EZB dämpft die Zinsphantasie und schickt den Euro auf Talfahrt
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 9. Mai 2011, 13:00 Uhr
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Am Freitag schrieb ich im Markt-Update zum Euro: "Einen ziemlich rasanten Kursrutsch hat der Euro am gestrigen Tage hingelegt. Stand er gegen 14.30 Uhr noch bei über 1,48 EUR/USD, waren es am Abend schon nur noch 1,45 EUR/USD."
Den Zeitpunkt um 14:30 Uhr habe ich im folgenden Chart rot eingekreist. Ebenso sehen Sie in dem Kästchen die Bewegung der 10 Minuten in Zahlen.
(Quelle: CFX-Broker) EUR/USD, Candlestick-Chart, 10-Minuten-Kerzen
Die Begründung dafür hatte ich Ihnen bisher verschwiegen. Dies hole ich kurz nach:
EZB dämpft die Zinsphantasie
Wie erwartet hat die EZB am Donnerstag die Leitzinsen nicht angehoben. Ich hatte zuletzt dazu geschrieben, dass Erhöhungen für Juli, teilweise sogar schon im Juni einkalkuliert werden. Mit recht deutlichen Worten gab Trichet nun jedoch an, dass es auch auf der nächsten Zinssitzung keine Anhebung geben wird. Es bleibt also zunächst bei Juli. Davon gaben sich einige Marktteilnehmer enttäuscht und schickten den Euro auf Talfahrt.
Zwar ist damit etwas Zinsphantasie aus dem Euro entwichen, doch haben viele andere Marktteilnehmer (und auch ich) eh erst auf eine weitere Anhebung im Juli gesetzt. Weiter abwärts dürfte es daher erst gehen, wenn auch diese Erwartungen enttäuscht werden.
Kursrutsch in den Rohstoffen könnte die Inflation dämpfen
Dies könnte durch die aktuell sinkenden Rohstoffpreise der Fall sein. Da die EZB die Inflation mit Hilfe von Zinsanhebungen bekämpft und die gestiegene Inflation in der Vergangenheit immer an den gestiegenen Rohstoffpreisen und hier insbesondere den Energiekosten festgemacht wurde, könnten weitere Zinsanhebungen zunächst ausbleiben, wenn zum Beispiel die Ölpreise weiter abgeben. Dies könnte die EZB zunächst in eine abwartende Haltung versetzen.
Euro trifft auf massive Unterstützung
Charttechnisch betrachtet trifft der EUR/USD-Wechselkurs jedoch zunächst auf eine massive Unterstützung.

(Quelle: CFX-Broker) EUR/USD, Candlestick-Chart, Wochenkerzen
Gescheitert ist der Kurs an einem Widerstand, der aus mehreren Hochpunkten der vergangenen Jahre (u. a. 2008 und 2009) resultiert. Nun setzt der Kurs bislang ziemlich exakt auf seinem Ausbruchsniveau (grüner Kreis) aus dem langfristigen Abwärtstrend auf. Zudem liegt hier eine Unterstützung aus dem Hoch im Jahr 2010 (grüne Linie).
Der Rücksetzer ist auch nur gesund, da der Euro zuletzt stark zulegen konnte gegenüber dem Dollar.
Aufgrund der fundamentalen Patt-Situation (Staatsverschuldung, ich berichtete mehrfach), die nun wegen der verloren gegangenen Zinsfantasie auch kein Übergewicht mehr zugunsten des Euros hat, gehe ich nun eher von einer Konsolidierung als von einer weitergehenden Abwärtsbewegung aus.
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