Experten-Meinungen
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 5. Mai 2010, 13:00 Uhr
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Gestern war ich auf einem Seminar der RBS Markets Akademie. Offiziell handelte es sich um ein Vertiefungsseminar zum Thema CFDs. Also ein Seminar für Fortgeschrittene.
Männerdomäne
Ich war ein wenig zu spät und das Seminar hatte bereits vor ca. 2 Minuten begonnen. Als ich den Raum betrat ist mir gleich aufgefallen, dass ca. 98% der Teilnehmer männlich war. Das schreibe ich völlig wertfrei. Ich wunder mich nur, warum Frauen einen so geringen Anteil haben, sollen sie doch statistisch die besseren Trader sein.
Wissen ist relativ
Nun wurde jedoch recht schnell klar, dass Profiwissen relativ ist. Ist es für Fortgeschrittene hilfreich zu erklären, was Widerstands- und Unterstützungslinien sind? Oder was ein Candlestick-Chart ist? Oder wie ich eine StopLoss setze? Gut, ich würde nicht erwarten, dass jeder Trader, der sich nicht mehr als Anfänger sieht, weiß, was Fibonacci bedeutet. Insofern war dies aus meiner Sicht ein Thema, was absolut dort hingehörte. Inoffiziell handelte es sich aus meiner Sicht also eher um ein Anfängerseminar. Es viel zudem auch auf, dass viele Anfänger unter den Zuhörern waren. Insbesondere, als eine der wenigen Damen sagte, BP sei doch eine Investition wert, weil die gerade so gefallen ist". Ein klassischer Anfänger-Fehler.
Je nachdem, mit wem ich mich unterhalte, komme ich mir manchmal selber vor wie ein Laie. Ohne eingebildet zu wirken kann ich aber durchaus behaupten, einer der erfahrensten gewesen zu sein am gestrigen Abend. Insofern ist das Verständnis dafür, was "fortgeschritten" und was "Anfänger" oder "Profi" heißt, relativ.
Indikator für Börsenstimmung?
Als Indikator kann man dieses Seminar sicher nicht heranziehen. Sie kennen vielleicht den Hostessen-Indikator auf Messen wie der Invest?! Oder Ermittlung der Kleinanleger-Stimmung anhand der Besucherzahl. Demnach müsste man jetzt alles verkaufen, denn ganz normale Menschen" interessieren sich wieder für Aktien. Aber dieser Abend war sicher nicht repräsentativ.
Experten-Meinungen
Referent an dem Abend war Rüdiger Born. Seiner Aussage nach ein Trader, der ebenfalls sehr stark auf Elliott-Wellen setzt. Ein grandioser Zufall. So habe ich im Nachgang an das Seminar natürlich die Gelegenheit zu einem kurzen fachlichen Austausch genutzt. Und spätestens jetzt sollten Sie wissen, warum ich Ihnen vom gestrigen Abend überhaupt berichte. Ich kann übrigens auch sagen, dass ich mir während dieser Unterhaltung eher wie der Laie vor kam. Das ist aber auch kein Wunder - googeln Sie den Mann mal.
Herr Born erwartet aktuell ebenfalls eine starke Korrektur. Zur Elliott-Wellen-Theorie war er ebenso wie ich der Meinung, dass dies nur ein Baustein sein kann, neben den klassischen charttechnischen Methoden. Und wo er mir ebenfalls zustimmte, war bei der Aussage, dass es nicht die eine richtige Zählung geben kann. Mehrere Zählweisen können zum absolut gleichen richtigen Ergebnis führen. Natürlich darf man aber bei allen Zählungen keine Regel der Elliott-Theorie verletzten.
Und für einige, die sich bisher fragten, warum ich beim DAX unterschiedliche Varianten vorstelle, sollte sich jetzt aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen bilden. Ich möchte Ihnen die unterschiedlichen Formen der Elliott-Wellen-Theorie erklären und an praktischen Beispielen demonstrieren. Am Ende soll eine sinnvolle Prognose über die zukünftige Kursrichtung stehen. Das ist es, wo ich mit Ihnen gemeinsam hin möchte.
Prognosen
Und inzwischen habe ich ja bereits die ein oder andere Prognose abgeliefert. Für den Euro erwarte ich nun eine Gegenbewegung (siehe auch Beitrag vom 26. April) und für den DAX hatte ich Sie ja bereits vor dem Widerstandsbündel gewarnt und die nun laufende Korrektur angekündigt. Damit lautet meine Antwort auf die provokante Frage im Newsletter-Betreff: Ja, die Korrektur hat begonnen und dürfte noch etwas laufen. Sehen Sie sich die dicken roten Kerzen im folgenden DAX-Chart an. Das schaut nicht gut aus.

(Quelle: stockcharts.com) DAX-Candlestick, 3-Monate
Auf der anderen Seite könnte sie aber auch zunächst etwas Unterstützung erhalten. Ich hatte ja etwas weiter oben erwähnt, dass die Fibonacci-Retracements ein Thema des RBS-Seminars waren. Schauen wir uns diese doch noch kurz an. Ich habe zur Charterstellung spaßeshalber mal passend zum Seminar die Marketindex-Plattform genommen:

(Quelle: RBS marketindex) DAX, Candlestick, Tageschart
Die grünen Trendkanal-Linien kennen Sie bereits aus den Charts der letzten Beiträge. Die rote Linie stellt eine Unterstützung dar aus den Hochpunkten im Januar. Das Fibonacci-Retracement (blaue Linien) habe ich vom Februar-Tief zum April-Hoch gezeichnet. Im folgenden Chart habe ich zur besseren Ansicht den Chart etwas herangezoomt und bin auf den 3-Stunden-Chart gewechselt:

(Quelle: RBS marketindex) DAX, Candlestick, 3-Stunden-Chart
Sie sehen, dass der DAX, nachdem er an der oberen grünen Trendlinie Ende April abgeprallt ist, zunächst an der 6.000er Marke (kobaltblau) gestoppt hat. Mit der langen Kerze hat er dann das 38,2%-Retracement bei ca. 5.977 erreicht und leicht unterschritten. Es hat aber gehalten. Beide Marken könnten aktuell für etwas Unterstützung sorgen. Zudem befindet der DAX sich zur Stunde unter der roten Unterstützungslinie. Er steckt also mitten drin. Eine sehr spannende Situation.
Leider ist es heute zu sehr viel Text und wenig Elliott-Wellen-Analyse gekommen. Das liegt auch daran, dass ich gestern Abend nach dem Seminar erst um 23.30 Uhr zu Hause angekommen bin. Ich plane aber bereits auch bald andere Werte wie Öl, Gold und Silber aufzugreifen.
Sven Weisenhaus
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Gabriela Preiml (05.05. 2010 14:02 Uhr):
Hallo Herr Weisenhaus, solche Charts wie heute lobe ich mir. Lesbar und verständlich. Da verzeihe ich Ihnen auch gerne die fehlende E-Wave-Analyse. Zum Thema Seminare Anfänger/Fortgeschrittene/Profi ist es mir auch schon sehr oft ergangen wie Ihnen. Deshalb bezeichne ich mich selbst als fortgeschrittener Anfängerprofi. Und ich bin eine Frau. In diesem Sinne. Weiter solche Veröffentlichungen. G.Preiml
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