EUR/USD: Fokus auf EZB-Zinsentscheid
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 6. April 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Mit höchster Spannung blicken die Märkte auf die morgige EZB-Sitzung. Fest eingepreist ist bereits die erwartete Zinsanhebung. Der Euro profitiert massiv und EUR/USD steigt auf über 1,4300.
Erwartete EZB-Zinsanhebung
In Europa steigen die Inflationsraten (zuletzt auf 2,6%; in Deutschland verharrte die Inflationsrate im März bei 2,1%, in Italien stieg die Jahresteuerungsrate im März auf 2,5% und die spanische Inflationsrate tingelt schon bei 3,6% herum) und die EZB signalisiert schon seit längerem eine anstehende Zinsanhebung. Den Erwartungen nach soll es morgen so weit sein. Die Märkte haben bereits eine Erhöhung des Leitzinssatzes um 25 Basispunkte eingepreist. Dem Euro verschafft das in letzter Zeit deutlichen Auftrieb.
Viel wichtiger wird es aber sein, morgen genauestens auf die Rhetorik des EZB-Vorsitzenden zu achten. Denn während eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte, wie erwartet, wohl noch keine deutlichen Auswirkungen zeigen dürfte, könnte der Beginn einer Reihe an Zinsanhebungen sehr wohl zum Problem für Europas Wirtschaft, bzw. vor allem für die problembehafteten und überschuldeten Euro-Staaten werden. Diese leiden nämlich neben der wachsenden Teuerungsrate auch unter ihrer hohen Schuldenlast und den auferlegten Sparprogrammen. Hohe Arbeitslosigkeit, wirtschaftliche Stagnation, Steuererhöhungen, sinkende Löhne (also nichts mit Zweitrundeneffekten) und zugleich der hohe Anteil von Hypothekenkrediten mit kurzer Zinsbindung, vor allem in Portugal, Spanien und Irland - Faktoren, welche die Situation in diesen Ländern bei deutlichen steigenden Zinssätzen nicht gerade verbessern werden und sogar das Potenzial haben, irgendwann eine neue Krise in Gang zu setzen.
Dennoch, die Währungsmärkte schätzen, dass sich die EZB auf ihr ursprüngliches Mandat, die Preisstabilität, zurückberuft. Die Lösung aller weiteren Probleme, sollte (auch nach dem Willen der EZB) nun wohl nur noch Aufgabe der europäischen Politik werden. Bleibt nur zu hoffen, dass diese, jene Aufgabe auch meistern kann...
Die gespaltene FED
Während sich die EZB recht einig als hawkish präsentiert, machten in letzter Zeit auch einige FED-Hawks von sich reden. Wie ich allerdings immer wieder betont habe, ist dies noch lange keine Garantie für rasche Zinsanhebungen in den USA. Denn insbesondere FED-Chef Bernanke macht sich nach wie vor Sorgen um den Arbeitsmarkt und die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Erholung in den USA. Und tatsächlich bezeichnete Bernanke die Inflation gestern in einer Rede als vorübergehendes Phänomen dank steigender Rohstoffpreise. Dies dürfte den aufgekeimten Hoffnungen dahingehend, dass auch die FED vor einer baldigen Zinsanhebung stünde, nun zumindest einen leichten Dämpfer verpasst haben.
Ein Umstand, der EUR/USD weiter beflügelt. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,4301. Derzeit scheint der Euro erst einmal weiter favorisiert zu bleiben. Die nächsten Widerstände ergeben sich bei 1,4355, 1,4395 und 1,4437. Sollte die EZB den Markt morgen enttäuschen und die erwartete Zinsanhebung nicht durchführen, ist natürlich erst einmal mit Druck auf die Einheitswährung zu rechnen. Doch selbst dies könnte, angesichts deutlich stärkerer Hoffnungen auf eine Zinsanhebung durch die EZB, als durch andere Notenbanken, nur von kurzer Dauer sein. Unterstützungen ergeben sich bei 1,4250, 1,4210, 1,4150 und schließlich 1,4070.
EUR/USD (30 Minuten)
Quelle: CFX-Trader
