EZB ins Boot geholt?
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 8. Februar 2012, 08:30 Uhr
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die Gespräche zwischen Griechenland und seinen internationalen Kreditgebern scheinen (wieder einmal) einen wichtigen Schritt vorangekommen zu sein. Zwischen der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich ein Deal ab, wie einer der sogenannten öffentlichen Gläubiger am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligt werden kann, wie im Wall Street Journal zu lesen war.
Die EZB hatte eine Beteiligung an einem von Banken, Hedge Fonds, dem IWF und anderen zu tragenden Haircut bislang verweigert, da es ihr per Gesetzt verboten ist, Staaten zu finanzieren (sie tut es dennoch über die Hintertür der Staatsanleihenkäufe). Der neue Deal sieht nun offenbar folgendes vor: Die EZB soll ihre griechischen Staatsanleihen an den Rettungsschirm EFSF verkaufen - und zwar verlustfrei. Die Details dafür werden noch verhandelt. Der EFSF (und damit letztlich der Steuerzahler) könnte sich dann am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen.
In Griechenland legt inzwischen ein weiterer Generalstreik aus Protest gegen weitere Sparmaßnahmen das öffentliche Leben lahm Ehrlich gesagt, ich möchte mit keinem Griechen tauschen müssen. Es geht bei diesen Deals keineswegs um eine Lösung für Griechenland. Es geht lediglich darum, zu verhindern, dass der offizielle Pleitefall eintritt, auch wenn längst klar ist, dass eine Pleite faktisch nicht mehr verhindert werden kann (auch ein Schuldenschnitt ist eine Pleite). Denn im Falle einer offiziellen Staatspleite werden Unsummen an CDS-Ausfallprämien fällig, die vor allem große US-Banken in der trügerischen Hoffnung darauf geschrieben haben, dass es eine europäische Staatspleite nie geben wird. Einige dieser Banken dürften dann ganz schnell bis Mitte März vor dem „Aus" stehen. Und Griechenland wird in den kommenden Jahren kein Einzelfall bleiben.
Also: Steuerzahler, IWF und Gläubiger sollen über einen Schuldenschnitt die offizielle Pleite verhindern. Zumindest für den Moment. Denn ohne Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit wird Griechenland nach dem zweiten Hilfspaket sehr bald ein drittes benötigen (das erste gab es übrigens im April 2010 - Effekt: gleich Null). Egal. Hauptsache, die Wahlen in diesem Jahr - immerhin über 40 - gehen glatt über die Bühne und man kann dem Pöbel wieder einen Erfolg vorweisen. Man muss allerdings kein Hellseher sein, um zu prognostizieren, dass das Thema Griechenland ein Dauerbrenner wird. Und weitere, ähnlich gelagerte „Fälle" werden hinzukommen. Mit Portugal steht der nächste Kandidat bereits fest. Dazu morgen mehr.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (08.02. 2012 13:33 Uhr):
Es ist unglaublich was sich bei diesem Schmierentheater hier alles abspielt! Wenn ich das hier lese, frage ich mich schon, was für ein Affentheater die Mächtigen da inszenieren? Das läuft jetzt mindestens seit der Pleite von Lehmann Brothers, wenn man es genau nimmt, also seit mehr als drei Jahren. Angeblich sitzen da die besten Manager und Politiker der Welt zusammen. Sie haben die Mittel und Hebel, um die Finanzkrise - und zwar im Sinne der Menschen, der Griechen zu beenden und nicht im Sinne für die Hochfinanz und speziell - wie sich jetzt herausstellt - der amerikanischen Großbanken!!! Wir deutschen Steuerzahler sind aber nicht verpflichtet, Bankgeschäfte der amerikanischen Großbanken und Hedgefonds zu begleichen! Sollte das, was jetzt so an "Wahrheiten" durchsickert, umgesetzt werden, wäre zu überlegen, sich Anwälte zu nehmen, um wegen einseitigen Eingriff in das Eigentumsrecht der deutschen Steuerzahler, zu klagen. Und das Eigentumsrecht in der EU ist ein Menschenrecht. Ich wusste bis dato nicht, dass unsere Regierung auch der verlängerte Arm der amerikanischen Hochfinanz ist. Im Grunde genommen doch alles nur Verschleierungstaktik, was uns Frau Merkel aufzeigt. Alles nur Worte mit Schall und Rauch. In der SZ habe ich gelesen, sie will "das Vertrauen der Märkte zurückgewinnen". Was meint sie eigentlich damit? Die Zockerbanken auf der ganzen Welt? Oder ist es der Nochbankenchef Ackermann, der seinen 60sten Geburtstag im Kanzleramt feierte? Sind es die amerikanischen Hedgefonds, die ihren Hals nicht voll genug bekommen (Goldman Sachs hat beispielsweise Finanzderivate emittiert, bei denen von vonherein klar war, dass deren Käufer Verluste verbuchen würden)? Ist es die Deutsche Bank, die derzeit mal wieder ins Fadenkreuz der Finanzaufsicht gerät wegen dubioser Geschäfte? Oder sind es die US-Rating-Agenturen, die als Aktiengesellschaften ihren Aktionären, und nicht dem "Mann und er Frau auf der Straße", verpflichtet sind? Sind es die Wähler von Sarkozy, dem Frau Merkel beistehen will? Wessen Vertrauen will also unsere Bundeskanzlerin zurückgewinnen? Sie hat es uns aber bisher in der gebotenen Deutlichkeit nicht gesagt! Mir als Anleger wäre es sympathischer, wenn Frau Merkel "Menschen" statt "Märkte" sagen würde. Dann hieße ihre Aussage in der SZ, dass sie "das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen möchte". Anmerkung: Wenn unsere Steuergelder verwendet würden für eine effiziente Ursachenbekämpfung für das griechische Land und Volk, wäre ich zu einem bestimmten Grad solidarisch und einverstanden. So aber kristallisiert sich in Wirklichkeit immer mehr heraus, dass es für die Schulden und Zinsen bei internationalen Banken benötigt wird!!! Zusammengefasst: Die Haftungsmasse Deutschlands wird allmählich für die Griechenlandpleite gigantisch sein. Denn: Die aufgelaufenen alten und die neuen Schulden lassen sich kaum anders als über neue sehr hohe Steuern finanzieren. Allein das erste Hilfspaket im Rahmen der aktuellen Finanzkrise hat meines Wissens bereits 23 Mrd. Euro gekostet. 28 Prozent davon gehen ebenfalls auf Kosten von Steuerzahlern in Deutschland - etwa 5 Mrd. Euro. Für Anleihenkäufe der EZB in Höhe von 97 Mrd. Euro stehen wir zu 43% gerade. Usw, usw! Auch der IWF hat bereits Zahlungen aus unseren Kassen erhalten. 2 Mrd. Euro Hilfe sind an Griechenland gegangen. Sechs Prozent aus diesem weltweiten Topf stammen aus in Berlin verwalteten Töpfen. Und das Alles ist soviel ich weiß, noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Letzte Frage: Die EZB soll ihre griechischen Schundpapiere verlustfrei an den EFSF verkaufen. Wir, also der EFSF und damit auch die deutschen Steuerzahler, könnten sich dann am Schuldenschnitt für Griechenland beteiligen. Warum händelt das die EZB nicht selbst, so wie sie es schon bisher auch durch die Hintertür mit Staatsanleihenkäufe gemacht hat? Eine Richtungsentscheidung?, was Hauptaufgabe der EZB in Sachen Euro-Krise eigentlich sein soll - nämlich die deutsche Position vor allem in der Gewährleistung der Preisstabilität!? Gruß, A.K
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