EUR/USD: und auch Trichet enttäuscht
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 10. Juni 2011, 12:00 Uhr
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Ähnlich wie am Dienstag sein müder US-Notenbankkollege Bernanke, hat auch EZB-Chef Trichet gestern den Markt enttäuscht. Beide Notenbanker erwecken mittlerweile den Eindruck sich stärker von den, in ihren jeweiligen Währungsräumen vorherrschenden, Problemen distanzieren zu wollen und reagieren weder, wie es der Markt gerne sähe, noch so, wie es die Politik gerne hätte.
Trichet enttäuscht
Während Bernanke zwar seine Nullzinspolitik weiter führt, trotz der schwächelnden US-Konjunktur allerdings keine Hinweise auf ein QE3 geben mag, signalisierte EZB-Chef Trichet zwar durchaus eine Zinsanhebung im Juli - nur diese hat der Markt längst eingepreist.
Die weiteren Hoffnungen des Marktes, auf eine längere Reihe an Zinserhöhungen im Euroraum, wurden allerdings genauso gedämpft, wie die Hoffnungen auf ein US-QE3. So prognostiziert die EZB nun für das kommende Jahr ein etwas geringeres Wachstum, als zuvor, allerdings auch eine geringere Inflation. Mit derart gedämpften Erwartungen, wird eine Zinsanhebungsreihe immer unwahrscheinlicher.
Aber dies ist nur die eine Seite der Medaille und auch eine, die mich nicht sonderlich überrascht. Wenn Sie sich noch erinnern mögen, hatte ich von Anfang an nur wenig Hoffnung darauf, dass die EZB tatsächlich eine ganze Reihe an Zinsanhebungen einläuten könnte.
Viel wichtiger scheint im Moment, dass Trichet nach wie vor dazu entschlossen scheint, auch die europäische Politik zu enttäuschen. So gab Trichet an, die EZB habe keineswegs die Absicht, sich an einem Rollover griechischer Bonds zu beteiligen, auch wenn sich private Investoren freiwillig dazu bereit erklären würden.
Nach wie vor lehnt die EZB jedwede Form der Umschuldung Griechenlands rundweg ab. Doch selbst ein Rollover (hierbei würden sich die Gläubiger dazu verpflichten, die Erlöse aus auslaufenden griechischen Bonds in neue griechische Bonds zu investieren), welches im Übrigen ein Vorschlag seitens eines EZB-Notenbankers ist, würde ohne Beteiligung der EZB nur wenig ändern. Zumal die EZB mittlerweile der größte Gläubiger Griechenlands geworden ist.
So hat die Demonstration von Uneinigkeit und Chaos in Europa, sowie des Umstands, dass eine ernsthafte Lösung der Griechenland-Probleme nach wie vor fern ist, dem Euro wieder den Weg nach unten gewiesen. Mittlerweile ist das Währungspaar EUR/USD wieder unter die Marke bei 1,4500 abgetaucht. Allerdings lässt auch der FED-Chef seine Politiker derzeit im Regen stehen und auch in den USA sind die Verhältnisse nicht minder chaotisch, was EUR/USD nach unten abstützen sollte.
Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4477. Unterstützungen finden sich bei 1,4445 und 1,4417. Widerstände finden sich bei 1,4522-35, 1,4650 und 1,4695-1,4711.
EUR/USD (30 Minuten)
Quelle: CFX-Trader
