EZB
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 3. Dezember 2010, 08:30 Uhr
ENL5454
die gestrige Sitzung der Europäischen Zentralbank war besonders wichtig für die Finanzmärkte. Nicht wegen der Zinsentscheidung, da bleibt alles beim Alten. Nein, die Märkte erwarteten von der europäischen Notenbank, sie solle wie die US-Notenbank ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen der Schuldnerstaaten ausweiten und damit den „Investoren" das Risiko abnehmen. Natürlich, man streicht ja gern hohe Renditen ein, lässt aber gern andere (allen voran „den Steuerzahler", also auch Sie) für die dafür eingegangenen Risiken zahlen. Bis jetzt hat das ja ausgezeichnet funktioniert. Oder haben Sie etwas von Protestaktionen gegen diese Praxis bemerkt?
EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat gestern deutlich gemacht, dass er diese Erwartungen der Märkte nur teilweise wird. Das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen werde fortgeführt. Von einer Ausweitung, wie sie die Märkte fordern, war aber nicht die Rede. Noch vor vier Wochen hatte EZB- Präsident Jean-Claude Trichet angedeutet, im Dezember Schritte zum Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik gegen die Finanzkrise zu verkünden. Doch seitdem ist Irland unter den Euro-Rettungsschirm geschlüpft und das Vertrauen der Märkte in schuldengeplagte Länder wie Portugal oder Spanien ist weiter geschrumpft. Die EZB sitzt in der Zwickmühle und wählt den goldenen Mittelweg. Die Märkte schmollten kurz und gaben sich dann wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Steigen, hin.
In Irland sind die Steuerzahler da schon weniger folgsam. Erst am Wochenende gab es wieder Massenproteste gegen die geplanten Sparpakete. Auch den irischen Banken, gegen die gerade wieder massive Betrugsvorwürfe erhoben werden, vertrauen sie nicht mehr. Dort hat ein regelrechter Run auf die Bankeinlagen der Sparer eingesetzt. Gelder in Milliardenhöhe werden abgehoben. Bei der irischen AngloIrish Bank haben die Kunden schon 13 Milliarden Euro abgehoben, bei der Bank of Ireland haben sich allein die Firmenkunden in den vergangenen Tagen mehr als zehn Milliarden Euro ihrer Einlagen geholt. Verständlich. Oder würden Sie jemand vertrauen, der Ihr Geld verwalten soll, aber der pleite ist und betrügt?
Dennoch wäre es gefährlich, sollte das irische Beispiel in Europa Schule machen. Dann würden auch keine noch so wohlklingend verpackten Rettungsschirmchen mehr helfen und der Finanzkollaps wäre sofort da. Es ist eine trügerische Ruhe, die die Rettungspakete verbreiten. Das Eis ist extrem dünn und kann jederzeit brechen. Und zwar ohne Vorwarnung, denn in den gleichgeschalteten Massenmedien wird lieber über positive Nachrichten berichtet, die besser zu den steigenden Aktienkursen passen. Bleiben Sie wachsam.
Nur für kurze Zeit: das exclusive Gratis-Angebot für DAX Daily-Leser mit dem aktuellen Sonderreport:
4 große DAX-Konzerne vor dem Bankrott!