EUR/USD: die griechische Tragödie!
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 9. September 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
EUR/USD hat sein breites Seitwärtsband nach unten verlassen. Die Risiken in der Eurozone scheinen von Tag zu Tag zu zu nehmen und die Wetten auf einen griechischen Zahlungsverzug steigen.
Warnungen und Mahnungen
Die Griechen werden ihr Defizitziel nicht so schnell erreichen, das dürfte allen klar sein. Aber der Ton von Seiten der Geberländer wird zunehmend schärfer. Deutsche und niederländische Offizielle liebäugeln mittlerweile sogar öffentlich mit dem Austritt des Landes aus der Eurozone.
Zumindest schließt der niederländische Finanzminister Jan Kees de Jager einen solchen nicht mehr aus, wenn das Land weiterhin die Bedingungen der Geber nicht erfüllen sollte. Auch von deutscher Seite prescht man verbal in diese Richtung vor. FDP-Fraktionschef Brüderle, will "die Griechen vom Platz stellen, wenn die sich nicht an die Spielregeln halten". Auch SPD-Chef Gabriel ist sich sicher, dass "Griechenland nur Hilfe erhalten kann, wenn es seine Zusagen einhält". Und der Bundesfinanzminister hält es überhaupt für verfrüht, jetzt über ein weiteres Hilfsprogramm zu diskutieren.
Oh, oh, es kokelt nicht mehr nur, es hat schon längst angefangen zu brennen, in der Eurozone.
Dennoch oder gerade deshalb ist es äußerst fraglich, ob ein Austritt Griechenlands tatsächlich schon zur Debatte steht. Aus den politischen Handlungen der Vergangenheit ließe sich viel eher darauf schließen, dass die nächste Hilfstranche dennoch nach Griechenland fließen wird - und sei es auch nur um den europäischen Brand erneut ein wenig zurück zu drängen. (bzw. die möglichen Gefahren eines durch den Ausschluss verursachten Flächenbrands [schließlich bestünde beim Ausschluss eines Landes, auch die Möglichkeit weitere Länder auszuschließen, zumal wenn diese in der Folge über Verhältnis von den Märkten heraus gefordert werden], mit der dann folgenden Erschütterung durch eine globale Finanz- und Wirtschaftskrise, einzudämmen.)
Dennoch ist Vorsicht geboten, denn einerseits werden die europäischen Geberländer auch mit noch so schweren Drohungen die grundlegende Problematik in Griechenland nicht verbessern können (selbst wenn sie den Griechen, wie schon beim letzten Mal, jetzt eine Reihe weiterer Zugeständnisse aus den Rippen pressen) und andererseits verkommt die Politik, bei immer nur wiederkehrenden Drohungen (und zwar jedes Mal wenn wieder eine Griechen-Tranche ansteht) zu einem noch erbärmlicheren Possenspiel, als wir es derzeit schon erleben.
Unter dem politischen Possenspiel, leidet insbesondere der Euro...
...der mittlerweile seine breite Seitwärtsrange im EUR/USD derb nach unten durchbrochen hat. Die gestrigen Kommentare seitens der deutschen und niederländischen Politiker, schoben das Währungspaar gestern erstmals wieder auf unter 1,3900. Und auch heute geht es weiter nach unten. Das Tief heute Vormittag lag bei 1,3787. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3815. Unterstützungen finden sich bei 1,3785, 1,3742 und 1,3628. Eine mögliche zwischenzeitliche Gegenbewegung könnte an den Widerstandsbereichen um 1,3971 und spätestens 1,4050 ihr Ende finden.
EUR/USD (30 Minuten)
Quelle: CFX-Trader
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Albert Karl (09.09. 2011 16:04 Uhr):
Hallo Frau Kraus, das Schlimme an der EURO-Krise ist, dass jede politische Entscheidung die Krise eher noch verstärkt als sie verkürzt. Die Staatengemeinschaft muss und hier zitiere ich den ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, "unter allen Umständen zu einem gemeinsamen Ganzen gebracht werden. Wer anfängt, Europa zerfallen zu lassen, wird eine sehr lange Zeit der Zerstörung sehen. Wer den Euro in Gefahr bringt, bringt niemanden mehr in Gefahr als Deutschland". Auch nach dem Richterspruch aus Karlsruhe kann im Augenblick niemand sein, weil die Krise nicht gelöst ist. Natürlich befinden sich die Regierungsakteure in einem extremen Spannungsfeld. Und zwar zwischen der Erkenntnis, was sie tun müssen, und dem Versuch, die demokratische Basis dafür zu erhalten (siehe Richterspruch). Nur, damit können Märkte ganz schwer umgehen, auch deswegen, weil ein klarer europäischer Kurs raus aus der Schuldenkrise nach wie vor nicht zu erkennen ist. Das verstört Unternehmen, Verbraucher und Anleger/Investoren gleichermaßen. Ich grüße Sie für ein schönes WE! A.K.
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