EZB-Strategie besteht Bewährungsprobe
Thomas Kallwaß in Devisen-Monitor
vom 31. Januar 2012, 08:30 Uhr
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Ende vergangenen Jahres öffnete die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldschleusen und stellte Europas Banken 500 Milliarden Euro für drei Jahre zu Niedrigzinsen zur Verfügung. Damals gab die EZB das Ziel aus, den stockenden Interbankenhandel zu revitalisieren und einer drohenden Kreditklemme entgegen zu wirken.
Die Folge war jedoch, dass die Banken das Kapital in Anspruch nahmen und sofort wieder als Tagesgeld bei der EZB anlegten. Im Bedarfsfall können die Banken nun darüber verfügen - geben das Kapital aber nicht als dauerhaften Kredit an die Realwirtschaft weiter. Deshalb wurde bereits über das Scheitern der Notenbankstrategie diskutiert. Denn offensichtlich ist das Misstrauen auf dem Interbankenmarkt so groß, dass die europäischen Banken lieber ein hunderte Milliarden Euro schweres Geldpolster bei der Notenbank parken, als damit auf dem Kreditmarkt Geld zu verdienen.
Zwar lockerte die Geldspritze nicht die Kreditvergabepolitik der Banken, zumindest aber sorgte die EZB mit der Geldflut für Entspannung bei den Renditen für europäische Staatsanleihen sorgte. Denn auch in Staatsanleihen floss ein Teil des Geldes.
Renditen für italienische Staatsanleihen sinken
Während Italien im vergangenen Jahr noch einen Zins von 4,85 Prozent für kurzfristige Anleihen zahlen musste, versorgte sich das Mittelmeerland kürzlich bei einer Auktion für zweijährige Anleihen problemlos mit 4,5 Milliarden Euro zu 3,76 Prozent. Das ist mehr als ein Prozentpunkt weniger also noch vor vier Wochen. Die Rendite für langfristige Anleihen rutschte erstmals seit eineinhalb Monaten unter die Sechs-Prozent-Marke. Die positive Entwicklung veranlasst Italien nun, zügig weitere Anleihen auszugeben, um so insgesamt acht Milliarden Euro aufzunehmen.
Irland testet Marktzugang
Italien kann also vorübergehend durchatmen und weiter hoffen, die Krise aus eigener Kraft zu überstehen. Im Gegensatz dazu ist Irland seit geraumer Zeit vom freien Kapitalmarkt abgeschnitten. Seitdem das Land unter den europäischen Rettungsschirm geschlüpft ist, wurde die Neuausgabe von Anleihepapieren am Kapitalmarkt ausgesetzt.
Irland testete jetzt den Marktzugang. Das Land bot an, im Jahr 2014 fällige Staatsanleihen in neue Papiere zu tauschen, die der Staat erst 2015 tilgen muss. Das Angebot wurde von rund 30 Prozent der Gläubiger angenommen. Dies wurde insgesamt als Zeichen des Vertrauens gewertet, sodass die geplante Rückkehr an die Finanzmärkte im Jahr 2013 realisierbar erscheint.
Leichte Entspannung für Ungarn
Selbst das hochverschuldete Ungarn profitiert von der EZB-Strategie. Vergangenen Dezember betrug die durchschnittliche Rendite ungarischer Anleihen noch 9,41 Prozent. Dieser Wert sank auf 8,64 Prozent im Januar 2012.
Größtes Sorgenkind der Euro-Zone ist jetzt Portugal. Marktbeobachter wollen Stützungskäufe der EZB ausgemacht haben. Die Renditeentwicklung deuten auch darauf hin. Am Markt für zehnjährige Anleihen schoss die Rendite kürzlich auf 15,14 Prozent. Das war der höchste Stand seit Einführung des Euros. Nach der mutmaßlichen Intervention der EZB hat sich die Rendite wieder entspannt, verharrt aber weiter auf einem hohen Niveau.
EZB-Strategie stößt auch auf Kritik
Die EZB scheint also mit ihrer Strategie, die Finanzmärkte mit Geld zu fluten, für Entspannung bei europäischen Staatsanleihen gesorgt zu haben. Allerdings ist die Kritik an der lockeren Geldpolitik dennoch nicht verstummt. Denn durch die günstigen Konditionen, die Banken bei der EZB erhalten, streichen die Geldhäuser immense Gewinne ein, wenn sie sie zum Ankauf von europäischen Staatsanleihen verwenden. Kritische Ökonomen sehen darin eine indirekte Staatsfinanzierung bzw. Subventionierung der Banken.