EUR/YEN: Noch Erholungspotenzial
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 25. September 2008, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der Wahlkampf in den USA und die internationale Finanzkrise drängen derzeit politische und ökonomische Entwicklungen in anderen Ländern ziemlich ins Abseits. Wurde imm Zuge einer positiven Entwicklung der Weltwirtschaft häufig nach Asien geblickt, erfolgt umgekehrt eine automatisch negative Verbindung mit der schwachen Konjunktur in den USA. Für Japan trifft dies nur in begrenztem Maße zu. Die überaus erfolgreiche Politik des vor zwei Jahren freiwillig zurück getretenen Premiers Koizumi, der Japan für ausländische Investoren nach langer Zeit wieder etwas öffnete und durch die Liberalisierung einiger Staatsunternehmen wie der Post von seiner Staatsgläubigkeit etwas befreite, ist allerdings verblaßt. Keiner seiner Nachfolger konnte den aufgenommenen Faden weiterspinnen, so dass das Land im internationalen Wettbewerb wieder ein Stück zurück fiel.
Mit der innerparteilichen Wahl eines neuen Premiers der Regierungspartei LDP wird sich an dem derzeit labilen Zustand Japans nicht so schnell etwas ändern. Alle favorisierten Kandidaten sind deutlich jenseits der 60 und taugen wegen ihrer bisherigen Verwalterrolle nur bedingt zur Begründung einer neuen Begeisterungswelle a la Koizumi. Außerdem macht sich der internationale Konjunkturabschwung auch in Japan nachhaltiger bemerkbar. Die international sehr flexibel und erfolgreich agierenden Unternehmen wie Toyota oder Komatsu stoßen mit ihren Produkten unter den gegebenen Bedingungen aktuell auch an Wachstumsgrenzen. Das mächtige japanische Wirtschaftsministerium, genannt MITI, nutzt deshalb die Gunst der Stunde und interveniert bei Gelegenheit leicht am Devisenmarkt. Eine Abwärtsbewegung des Yen wird prozyklisch zur Stärkung japanischer Exporteure genutzt, weitere Yen zugunsten anderer Währungen wie dem US-Dollar und dem Euro verkauft.
Im Verhältnis zum Euro schwächte sich der Yen in der jüngsten Zeit wieder stärker ab. Die Erholung der europäischen Währung gegenüber dem US-Dollar führte im Verhältnis zum Yen zum Bruch des kurzfristigen Abwärtstrends und zur Etablierung einer V-förmigen Erholung des Euro. Im Bereich um 155 Yen kam es in den vergangenen Tagen zu einer kleinen Seitwärtskonsolidierung, die aber demnächst von einer Fortsetzung des Anstiegs abgelöst werden dürfte. Das Kursziel der laufenden Erholung liegt in der Kombination aus einem Horizontalwiderstand und der stark fallenden 200-Tage-Linie bei knapp 158 Yen. Spätestens dort wird es der Euro aber deutlich schwerer haben, seine Zwischenrallye fortzusetzen. Vermutlich werden sich die Bären dann wieder deutlicher bemerkbar machen.
