Evo Morales
Von Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 11. Mai 2006 07:30 Uhr
ENL5454
“Go, go, go, said the bird: human kind/
Cannot bear very much reality,”
From Burnt Norton, by T. S. Eliot.
[Lauf, lauf, lauf, sagt der Vogel: Die Menschen
können nicht viel Realität ertragen.]
Es heißt, das State Departement sei alarmiert. Ein Anhänger von Ernesto „Che“ Guevara hat die Macht in dem Land übernommen, das seinen Helden erschossen hat.
Evo Morales wurde im Dezember 2005 zum Präsidenten in Bolivien gewählt. Er gewann haushoch bei den Wahlen und bewies einmal mehr, dass auch die Wähler das bekommen, was sie verdienen und nicht, was sie erwarten.
Der neue Präsident – laut Presseberichten ein Vollblut-Aymara Indianer – übernahm sein neues Amt bekleidet mit einem bunten Pullover, der ihn als Reformer darstellen soll, und er erzählte das gleiche verblasste Geschwätz verschiedener Generationen von Aktivisten vor ihm. Und deswegen ist das U.S. State Departement in heller Aufregung.
Natürlich gibt es immer Spekulationen, wenn ein neuer Mann ein Amt übernimmt. Was für eine Sorte von Taugenichts wird er sein? Wird er zu Gewalt oder zu Betrug greifen, um sich durchzusetzen? Wird er seine Gegner ermorden oder wird sich mit bloßem Diebstahl zufrieden geben? Wird er ein beliebter Demagoge wie Castro? Oder ein Ideologe wie Hugo Chavez? Oder ein schmutziger Hund, wie Fulgencio Batista?
Ich werde „in die Fußstapfen Ches“ treten, gab Evo Morales bekannt. Ich werde ein „Alptraum“ für die USA sein, fügte er ungefragt hinzu. „Ich mag Che, weil er für Gleichheit und für Gerechtigkeit kämpfte“, erklärt Morales, „er hat sich nicht nur um die einfachen Leute gekümmert, sondern machte ihre Sorgen zu seinen eigenen.“
Armer Evo – der Mann scheint nicht zu wissen, wovon er spricht. Ich habe bereits mitbekommen, was Che tat. Er hat Menschen ermordet, Konzentrationslager eingerichtet und dazu beigetragen, dass Kubas Wirtschaft den Bach runter ging. Er hätte das gleiche auch für Bolivien getan, wenn er die Gelegenheit bekommen hätte. Mit Evo Morales befürchten nun viele, dass Che zurück ist und die Kontrolle über die bewaffneten Kräfte hat, und nicht nur gegen sie ankämpft.
„In Bolivien haben Sie es mit Revolution zu tun“, sagte einer der Berater zu Donald Rumsfeld, und brachte die gleichen Argumente vor, die gegen den Irak angebracht wurden, „eine Revolution, deren Konsequenzen möglicherweise so weitreichend sind, wie die der kubanischen Revolution 1959. Che Guevara … ist zurück.“
Ich werde das Geschwätz über „Ches Fußstapfen“ natürlich verfolgen. Aber das U.S. State Department darf wegtreten. Evo zählt zu den respektableren unter den Demagogen. Er kann gekauft werden. Er ist vielleicht ein Betrüger, aber er hat mehr von der Überzeugungsarbeit einer Hillary Clinton als von Che Guevara. Er wird Bolivien nicht in Kämpfen nach unten bringen, wahrscheinlicher durch Spielereien. Er wird seine Wähler wohl eher betrügen, als sie umbringen. Mehr Betrug als Gewalt… mehr Opportunismus als Ideologie. Evo würde sich im amerikanischen Kongress wie zuhause fühlen – auch wenn er natürlich bislang noch niemandem den Krieg erklärt hat.
Ich schreibe nicht deshalb über Evo, weil ich ein besonderes Interesse an Bolivien oder an diesem Mann hätte. Es stimmt, die Südgrenze des Landes liegt nur wenige Stunden von dem Grundstück entfernt, das ich vor kurzem in Argentinien gekauft habe. Aber ich habe keine Angst vor einem Aufstand. Meine kleine Ecke in Südamerika ist kaum bewohnt. Es gibt dort keine Ölpipelines, die man in die Luft jagen könnte. Es gibt dort noch nicht einmal Fenster, die man einschlagen könnte. Abgesehen davon bin ich als abwesender Grundbesitzer noch nie dort gewesen. Und die Ortsansässigen konnten mich noch nicht gut genug kennen lernen, um mich zu verachten.
Nein, mein Interesse an Evo entspringt meinem allgemeinen Interesse an den Weltverbesserern Und dieser kleine Aufsatz macht es sich zur Aufgabe, wie viele andere auch, zu zeigen, dass die Welt ohne sie besser dastünde.
„Aber sollten die Menschen nicht versuchen, gut zu sein?“ fragte mich ein Kollege am Tag zuvor. Wie sieht es mit den guten Samaritern aus?
Ja, antworte ich. Aber es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Menschen, der Gutes tut und einem Gutmenschen. Der Mensch, der Gutes tut, tut es auf eigene Gefahr. Die Güte des Gutmenschen aber ist immer auf Kosten eines anderen. Eine Person tut etwas Gutes, wenn sie ein Kind adoptiert. Der Gutmensch erlaubt jeder Familie maximal ein Kind und eröffnet Waisenhäuser auf Kosten der Allgemeinheit. Man tut etwas Gutes, wenn man ein vermülltes Grundstück aufräumt. Ein Gutmensch richtet eine Umweltabteilung ein und lässt dann seinen Nachbarn dafür bezahlen. Ein Gutmensch bemüht sich um öffentliche Ämter… marschiert in fremde Länder ein… und verdient sein Geld, indem er das Geld anderer Leute ausgibt.
Das Beste, was eine Person tun kann, ist, sich um die eigenen Angelegenheiten zu kümmern. Die Aufgabe von Regierungen ist jedoch nach Definition, sich um die Angelegenheiten anderer Leute zu kümmern.
Und Bolivien scheint schon mehr von Regierungen gehabt zu haben, als einem Land zusteht. Dieses Land ist so etwas wie ein Experimentallabor der Regierungen. Seit Bolivien vor 182 Jahren die Unabhängigkeit von Spanien erlangte, gab es 190 unterschiedliche Regierungen und Evo Morales ist nur zufällig das letzte Experiment in einer sehr langen Reihe von Experimenten.
Was man daraus gelernt hat, lässt sich nur schwer sagen. Man sollte meinen, das Land hat bis heute alles ausprobiert. Ein unparteiischer Beobachter könnte vielleicht eine Vermutung wagen: Eine andere Regierung wird das, was dem Land fehlt, auch nicht bringen. Ein Zyniker würde vielleicht sogar zu folgendem Schluss kommen: Vielleicht sind die Regierungen selbst das Problem.
Aber es gibt Dinge, bei denen die Menschen einen weiteren Versuch nie ausschlagen: Zentralbanken, Ehen und das Herumkommandieren von anderen Leuten. Jetzt hat Evo Morales die Fäden in der Hand und er reibt sich schon die Hände. Bolivien wird jetzt zum 191. Mal eine neue Regierung ausprobieren.
Ich frage mich, was an dieser Regierung wirklich neu sein wird. Zu der ganzen Rhetorik über Che Guevara (auf Morales Veranstaltungen wehen kubanische Flaggen, die Leute tragen, genau wie in Manhattan, Che-Guevara-T-Shirts) kommt noch hinzu, dass den Journalisten aus dem Ausland zwei Dinge auffallen. Eins ist unbedeutend, dass zweite illegal. Mehr dazu im nächsten Beitrag.