Externe Effekte und der Markt
Leserbrief des schwäbischen Trader´s Daily-Leser Manfred K. in Traders Daily
vom 10. August 2006 12:00 Uhr
ENL5454
Zum Thema "externe Effekte" und "Markt": ich bin kein bekennender Volkswirt. Nur ein "normaler" persönlich haftender Unternehmer.
Was ich an Ihnen schätze ist, dass Sie über Tellerränder hinausschauen und sich somit allemal von Schmalspurwissern und an-der-Oberfläche-Klebern abheben, und dies auch in lesbaren Texten mitteilen können.
Soweit ich sehen kann gibt es den Markt real nicht. Er ist eine Fiktion, ein Märchen, ein quasireligiöses Dogma. Was immer zählte und zählt ist die Frage der Macht, seine
ureigensten Interessen gegen andere Gesellschaftssubjekte durchzusetzen. Der "Marktplatz" ist in diesem Sinne eher die Bühne, auf der das Spiel "Täuschung und Machtverschleierung" gespielt wird. Hinter dem "Markt" stehen immer Menschen, die versuchen, den "idealen Markt" zu verhindern.
Da "Machthaber" in der Regel grenzenlose Lust zeigen, ihre Macht auszuweiten, bedarf es der "Gegenmachthaber", die sich artikulieren und organisieren. Und somit landen wir immer in der Politik.
"Externe Effekte" müssen unbedingt, sofern es die "Marktteilnehmer" aus Vernunft (z. B. Zukunftsfolgen) und Ethik selber nicht schaffen, durch "die Politik" über den "Markt" gestellt werden: das Gesamtwohl der Bevölkerung, der Staaten, der Weltgemeinschaft (und der künftigen...) muss weit über kurzfristigen ökonomischen Interessen stehen.
In einem vorgegebenem politischen Rahmen kann und soll sich dann der für bestimmte Zwecke nützliche Marktmechanismus austoben. Die derzeit hemmungslose "Globalisierung" und "Ökonomisierung" bedarf dringend der "Gegenmachthaber".
Jeder seriöse, fundierte, lesbare journalistische und sonst kommunikative Beitrag, der dies klar stellt und ggf. zum Nachdenken anregt ist ein wichtiger Baustein für "Gegenmächtigkeit".
Ich bin weder ein Grüner, noch Roter, noch Attacer, noch sonst ein Etikettierbarer. Auf manche Zusammenhänge kann man allein schon durch unvoreingenommes Anschauen,
logisches Denken und ein Mindestmaß an ethischer Grundhaltung kommen. Wenn man will.
(Und man kann trotzdem an der Börse spekulieren...).
Diese "Gegenmacht" - oder weniger martialisch das "Gegengewicht" - tut sich schwer, sich zu organisieren und wirksam zu sein. Wenn ich das Primat der Politik (politeia, Bürgergesellschaft) fordere, dann tue ich mir jedoch schwer, den konkreten Adressaten zu benennen... Der amtierende Staatsapparat ist es nicht... Zu den real tätigen staatlichen/überstaatlichen Einrichtungen und Amtsinhabern habe ich eine überwiegend kritische/skeptische Meinung. Sie erfüllen ihre politische Aufgabe (Amtseid!) - nach meiner Einschätzung - allzu oft mangelhaft bis ungenügend (Schulnoten). Und einige können nur mit Mühe verbergen, dass sie heftigst in den benannten Machtspielen eigennützig mitmischen...