugerpreisen gewerblicher Produkte. Diese sanken im Mai gegenüber dem Vormonat April leicht um 0,3%. Zum Vorjahresmonat stiegen sie um 2,1%.


(Quelle: Statistisches Bundesamt) Erzeugerpreisindex, Veränderung gegenüber dem Vorjahresmonat in %

Die Großhandelsverkaufspreise lagen im Mai 2012 um 1,7 % über denen von Mai 2011. Gegenüber dem Vormonat fiel auch der Großhandelsverkaufspreisindex um 0,7%.

Fallende Preise auf breiter Basis

Im Monatsvergleich in Deutschland also fallende Preise auf breiter Basis. Und eine Preissteigerung zum Teil sogar unter der Zielrate der EZB.

Die Zinssenkung ist also durchaus nachvollziehbar. Vor allem weil sie vorgenommen wurde, da auch die bislang starken Länder der Zone, hier natürlich insbesondere Deutschland, Anzeichen von Schwäche aufwiesen. Was das genau bedeutet, werde ich am Montag beleuchten.

Positive Vorzeichen für den offiziellen US-Arbeitsmarktbericht

Aus den USA kamen unter dessen positive Nachrichten. Der Arbeitsmarktbericht des privaten Anbieters ADP fiel überraschend gut aus. Die neu geschaffenen Stellen sind demnach im Juni um 176.000 gestiegen. Analysten hatten lediglich mit 105.000 neuen Stellen gerechnet. Im Monat zuvor waren 136.000 Stellen entstanden.

Für den heutigen offiziellen Arbeitsmarktbericht lautet die Prognose der Analysten auf 102.000 neu geschaffene Stellen. Die Arbeitslosenquote im Juni soll bei 8,2% verharren. Es wird also zum Wochenschluss so gegen 14:30 Uhr MEZ noch einmal sehr spannend.

Hilfreiche Analysen

Mit E-Mail von heute, 11:04 Uhr, erhielt ich folgenden Dank eines Lesers:
"Sehr geehrter Herr Weisenhaus,
Vielen Dank für Ihre sehr ausführliche Silberanalyse.
Ich habe auf Grund Ihrer aktuellen Analysen schon sehr viel über die Elliot-Wellen gelernt.
"

Ich hoffe, dass auch die Analysen rund um die Zinssenkung der EZB geholfen haben, die Entscheidung der Notenbank nachzuvollziehen. Und natürlich hoffe ich auch, dass Ihnen alle anderen Analysen im Wave Daily helfen, die Börsenwelt zu verstehen. Wenn dies so ist, dann empfehlen Sie mich doch weiter.


Ich wünsche Ihnen in jedem Fall ein erholsames Wochenende
Sven Weisenhaus


von
Sven Weisenhaus
Sven Weisenhaus

Sven Weisenhaus handelt seit mehr als 10 Jahren Aktien, Zertifikate und inzwischen hauptsächlich CFDs. Im Wave Daily dreht es sich meist um Elliot Wellen.

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Kommentar von fatbobger

Sehr geehrter Herr Weisenhaus, wieder einmal vielen Dank für die treffende Analysen. Mittlerweile sind die Arbeitsmarktdaten da, wie erwartet, wurden aber von den Märkten schlecht aufgenommen. Scheinbar ist die Luft schon wieder raus. Die Frage ist nur, inwieweit die rückläufige Konjunktur in der EU und die Stagnation in den USA schon eingepreist sind. Die Berichtssaison verspricht auch nicht gerade prickelnd zu werden. Das sinkende Preisniveau deutet momentan m. E. auf eine Deflationierung hin. Und m. E. ist die Eurokrise auch nicht gelöst. Zwar wird das BVerfG Fr. Merkel nicht in die Politik hineinreden, aber es ist möglich, dass zusätzliche Finanzmittel, die aufgrund der laxen Vergabe an bedürftige Staaten, bald erforderlich werden, besser politisch legitimiert werden müssen. Dann steht die nächste Zerreißprobe bevor und die Bundestagswahlen kommen auch noch in den Focus. H. Roubini sieht die Eurozone schon kollabieren, die USA an der Fiskalklippe und über China habe ich auch einen sehr negativen Artikel gelesen... Insoweit frage ich mich, ob der in ihrem Artikel nachklingende Optimismus gerechtfertigt ist? Wir könnten auch am Beginn der japanischen Krankheit stehen. Stagnation, Deflation, negative Realzinsen, steigende Staatshaushaltsdefizite. Ein schönes Wochenende wünsche ich Ihnen auch noch.

Antworten
Antwort von Sven Weisenhaus:

Guten Tag! - - - Die Arbeitsmarktdaten fielen deutlich schlechter aus als erwartet. Zwar lagen die offiziellen Schätzungen mit knapp über 100.000 nur leicht höher, doch durch den sehr ordentlichen ADP-Bericht am Donnerstag lagen die Flüsterschätzungen deutlich höher. Der Arbeitsmarkt hat daher am Freitag sehr enttäuscht. - - - Ich glaube schon, dass die konjunkturelle Entwicklung zumindest im EuroStoxx bereits eingepreist ist. Ich lege dies an der Underperformance des Index fest. Beim DAX und bei den US-Indizes sehe ich die bessere Entwicklung in den Liquiditätsmaßnahmen und in der Hoffnung der Anleger auf eine konjunkturelle Erholung (Europa) bzw. einen konjunkturellen Aufschwung (USA). Die Kurse dürften aber wohl deutlich tiefer stehen, wenn nicht so viel Liquidität im Markt wäre. - - - Die Eurokrise ist nicht einmal im Ansatz gelöst. Auch hier wurde mit sämtlichen Maßnahmen bislang lediglich auf den Markt reagiert. Die eigentlichen Probleme liegen aber in der Verschuldung. Und diese kann nicht angegangen werden, weil man damit umso mehr die Wirtschaft abwürgen würde (siehe Griechenland). Man befindet sich also in einer Zwickmühle. Lösung: unbekannt. Man versucht weiterhin, die Probleme in die Zukunft zu verlagern in der Hoffnung, ein Konjunkturaufschwung würde Raum für Ausgabensenkungen oder eher Einnahmeerhöhungen bringen. - - - Mein Optimismus beruht sicher nicht auf Europa (siehe Warnung vor der Underperformance des EuroStoxx). Wohl aber auf der Wirtschaftskraft Deutschlands und einer entsprechend günstigen Bewertung des DAX und einem baldigen Wirtschaftsaufschwung in den USA. China sehe ich nicht als Problem. Dort nimmt zwar die Dynamik des Wachstums ab, die dortige Notenbank verfügt aber noch über genügend Spielraum für weitere Maßnahmen (siehe Zinssätze im Beitrag von Freitag). - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus