EUR/USD: der große Optimismus
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 2. Februar 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Auch wenn noch längst nicht alles eitel Sonnenschein ist, die Hoffnungen sind groß dieser Tage und beflügeln den Optimismus des Marktes mit wieder steigenden Aktienmärkten und einem Euro der sich mittlerweile über die Marke bei 1,3800 geschoben hat, gegenüber dem US-Dollar.
Europa prescht nach vorn
Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy sind ein Herz und eine Seele. Gemeinsam wollen sie den Euro retten. Sicher, das ist nicht neu...neu aber ist, dass die Kanzlerin nun doch entscheidende Schritte in Richtung einer EU-Wirtschaftsregierung gehen will, was Frankreich seit langem fordert.
Das ganze nennt sich "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit", dient derzeit einem neuen optimistischen Vertrauen des Marktes und muss natürlich erst noch gründlich debattiert werden. Zum Beispiel am kommenden Freitag beim EU-Gipfel. Der Pakt enthält verschiedene Pläne, die dafür sorgen sollen, dass Europa demnächst endlich in wirtschaftlicher Hinsicht näher zusammen wächst, oder anders gesagt: dass die innereuropäischen Unterschiede endlich langsam verschwinden. Hierbei stehen zum Beispiel auf der Agenda: die Einführung einer Schuldenbremse nach deutschem Vorbild, die Anpassung des Rentenalters, ein Ende von Lohnsteigerungssystemen wie in Belgien, die Abstimmung von Steuerpolitik (sprich die Anhebung niedriger Unternehmenssteuern wie in Irland) usw. Grundsätzlich sollen also Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik enger zusammen wachsen.
Nun grundsätzlich ein löblicher Vorschlag, denn das größte Problem EU-Europas ist die Heterogenität. Wie sich diese Pläne in der Praxis tatsächlich entwickeln und auswirken werden, wird man noch sehen müssen. Andererseits war dieser Schritt (ein weiterer Schritt in Richtung des absoluten Zusammenwachsens) wohl abzusehen, denn spätestens seit dem letzten Jahr steht EU-Europa tatsächlich vor der Gretchenfrage: Ja oder Nein zu Europa! Bleibt nur zu hoffen, dass JA die richtige Antwort ist....
Nebenbei wird auch weiterhin eine Ausweitung des EFSF diskutiert: unter anderem könnte der Fonds in Zukunft Staatsanleihen der schwachen Länder aufkaufen oder diesen günstig Geld leihen, damit sie selbst ihre Anleihen zurückkaufen können.
Solcherlei Diskussionen helfen: spanische Bonds zogen an und die Kosten um sich gegenüber einem Kreditausfall europäischer Regierungen abzusichern sanken auf ein 3-Monats-Tief.
EUR/USD auf über 1,38
Also doch alles irgendwie eitel Sonnenschein..hinzu kommen positive ISM-Daten aus den USA und Ägypten ist auch schon nicht mehr neu...was will man mehr?
Der Markt jedenfalls braucht (im Moment) nicht mehr und treibt vor lauter Freude den Euro nach oben. EUR/USD erreichte heute Morgen ein Hoch bei 1,3860 und notiert aktuell bei 1,3835. Widerstand findet sich bei 1,3886 und ein Bruch dieses Widerstands nach oben könnte weiteres Aufwärtspotenzial in Richtung der 1,3950 nach sich ziehen. Abzuwarten bleibt allerdings noch die morgigen EZB-Sitzung. Vertritt Trichet auch morgen weiterhin seine neue hawkishe Sprechweise könnte dies weiteres Aufwärtspotenzial bedeuten. Unterstützungen finden sich bei 1,3786, 1,3744 und 1,3640.
EUR/USD (30 Minuten)
Quelle: CFX-Trader
