Facebook - short gehen?

in Traders Daily zum Thema Derivate
vom


Thema Facebook - dazu schrieb mir Trader´s Daily-Leser Ralf S.:

"Anlässlich Ihrer Facebook-Besprechung habe ich mich dann doch zu einem Put auf Facebook entschieden. Gewählt hatte ich den von UBS mit der WKN UU2BDD. Ich bin dann aber schnell wieder aus dem Short raus, weil die Kursstellung für mich nicht nachvollziehbar war. Der Short spiegelte nicht im geringsten den Tagesverlauf der Facebook-Aktie nach. Ich hatte den Eindruck, dass im Tagesverlauf mehrmals das Aufgeld geändert wurde. Können Sie erklären, wie diese komischen Kurse zustande kommen?"



Meine Antwort:

Ich ahnte schon, woran es liegt, bevor ich mir den Schein anschaute. Und so war bzw. ist es dann auch: der vom Leser gewählte Schein ist ein Put-Optionsschein mit hohem Aufgeld. Laufzeitende im Dezember diesen Jahres, Aufgeld von rund 45% (aufs Jahr hochgerechnet).

Bei solchen Scheinen wird die Kursveränderung eben NICHT nur von der Entwicklung des Basiswertes (hier Facebook-Aktie) bestimmt. Da gibt es z.B. einen Zeitwertverlust, denn bis zum Laufzeitende muss das Aufgeld komplett abgebaut sein.

Normalerweise wird das nicht linear abgearbeitet, sondern beschleunigt sich zum Laufzeitende hin.

Für diesen Fall hier aber wohl relevanter dürfte dieser Faktor sein: Die Entwicklung der "impliziten Volatilität". Dies ist sozusagen die erwartete Schwankungsbreite der Aktie. Generell gilt: Je höher, desto höher der Kurs.

Und wissen Sie, wer die Höhe der impliziten Volatilität bestimmt? Natürlich, der Emittent!

Und damit hat der Emittent auch eine bequeme und rechtlichen Freibrief erteilende Antwort auf Fragen nach fragwürdigen Kursstellen. Es kann immer etwas dieser Art gesagt werden: "Wir haben die Höhe der impliziten Volatilität beim Pricing (Kursstellung) angepasst, so kam diese Kursveränderung zustande."

Da es kein objektiv richtiges Maß für die Höhe der impliziten Volatilität (im Fachjargon "Vola" genannt) gibt, sind wir hier als Anleger relativ machtlos solchen Kursveränderungen ausgesetzt.

So ging es dann wohl auch dem Leser, und es kam zu den nicht an der Entwicklung der Facebook-Aktie orientierten Kursschwankungen des genannten Facebook-Puts.

Mein Rat an Sie: Besonders "gefährdet" für dieses Phänomen sind Optionsscheine (sowohl Put als auch Call) mit relativ hohem Aufgeld. Denn es ist das Aufgeld = der Zeitwert, welcher sich zusammen mit der impliziten Vola ändert.

Bei "Turbos" hingegen gibt es kaum ein Aufgeld, entsprechend kann sich eine Änderung der impliziten Vola so gut wie gar nicht auswirken. Da hängt die Kursentwicklung dann tatsächlich fast ausschließlich von der Entwicklung des Basiswertes ab.

Insofern mein Rat: Wer bei Facebook short gehen möchte, sollte besser auf ein Short-Zertifikat (Turbo) setzen als auf einen Optionsschein. Der genannte Emittent UBS hat ein breites Sortiment aufgelegt und auch solche Scheine im Angebot.

(Wie immer gilt: Aus rechtlichen Gründen stellt dies keine Empfehlung zum Kauf solcher Scheine dar, Sie wissen dass ich Sie darauf hinweisen muss.)

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur Trader´s Daily


von
Michael Vaupel
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Michael Vaupel ist einer der führenden Rohstoff- und Derivate-Experten. Bereits während seiner Studienzeit hat er als Finanzjournalist und Analyst gearbeitet.

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