Fakten zum US-Arbeitsmarkt
unserem Korrespondenten Bill Bonner in Investors Daily
vom 14. Januar 2004 18:00 Uhr
ENL5454
Ich komme noch einmal auf den US-Arbeitsmarkt zurück. Stephen Roach von Morgan Stanley schreibt dazu: "Im Gegensatz zur herrschenden Meinung verbessert sich die Lage am US-Arbeitsmarkt nicht deutlich. In den letzten 5 Monaten des Jahres 2003 wurden insgesamt nur 278.000 neue Jobs geschaffen (ohne Landwirtschaft) – so einen Zuwachs sieht man am US-Arbeitsmarkt während einer wirklichen Wirtschaftserholung normalerweise in einem einzigen Monat. Und fast alle neuen Jobs sind in drei Industriezweigen angefallen – Teilzeitarbeit, Bildung und Gesundheit –, wo in den letzten 5 Monaten 2003 insgesamt 286.000 Stellen geschaffen wurden."
"Eine breite Einstellungswelle der US-Unternehmen ist nicht vorhanden. Es mag zwar mehr Teilzeitarbeitsplätze geben und neue Arbeitsplätze in Sektoren mit hohen Kosten, wo es keinen internationalen Wettbewerb gibt (Gesundheit und Bildung), aber in den Bereichen Produktion, Einzelhandel, Finanz- und Informationsdienstleistungen werden weiter Stellen abgebaut."
"Während dieser Phase der 'Erholung' sollte es eigentlich 2,4 Millionen Arbeitsplätze mehr geben – selbst wenn man diese Phase mit der schlechtesten Erholung vor 10 Jahren vergleicht."
"Im Dezember entließen die Fabriken 26.000 Arbeiter ... das war der 41. Rückgang in Folge! Und die Zahl der durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Woche ist von 33,9 auf 33,7 gesunken ... und die durchschnittliche Entlohnung pro Woche ist selbst auf Dollarbasis gefallen."
Stephen Roach hat Recht. Und es kommt noch schlimmer: Die "Partizipationsrate" ist gefallen. Was das ist? Die misst die Zahl der Leute, die aktiv nach Arbeit suchen. Wenn die Zeiten hart sind, dann geben viele Leute die Arbeitssuche einfach auf; und dann verschwinden sie einfach aus der Statistik. Volkswirte schätzen, dass die US-Arbeitslosenquote nahe bei 10 % liegen würde, wenn man diese Leute zu den Arbeitslosen hinzurechnen würde.
Die Fed kann das Schuldenmachen und das Geldausgeben stimulieren – aber sie kann nicht die Einstellung von neuen Arbeitskräften stimulieren. Niedrige Zinsen und einfache Kredite mögen die Amerikaner zum Kaufen bewegen ... aber ein großer Teil der Ausgaben geht nach Übersee, und dort werden die neuen Arbeitsplätze geschaffen.
Das ist eine tollkühne, schwächliche "No-Job Recovery", so CNN. Und das Fazit von Stephen Roach: "Der Tag der Abrechnung könnte eher bald als spät eintreten. ( ...) Und dieses Schlüsselrisiko scheint in der Überheblichkeit der Fed, die sich gerade auf der Ehrenrunde befindet, völlig vergessen zu sein."