EZB zieht nach
Kay Patrick Kaymer in Wave Daily
vom 06. Oktober 2006 13:00 Uhr
ENL5454
Die US-Notenbank hat in den letzten Sitzungen die Leitzinsen nicht mehr angehoben. Dort verhaart der maßgebliche Leitzins der Notenbank derzeit auf dem Stand von 5,25%. Gestern dann fand in Frankfurt die Sitzung der europäischen Notenbank statt. Unter Leitung des EZB-Präsidenten Jean Claude Trichet wurde der Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,25% angehoben.
Das war soweit eigentlich nichts unerwartetes. Somit hielt sich die Reaktion der Märkte auch in Grenzen. Grundsätzlich sind steigende Zinsen übrigens auch kein Gift für die Aktienmärkte. Vielmehr drücken steigende Leitzinsen natürlich neben Inflation vor allem eine anziehende Konjunktur aus. Das ist bekanntlich gut für Aktien. Mehr zu diesem Thema werde ich für die Leser meines D-Wave Dienstes im Wochenupdate aufzeigen.
Weitere Anhebung wird folgen
Bis Ende des Jahres dürfte aber noch Luft für weitere Leitzinserhöhungen vorhanden sein. Die Märkte preisen eine Anhebung im Dezember ebenfalls bereits an. Denn kurzfristig expandieren die Kredite weiterhin extrem stark und die Inflationsgefahr ist nicht gebannt. Diese ist zuletzt aufgrund des gesunkenen Ölpreises ebenfalls gefallen.
Bedenken Sie aber, dass es sich dabei um einmalige Effekte handelt. Ein Ölpreisschock alleine oder umgekehrt ein dramatischer Absturz kann weder für eine Inflation noch eine Deflation sorgen. Warum? Ganz einfach. Es handelt sich hierbei um einen einmaligen Effekt. Dadurch steigt oder sinkt die Rate nur einmalig. Erst dann wenn Zweitrundeneffekte folgen, hat das einen nachhaltigen Einfluss auf die Inflationsrate.
Langfristige Risiken
So sieht Trichet dennoch vor allem langfristige Risiken für die Konjunktur wie er auf der anschließenden Pressekonferenz betonte. Die Gefahren liegen seiner Meinung nach in der langfristigen Entwicklung des Ölpreises, dem steigenden Protektionismus und dem dann folgenden Abbau der Ungleichgewichte. Da stimme ich Herrn Trichet voll zu. Ihm ist anscheinend klar, dass diese Gefahren auch durch weiter steigende Geldmengen abgewendet werden konnte. Ewig geht das aber nicht so weiter....Und für Europa halte ich die Risiken begrenzter als für die USA. Dort droht aufgrund des Zwillingsdefizits noch einiges mehr an Krisenpotential.