EUR/USD: US-Währung gerät wieder unter Druck

Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen
vom


Liebe DaxDaily Leser,

die verschärfte ökonomische Talfahrt Europas sowie die ungelöste Finanzkrise führte in den vergangenen sechs Monaten zu einem kontinuierlichen Rückfluss von Investments aus dem  Euro- in den US-Dollar-Raum. Insbesondere die Zuspitzung der Wirtschaftskrise in Osteuropa und Russland minderte das Vertrauen in die europäische Einheitswährung. Feuerwehreinsätze des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der EU in den baltischen Staaten und in Ungarn schürten darüber hinaus Zweifel am Bestand des einheitlichen Währungsgefüges. Bei allen Belastungen, die dem US-Dollar aufgrund von Hypotheken- und US-Bankenkrise erwachsen sind, der Glauben an die fundamentale Stärke der US-Wirtschaft ist bei den internationalen Investoren immer noch fest verankert. Aus fundamentaler Sicht hat sich die Ausgangsposition für die US-Währung aber noch  nicht grundlegend verbessert. Die Zugewinne der vergangenen sechs Monate sind lediglich auf die Ausweitung der Wirtschaftskrise auf andere Währungsräume  zurückzuführen, eine eigenständige innere Stärke hat der Greenback nicht entwickeln können.



Noch keine ökonomischen Trendwendesignale in den USA

Die Ursache hierfür liegt im intakten Abwärtstrend der US-Wirtschaft. Während die Belastungen mit dramatisch erhöhten Haushaltsdefiziten weiter wachsen, zeigen sich in den Konjunkturindikatoren noch keine Trendwendesignale. Umso intensiver hat die US-Regierung die Notwendigkeit von diplomatischen Initiativen zugunsten ihrer größten Gläubiger begriffen. Nicht nur die Scheichs im Mittleren Osten, auch die Chinesen müssen derzeit in wohlwollender Stimmung gehalten werden, um nicht durch den Verkauf von US-Aktienpaketen oder Staatsanleihen die Krise noch zu verschärfen. Allerdings bleibt den Gläubigern angesichts der globalen Vernetzungen auch nicht viel mehr anderes übrig, als auf eine nachhaltige Gesundung der größten Konsumnation der Welt zu setzen. Zwar hat der Euro im Laufe der vergangenen zehn Jahre erheblich an internationaler Bedeutung gewonnen, das Angebot an Investitionsmöglichkeiten für internationale Investoren liegt aber noch immer deutlich  unter dem, was in der US-Währung möglich ist. Die Vielstimmigkeit, mit  der  die Regierungen im Euro-Raum noch immer jeder für sich versuchen, individuelle Vorteile aus der Weltwirtschaftskrise zuschlagen, irritiert viele Investoren. Allein die EZB gewährleistet, dass Außenstehende eine klare Linie im europäischen Wirtschaftsgefüge erkennen.


Abwertungswettlauf nimmt Fahrt auf

Die kurzfristige Entwicklung bei EUR/USD dürfte im wesentlichen von dem Versuch der US-Regierung bestimmt werden, in einen Abwertungswettlauf mit Japan und China einzutreten. Vor allen der japanischen Regierung ist die bedrohlich schwache Entwicklung der eigenen Wirtschaft und die relative Stärke des Yen ein Dorn im Auge. In den vergangenen Wochen gelang es ihr, die wirtschaftliche Schwäche auch auf die Währung zu übertragen. Auch Chinesen und Amerikaner sehen in einer schwach bewerteten heimischen Währung eine zusätzliche Stimulation für die einheimische Exportwirtschaft, die häufig von der entsprechenden niedrigen Zinspolitik der Notenbanken flankiert wird. Einzig in Europa setzt die EZB die Geldwertstabilität noch vor der Förderung der einheimischen Wirtschaft. Das defensive Handeln der EU-Regierungen in Sachen Konjunkturpakete sorgt zu dem dafür, dass die Stärke des Euro nicht über zu hohe Haushaltsdefizte aufgeweicht wird. Bevor sich also keine nachhaltige Wirtschaftserholung in den USA andeutet,  könnte der Euro nochmals deutlicher aufwerten.

 

Bodenbildung vor dem Abbschluss

Die technische Situation bei EUR/USD spricht kurzfristig für einen wieder erstarkenden Euro. Ähnlich wie zwischen Mitte Oktober und Mitte Dezember konsolidierte der Euro in einer Spanne zwischen 1,24 und 1,30 US-Dollar. In der vergangenen Woche löste sich der Euro vom unteren Ende dieser Seitwärtsspanne und erreichte am vergangenen Freitag fast die Marke von 1,30 US-Dollar. Neben einen auf die 0-Linie zulaufenden MACD-Trendindikator spricht der Zusammenlauf der kurz- bis mittelfristigen Durchschnittslinien für einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Eine vergleichbare Konstellation hatte zu dem starken Anstieg in der Mitte Dezember 2008 geführt. Schneidet die Durchschnittslinie mit der kürzesten Laufzeit eine der beiden länger laufenden Durchschnittslinien von unten nach oben, gibt das der Bewegung einen zusätzlichen Schub. Das leicht überkaufte Niveau kann bei einer starken Trendbewegung über einen längeren Zeitraum bestand haben. Gelingt es dem Euro in den kommenden Tagen gegenüber dem US-Dollar den Bereich um 1,30 auf Schlusskursbasis zu überwinden, wäre dies der Startschuss für eine Rallye mit Zwischenstationen bei 1,33 und 1,366 US-Dollar. Das vorläufige Kursziel läge im Laufe der nächsten Wochen bei 1,40 US-Dollar. Fällt der Euro entgegen des vorherrschenden Trends wieder unter 1,27 US-Dollar, wäre das bullische Szenario wieder neutralisiert.



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