Experten zum Schritt des DAX über die "magische" 5.000er-Schwelle
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 28. Mai 2009, 14:30 Uhr
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"Eigentlich ist es ja albern, auf Marken wie die 5.000 Punkte zu starren. Was haben die mit der realen Wirtschaftsentwicklung zu tun? Aber die Hälfte der Börse ist nun einmal Psychologie. Das erstaunlich gute Verbrauchervertrauen in den USA, das schon den Dow beflügelt hat, dürfte dem Deutschen Aktienindex (Dax) nun den Schub für den entscheidenden Schritt über die Schwelle geben, auch wenn heute noch europäische Daten bekanntgegeben werden, die natürlich auch negativ überraschen könnten.
Die Grundkonstellation verändert sich nicht, sondern verschärft sich noch: Die Börse bildet die Hoffnung ab, und die eilt der Realität weit voraus. Insofern ist ein Rückschlag absehbar. Auf der anderen Seite gilt aber auch: So lange Experten vor Rückschlägen warnen, ist der Markt noch in Bewegung, gibt es noch potenzielle Käufer, die sich bisher nicht getraut haben. Der Rückschlag kommt wahrscheinlich erst, wenn die Experten vor dem Markt kapitulieren und nicht mehr warnen."
Frank Wiebe, Handelsblatt-Kolumnist, gestern in seiner Kolumne in der Rubrik "Der Markt-Monitor"
Er sollte Recht behalten. Der deutsche Aktienmarkt hat gestern nach einem impulsarmen Handel leicht im Plus geschlossen, konnte jedoch die psychologisch wichtige Marke von 5.000 Punkten zu Handelsschluss knapp verteidigen. Der deutsche Leitindex DAX ging mit einem Plus von 0,30 Prozent und einem Schlussstand von 5.000,77 Punkten in den Feierabend.
Doch diese Schwelle dürfte bereits heute wieder bröckeln, nachdem an der Wall Street die Kurse im späten Handel gestern wieder bröckelten. Wir werden wohl aktuell noch ein wenig Geduld aufbringen müssen, denn wie sagte es doch ein Händler so treffend: "Für den DAX scheinen 5.000 Punkte erstmal oben zu sein, zumal sich auch der Dow derzeit nicht über 8.500 Punkte nach oben durchsetzen kann."
Weitaus mehr Geduld verlangt Marktexperte Ulf Sommer vom Handelblatt von uns Aktienanlegern. In seiner aktuellen Aktienstrategie schreibt er: "Obwohl der DAX schon mal die 5.000er-Hürde erfolgreich genommen hat, dürfte er selbst im optimistischen Szenario kaum vor dem Jahr 2013 wieder die 8.000-Punkte-Marke erreichen." Grundlagen dieser Aussage seien laut Sommer Berechnungen, die den tiefen Abschwung der Wirtschaft und der Firmengewinne berücksichtigen.
Deutlich schneller als bis 2013 erreiche der deutsche Leitindex nur dann sein Rekordhoch vom Januar 2007, wenn Anleger den Aktien künftig höhere Bewertungsniveaus zubilligen als in den vergangenen Jahren. "Dann steigen die Kurse schneller als die Firmengewinne - so wie in der Übertreibungsphase Ende der 90er Jahre", so Sommer. Doch auch ich bezweifle, dass sich nach den vielen Enttäuschungen an der Börse die meisten Investoren noch einmal auf solch kostspielige und riskante Abenteuer einlassen.