EZB unschlüssig: EUR unter Druck
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 17. April 2009, 12:00 Uhr
ENL5462
Liebe Leser,
wahre Führungsstärke zeigt sich in außergewöhnlichen Stresssituationen! Gerade in solchen Situationen ist es wichtig, wenn eine bedeutende Institution, wie zum Beispiel eine Zentralbank, so auftritt als wüsste sie ganz genau was zu tun ist (auch wenn das gar nicht der Realität entspricht ;-) ).
Und vor allem sollten alle Beteiligten - vor allem die Entscheidenden - eine gemeinsame Linie vertreten.
Leider ist all dies aktuell bei der Europäischen Zentralbank nicht der Fall!
Die EZB muss im Moment auf den Markt wie ein Haufen unentschlossener Individuen wirken, die nicht in der Lage sind gemeinsame Entscheidungen zu treffen. Dies allerdings führt zu Unsicherheit und mitnichten dazu, dass der Konsens seinen Glauben an die EZB wieder findet.
Europäische Zentralbanker sind sich uneins in Bezug auf das weitere Vorgehen im Angesicht der Krise
Während der deutsche Zentralbanker Axel Weber nach wie vor fordert, dass die europäischen Zinssätze nicht unter 1 Prozent gesenkt werden (eine anti-inflationäre und defensive Politik, welche die Deutsche Bundesbank schon immer vertreten hat - aber schließlich haben die Deutschen schon einmal die Auswirkungen einer Hyperinflation zu spüren bekommen), sind viele seiner europäischen Kollegen anderer Meinung. Natürlich vor allem diejenigen, deren Volkswirtschaften niedrigere Zinssätze und QE-Maßnahmen dringender gebrauchen könnten. So fordern beispielsweise der griechische Zentralbanker Provopoulos und der zypriotische Zentralbanker Orphanides eine Senkung des europäischen Leitzinssatzes unter die 1% Marke.
Mit anderen Worten: mit Ausnahme der strikten Deutschen sind mittlerweile viele Europäer dafür dem Vorbild der Amis und Briten zu folgen. Also: Zinssätze gegen Null und massive Quantitative Easing Maßnahmen (oder anders: lasst uns Geld aus dem Nichts in die Wirtschaft pumpen). Tja, wie ich schon immer sagte: die Inhomogenität des europäischen Wirtschaftsraumes wird sich einmal rächen.
Trichet auf der Suche nach Vertrauen
EZB-Chef Trichet hat es also nach wie vor nicht leicht, die unterschiedlichen Meinungen der Nationen unter einen Hut zu bringen. Fast bemitleidenswert wirkte er heute, als er in Tokyo die eigene EZB zur Einigkeit aufrief. "Jede Unklarheit in Bezug auf unsere mittelfristig ausgerichtete Politik wird die Rückkehr eines nachhaltigen Erfolges verzögern. Denn diese Haltung untergräbt das Vertrauen, welches aber im gegenwärtigen Umfeld das wichtigste aller Zutaten ist."
Armer Trichet - und da er offenbar weder die Zentralbanker unter Kontrolle hat, noch die Unsicherheit in Bezug auf das weitere Vorgehen der EZB ausmerzen kann, straft der Markt ihn oder besser gesagt den Euro mächtig ab.
Der Markt ist nicht nur verunsichert, sondern regelrecht besorgt. Der Konsens geht mittlerweile wohl davon aus, dass die EZB über kurz oder lang gezwungen sein wird ebenfalls auf QE-Maßnahmen zurückzugreifen, doch wie diese aussehen sollen, weiß niemand.
Und so hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass den Europäern das Schlimmste erst noch bevorsteht. Durchaus realistisch!
Dagegen hebt sich allerdings der optimistische Glaube an die Heilung der US-Wirtschaft ab. Für heute stehen beispielsweise neue Daten zur US-Konsumentenzufriedenheit zur Veröffentlichung an. Einer Bloomberg-Umfrage zufolge geht der Konsens von einem Anstieg des Reuters/University of Michigan preliminary index of consumer sentiment von 57,3 Punkten im März auf 58,5 Punkte im April aus. Auch die Aktienmärkte spiegeln den US-Optimismus wieder und notieren durchweg im Plus.
So zeigt sich, dass sich die USD-Entwicklung aktuell weiter von der Negativ-Korrelation zur Aktienmarktentwicklung ablöst. USD scheint gegenwärtig nicht als Safe-Haven-Währung wahrgenommen zu werden, sondern legt aufgrund des US-Optimismus zu. Wohingegen EUR aufgrund des Europa-Pessimismus unter Druck steht.
EUR/USD fiel von 1,3186 gestern in New York bis auf 1,3068 heute. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3088. Damit testet EUR/USD die Unterstützung um 1,31 massiv. Ein Bruch und Schluss unter 1,3020 könnte weiteren Verkaufsdruck auslösen in Richtung der 1,2990.
Quelle: CFX-Broker
(hier geht es zum kostenlosen Test der CFX-Trader-Handelsplattform)
ähnliche Beiträge:
- JPY unter Druck
- Portugal: EUR/USD nur leicht unter Druck
- Erdölpreise unter Druck
- King setzt GBP unter Druck
- Kurs der Notenbanken setzt USD weiter unter Druck!m
- Fragen und Antworten
- Nach Aussagen von Intel, Epcos und Infineon unter Druck
- FOREX DAILY NEWS
- Ölpreis gerät unter Druck – Seitwärtsbewegung weiter intakt!
weitere Ausgaben von
Devisen-Monitor
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Mittwoch, 08. Februar 2012
Dienstag, 07. Februar 2012
Montag, 06. Februar 2012
alle AusgabenTravel Trader
Ihr Börsendienst mit dem globalen Insidernetzwerk
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Travel Trader
Artikel weiterempfehlen