EUR/USD: Short Squeeze oder FX-Intervention?
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 21. Mai 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Nach der dramatischen Fortsetzung des Euro-Absturzes, nach dem deutschen Alleingang in Sachen Leerverkaufsverbot, hatte sich der Euro zu einem deutlichen Kursanstieg aufgeschwungen. Über die Gründe lässt sich nur spekulieren.
Short Squeeze oder FX-Intervention?
Gestern Abend erfolgte ein überraschender EUR/USD-Anstieg von deutlich unter 1,24 bis auf fast 1,26. Überraschend vor allem deshalb, da sich doch nichts geändert hatte - keine frischen News hatten dieses Kursverhalten erklären können. Und auch heute bleibt die Stimmung eher trübe und verhalten.
So lässt sich bezüglich der Gründe nur spekulieren. Zum einen gab es Gerüchte hinsichtlich einer Intervention von Seiten der EZB. Gut möglich, aber etwas seltsam, dass die EZB diesen Schritt nicht angekündigt hat. Solcherlei kennt man eigentlich nur von der SNB. Und so ist es nicht verwunderlich, angesichts der EUR/CHF-Entwicklung von erneuten Euro-Stützungskäufen seitens der SNB auszugehen. Dadurch wiederum wächst die Wahrscheinlichkeit, dass auch die EZB sich schließlich dazu entschlossen hat, zu intervenieren. Auch eine konzertierte Aktion von EZB, FED und BoJ könnte bald stattfinden, angesichts der massiven Kursschwankungen.
EUR/CHF-Entwicklung:
Quelle: CFX-Trader
Andere Überlegungen gehen eher davon aus, dass es gestern zu deutlichen Short Squeezes gekommen ist. Solch ein Short Squeeze entsteht, wenn viele Short-Position aufgebaut wurden, es aber plötzlich (vielleicht aufgrund des Gerüchtes, dass die Zentralbanken intervenieren) zu einem Kursanstieg kommt, der dann diejenigen mit den Short-Positionen "aus dem Markt spült". Oder besser gesagt, die Shorties dazu zwingt, ihre Positionen aufzulösen, wodurch dann natürlich ein (Rück)Kaufdruck entsteht. Beim Kursanstieg werden zudem viele Stopps ausgelöst, wodurch der Kaufdruck erhöht wird.
EUR/USD erreichte jedenfalls heute Morgen in der Spitze 1,2671, notiert aber aktuell bereits wieder bei 1,2508. Die Stimmung bleibt angespannt und der Druck auf den Euro grundsätzlich bestehen, auch wenn starke Kursschwankungen, bei geringer Liquidität eintreten. Widerstand ergibt sich bei 1,2523 und Unterstützung bei 1,2370, wobei der übergeordnete Abwärtsdruck in Richtung der 1,23 und hernach 1,2150 erhalten bleibt.
Quelle: CFX-Trader
Regulierungswut unterstreicht Unsicherheit an den Märkten
Während die Kanzlerin mit Finanzmarkttransaktionssteuer-Ideen bislang gegen verschlossene Türen läuft und der nationale Alleingang in Sachen Verbot von ungedeckten Leerverkäufen nicht nur die Mit-Europäer vor den Kopf stieß, hat US-Präsident Obama jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Die neue Finanzmarktreform hat den Senat passiert und muss nun nur noch vom Repräsentantenhaus bestätigt werden. Stärkere Kontrolle, größere Transparenz, eine stärkere Aufsichtsfunktion der FED und die Erleichterung von möglichen Liquidierungen großer Banken (also nichts mehr mit "too big to fail") sind Bestandteile und Ziele der Reform. So weit, so...wieder mal ein nationaler Alleingang.
Nur schade, dass es die Staaten weltweit einfach nicht auf die Reihe kriegen, sich auf gemeinsame Pläne zu verständigen, die dann, auf globaler Ebene tatsächlich die große und gewünschte Wirkung erzielen könnten. Na ja, mal abwarten, was das kommende G-20-Kaffeekränzchen in der nächsten Woche so mit sich bringen wird.

