EUR/USD: Kurzfristig Oberwasser für die Bären
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 9. Juli 2009, 08:00 Uhr
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Eine Weile schien es, als das die geltende Relation zwischen starkem Aktienmarkt und schwachem US-Dollar außer Kraft gesetzt sein würde. Während die Aktienmärkte in den vergangenen vier Wochen schon Zeichen der Schwäche zeigten, konnte der Euro seine Position gegenüber dem US-Dollar nicht nur halten, sondern sogar leicht ausbauen. Diese Sonderentwicklung scheint aber mit dem Beginn dieser Woche ihr Ende gefunden zu haben, denn die wieder zunehmende Unsicherheit an den Finanzmärkten setzt ein klares Signal für eine kurzfristige Wiedererstarkung des US-Dollars. Fundamental gibt es hingegen kaum Gründe, auf den Greenback als die kommende Währung für die Weltwirtschaft zu setzen. Doch mit den Währungen ist es bei den Investoren wie mit dem Austausch von Regierungen: Man setzt so lange wie möglich auf das Altbewährte. Vordergründig ist es nicht ganz so leicht die Ursache für den erneuten Rückzug der institutionellen Anleger auszumachen, ohne Frage dominiert jedoch die Furcht vor einer überaus schwachen Bilanzsaison das Handeln der Marktteilnehmer. Da nun einmal nach wie vor ein Großteil der Anlegergelder in US-Dollar zirkuliert, wirkt sich ein Rückzug der überwiegenden Anzahl der Investoren negativ auf alle Währungsrelationen zum US-Dollar aus. Dazu kommt, dass auch die Rohstoffmärkte, allen voran Öl und Gold, ihre spekulativen Aufwärtsbewegungen abrupt abgebrochen und Korrekturbewegungen begonnen haben. Eine nachhaltige Trendwende zugunsten des US-Dollars dürfte dagegen kaum dahinter stecken, denn die US-Notenbank wird in den kommenden Monaten eine ausgesprochene Inflationierungspolitik betreiben, das heißt, sie druckt soviel Geld, wie die Wirtschaft für einen Erholungsprozess benötigt. Das wird den US-Dollar nochmals unter starken Abwertungsdruck bringen.
„Helikopter-Ben" macht sein Versprechen war
Noch versucht die US-Notenbank der Wirtschaft durch den Ankauf von Unternehmens-und Staatsanleihen auf die Beine zu helfen. Sollte der Einsatz dieser Geldmittel zur Schaffung einer Ersatznachfrage keinen Erfolg versprechen, wird die Abwertung des US-Dollar und die Schaffung von Inflation nächster Tagesordnungspunkt der Federal Reserve sein. Notenbankchef Bernanke, der sich mit Ursache und Symptomen der großen Depression in den USA in den dreißiger Jahren intensiv beschäftigt hat, will eine Deflationsspirale, wie sie Japan in den neunziger Jahren erlebte, um jeden Preis vermeiden. Bleibt die Inflation auf Null-Wachstum, wird die US-Notenbank ihre Gelddruckaktivitäten noch einmal verstärken, um die künstliche Geldentwertung in Gang zu bringen. Die Gefahr dieser Politik liegt in der Unkontrollierbarkeit der Maßnahme, denn genauso schnell wie die Zentralbank das Geld unter die Leute gebracht hat, muss sie den gewaltigen Liquiditätsüberschuss wieder abziehen. Beobachter befürchten, dass die Federal Reserve aber weder die Zeit noch die Mittel haben wird, um die überschüssigen finanziellen Mittel wieder einzusammeln.
Steigende Zinsen lockt Anleger an
Die kurzfristige Attraktivität des US-Dollars liegt vor allem im jüngsten Anstieg der Zinsen für Staatsanleihen begründet. Die Rendite der US-Papiere liegt ohne Zutun der US-Notenbank nämlich wieder über der anderer, etablierter Industriestaaten und ist ein Ausdruck der Skepsis der Marktteilnehmer, über die Schuldenpolitik der Amerikaner. Die Diskussion über ein weiteres Konjunkturpaket facht diese Entwicklung noch zusätzlich an, würde die ohnehin exorbitante Verschuldung doch noch stärker ausgeweitet. Der Rentenmarkt hat diese Entwicklung bereits vorweg genommen und rechnet deshalb damit, dass der US-Finanzminister im nächsten halben Jahr schon deutliche Zinsaufschläge zahlen muss, viel er die benötigten US-Dollar von den Investoren reibungslos erhalten. Sofern die Risikoscheu an den Aktienmärkten anhält, dürfte die Nachfrage nach US-Bonds wenig Probleme bereiten. Dreht sich der Wind hier wieder, wird die Luft für den US-Dollar rasch dünner.
Test des mittelfristigen Aufwärtstrends steht an
Mit dem Unterschreiten der 38-Tage-Linie hat sich die Situation beim Währungspaar EUR/USD in den letzten Tagen deutlich zugespitzt. Die Toppbildung um 1,415 US-Dollar, der anschließende Fall unter die Unterstützung bei 1,40 US-Dollar, der erfolglose Versuch, diese Marke zurückzuerobern und schließlich auch das Unterschreiten der nächsten Unterstützung bei 1,3930 US-Dollar sind in ihrer Gesamtheit deutliche Schwächesignale. Auch die technischen Indikatoren senden keine positiven Hinweise mehr aus, im Gegenteil, der MACD droht in den kommenden Tagen unter seine 0-Achse zu fallen. Damit stünde dann ein Test des seit Anfang März gültigen Aufwärtstrends an, der gemeinsam mit dem kurzfristigen Abwärtstrendkanal, der seit Anfang Juni aktiviert ist, eine Kreuzunterstützung bildet. Entscheidende Wendemarken liegen dabei im Bereich der 200-Tage-Durchschnittslinie um 1,3630 US-Dollar und darunter bei 1,3565 US-Dollar. Bringen die Bären genügend Dynamik auf, um auch diese Unterstützung zu unterschreiten, würden auf den Euro noch weitere unangenehme Zeiten zukommen, Einbußen bis 1,30 US-Dollar wären dann fast nicht zu vermeiden. Gelingt den Bullen an den besagten Marken hingegen eine Trendwende, stünde zunächst ein erneuter Anlauf auf den Widerstand bei 1,40 US-Dollar und darüber bei 1,415 US-Dollar an. Beide Widerstandsmarken müssten aber ohne viel Zeitverzug schnell durchbrochen werden, damit eine Ausweitung der aktuellen Konsolidierung vermieden würde.
