EZB unter Druck
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 28. Mai 2008 08:30 Uhr
ENL5454
Liebe Leser,
EZB-Präsident Trichet hat es gegenwärtig wahrlich nicht leicht. Es ist auch nicht so einfach einen einheitlichen Währungsraum wie die EU unter einen Hut zu bringen. Oder besser gesagt die verschiedenen nationalen Interessen der einzelnen Mitgliedsstaaten. Und ein weiteres Mal kann man sich an dieser Stelle schon wieder die Frage nach Sinn und Unsinn einer europäischen Einheitswährung stellen, wo die Bedürfnisse der einzelnen Mitglieder doch immer weiter auseinanderklaffen.
Ich spreche vom Damoklesschwert der Entscheidung, welches über Trichets Kopf schwebt. Denn jede Entscheidung die Trichet und seine Zentralbanksmannen dieser Tage treffen können, in Bezug auf die Ausrichtung ihrer Politik nützt dem einen und schadet zugleich dem anderen.
Die Eindämmung der Inflation – erklärtes Ziel der EZB
Das große Ziel der EZB, die Inflation unter die 2 % Grenze zu bringen hat sie in den vergangenen 8 Jahren nicht ein einziges Mal erreichen können. Umso härter jetzt das Auftreten, umso stärker hält jetzt die EZB an dem Gedanken fest, die Eindämmung der Inflation sei das erstrebenswerteste Ziel. Jetzt, da der weltweite inflationäre Druck immer größer wird.
Heroisch, wie die EZB „nicht eine Sekunde“ (O-Ton Trichet) daran denken mag dieses Ziel weniger stark zu verfolgen und eine Zinssenkung ins Auge zu fassen.
Gut ist das allemal – aber nur für die stärkeren europäischen Volkswirtschaften, allen voran Deutschland. Nur klingt in diesem Zusammenhang etwas abgehalftert, soll es aber nicht, denn tatsächlich kann Deutschland (die nach wie vor wachstumsstärkste Volkswirtschaft der EU) es sich nicht leisten seine Wirtschaft durch eine wachsende Inflation erodieren zu lassen.
Doch was ist mit den anderen?! Da geht der Schuss nach hinten los, den gerade die schwächeren Volkswirtschaften bräuchten das Gegenteil. Bräuchten eine Leitzinspolitik die ihr Wachstum unterstützt. Bräuchten niedrigere Leitzinssätze, wollen keine Deflation. Spanien, Portugal und Italien, dessen Wirtschaft im ersten Quartal dieses Jahres nur mit 0,2 % gewachsen ist, sie sind diese anderen.
Deswegen weist Deutschland zwar ein Wirtschaftswachstum von 1,5 % auf, aber der gesamte EU-Raum nur eines von 0,7 % (nur ganz knapp über den US-Wirtschaft).
Das Problem: der inflationäre Druck nimmt zu trotz des eisernen Willens der EZB
Ich persönlich finde es ja sehr nett, dass Trichet das deutsche Wirtschaftswachstum nicht aufs Spiel setzen will, doch auf der anderen Seite muss ich leider eingestehen, dass seine Bemühungen um die Inflation zumindest kurzfristig leider auch nicht von Erfolg gekrönt sind.
Dabei trifft ihn aber keine Schuld. Vielmehr nimmt der inflationäre Druck von außen zu, ohne dass er darauf Einfluss nehmen könnte.
Einer dieser Einflussfaktoren von außen ist die Globalisierung. Denn trotz aller Bemühungen kann Trichet weder verhindern, dass aufgrund des weltweiten inflationären Drucks die ausländischen Unternehmen ihre Preise für Exportgüter anheben, noch dass die Rohstoffpreise weiter ins Unermessliche steigen.
Es gibt aber auch einen Einflussfaktor von innen. Dieser besteht in den jungen und jüngsten Mitgliedern des EU-Währungsraums, namentlich den schneller wachsenden osteuropäischen Volkswirtschaften, die nicht nur den Euro übernehmen, sondern auch ihre Preise anheben müssen um sich dem Niveau der anderen anzupassen.
So sieht es also gegenwärtig aus. Und der EUR/USD? Weiß im Moment auch nicht so recht woher oder wohin! Zwar setzt die FED zunehmende Signale, sie werde den Leitzins nicht unter die 2 % -Marke absenken, doch schlussendlich wird es darauf ankommen wie sich die US-Wirtschaft weiter entwickelt. Dennoch scheint es um die FED/USA jetzt wieder etwas ruhiger zu werden. Beim Blick auf Europa dagegen, sollte der USD vom gegenwärtigen Level ein wenig mehr Unterstützung erhalten gegenüber dem EUR. EUR/USD könnte kurzfristig wieder die 1,5680 testen. Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,5716.
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