EUR/USD: hält die 1,25?
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 2. Juli 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Eine Mischung aus positiven Daten aus dem Euro-Raum und schwachen US-Daten hat dem Euro Aufwind verschafft und setzt stattdessen den US-Dollar unter Druck. Gestern konnte das Währungspaar EUR/USD um 3 US-Cent auf über 1,2539 in der Spitze steigen.
Positive Vorgaben aus dem Euroraum: Finanzsystem geht es besser als erwartet
Zum einen sind da die Ergebnisse der europäischen Bankenstresstest die verdeutlichen, dass es den europäischen Banken deutlich besser geht als erwartet.
Dies bestätigt auch die unerwartet schwache Liquiditätsnachfrage im Euroraum. Alles in allem dürfte die Überschussliquidität im Eurosystem aktuell rund 140 Milliarden Euro betragen. Das mag noch immer nach viel klingen - entspricht aber tatsächlich einem deutlichen Rückgang von zuvor rund 300 Milliarden Euro an Überschussliquidität. Schon am Mittwoch sorgten Meldungen in diesem Zusammenhang für Erleichterung.
Ich zitiere noch einmal aus Devisen-Monitor vom 30.06.: "Die EZB vergibt Kredite mit einer Laufzeit von 3 Monaten an die Banken, zu einem Zinssatz von 1%. Banken untereinander, leihen sich Geld für den gleichen Zeitraum, zu einem Zinssatz von 0,76%. Nun ging bislang allerdings wieder die Angst unter den europäischen Banken um. Da man nicht weiß, wer auf welchen faulen Staats- oder Bankenpapieren sitzt, ist das Vertrauen untereinander nicht sehr groß. Deshalb springt hier generell die EZB ein und hält die Banken liquide. Nach der heutigen Veröffentlichung, die eine nachlassende Nachfrage der Banken an EZB-Geld aufzeigt, scheint sich also ein Funken der Hoffnung abzuzeichnen. Jedenfalls wird der Umstand, dass die EZB nur 131,9 Milliarden Euro an die Banken für 3 Monate verleiht (was deutlich weniger ist, als angenommen), als deutlich positiv aufgenommen, was natürlich dem Euro aktuell wieder etwas Auftrieb verschafft."
All dies impliziert, dass das europäische Bankensystem weit weniger gefährdet ist, als gemeinhin angenommen. Zudem werden auch die Inflationserwartungen ein wenig gedämpft.
Weitere positive Daten aus dem Euroraum unterstützen
Weiterhin unterstützend für die Stimmung gegenüber dem Euroraum dürften sich auch die erfolgreiche spanische Anleihenemission, sowie positive Daten aus Deutschland und Irland ausgewirkt haben. Wie die Bundesagentur für Arbeit mitteilte, ist die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland im Mai um 165.000, gegenüber dem Vormonat, auf 3,2 Mio. zurückgegangen. Das irische Statistikamt teilte mit, dass die irische Wirtschaft seit 8 Quartalen in Folge zum ersten Mal wieder gewachsen ist. Das BIP-Wachstum im 1.Quartal beträgt 2,7%.
Jedenfalls dürften viele Marktteilnehmer durch die überaus positiven Vorgaben aus Europa deutlich überrascht worden sein - so dass es hier mit Sicherheit auch zu einigen Short-Eindeckungen im EUR/USD gekommen ist.
Zudem belasten schwache US-Daten den USD
Während aus dem Euroraum also positive Daten gemeldet wurden, enttäuschen dagegen insbesondere die schwachen US-Arbeitsmarktdaten. Der am Mittwoch veröffentlichte ADP-Arbeitsmarktbericht zeigt, dass im Juni weniger in der Privatwirtschaft weniger neue Stellen geschaffen wurden, als erwartet. Gestern wurde dann zudem noch ein unerwarteter Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gemeldet. Dies alles wirft natürlich auch kein gutes Licht auf die heute zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktdaten des Ministeriums. Der Konsens geht dementsprechend nun von einem Rückgang der Zahl der Beschäftigten (außerhalb der Landwirtschaft) von 130.000 aus.
Überraschend ist vor allem, dass der Euro im Moment nicht mehr wie der generelle Risikoparameter funktioniert. Es scheint, als sei, zumindest aktuell, der generelle Zusammenhang "Risikoaversion-EUR/USD tiefer" aufgehoben. Ob dies allerdings eine nachhaltige Stimmungstrendwende ist, bleibt abzuwarten. Zunächst einmal muss sich abzeichnen, ob sich EUR/USD über dem Bereich um 1,2495/1,2500 halten kann. Sollte dies der Fall sein, liegt die nächste wichtige, übergeordnete Widerstands-Testmarke bei 1,2650. Sollte auch dieser Bereich nach oben durchbrochen werden können, hätte EUR/USD auch das Potenzial in den kommenden Wochen bis in den Bereich um 1,2750 vorzudringen. Widerstände liegen bei 1,2572 und 1,2672. Unterstützung findet das Währungspaar im Bereich um 1,2495/1,2500 und 1,2370 und 1,2152. Erst ein Durchbruch der Unterstützungszone um 1,2080/1,2110, relativiert die aktuelle positive Lage wieder deutlich. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,2512.
Quelle: CFX-Trader
