EZB-Entscheidung

in DAX Daily zum Thema Finanzkrise
vom


die gestrige US-Notenbanksitzung brachte keine großen Überraschungen. Die Zinsen blieben, wo sie sind (wo sollen sie auch noch hin, unter null geht ja kaum). Überraschend fiel lediglich die Entscheidung, die Verpflichtung zu einem außergewöhnlich niedrigen Zinsniveau nicht über das Jahresende 2014 auszudehnen. Im Gegenzug erneuerte man das Versprechen, im Bedarfsfall eine weitere Lockerung der Geldpolitik vorzunehmen, soweit dies zur Beflügelung einer stärkeren wirtschaftlichen Erholung und einer Verbesserung der Arbeitsmarktbedingungen notwendig sei. Für Kaffeesatzleser mag die Wortwahl bedeutsam sein, dass sich die wirtschaftliche Aktivität im ersten Halbjahr etwas verlangsamt habe", während die frühere Beschreibung dahin ging, dass die Wirtschaft auf moderatem Wachstumskurs sei.


Damit dürften die Chancen auf ein QE 3 leicht gestiegen sein. Die Frage ist nur, wann. Extrem viele Analysten erwarten einen solchen Schritt auf der nächsten Fed-Sitzung Mitte September. Ich gehe davon aus, dass vor den Präsidentschaftswahlen im November nichts mehr unternommen wird, wenn es nicht unbedingt sein muss. Und derzeit muss es nicht unbedingt sein, solange sich die US-Börsen munter am Jahreshoch tummeln und sich wenigstens die nachlaufenden Arbeitsmarktdaten sowie der Immobiliensektor verbessern. Die Märkte werden also noch eine ganz Weile den Spagat zwischen sehr ambitionierten Kursen einerseits und mauen Wirtschaftsdaten und Quartalsberichten hinbekommen müssen. Mit einem Optimistenanteil größer als am Maihoch bei vielen zuverlässigen US-Stimmungsindikatoren dürfte das keine leichte Aufgabe werden.

Fed war gestern, heute ist die EZB dran. Die Erwartungen sind extrem hoch, dass heute mit einem bloßen Federstrich die gesamte Euro- und Schuldenkrise einfach so gelöst wird. Bei einer solch hohen Erwartungshaltung dürfte es schwer fallen, die Märkte noch positiv zu überraschen. Nach Informationen der "SZ" wird EZB-Präsident Draghi eine konzertierte Aktion der EZB und des ESM vorstellen, um die Zinsen in Ländern wie Spanien und Italien zu senken (Anleihenkäufe?). Der ESM ist aber noch gar nicht aktiv. Verfassungsklagen in Deutschland und Österreich könnten ihn sogar ganz stoppen. Außerdem hat es Draghi offenbar versäumt, sich wenigstens vorab mit der Bundesbank abzustimmen. Bundesbank-Chef Jens Weidmann wurde gestern so zitiert: Die EZB darf ihr Mandat nicht überschreiten (das deutet auf Widerstand gegen Anleihenkäufe hin). Und: Die Regierungen überschätzen die Möglichkeiten der EZB. Nun ja, die Börsen offensichtlich auch. Irgendwas wird heute schon verkündet werden. Aber der große Wurf?

von
Henrik Voigt
Henrik Voigt

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