EUR/USD: das europäische Dschungelcamp geht weiter
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 4. Februar 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Die europäische Politik steht der Dschungel-Unterhaltungs-Show wahrlich in nichts nach. Ewige Uneinigkeit, der fehlende Wille sich "einmal zusammen zu raufen", Vorprescher und Rückzieher, lassen auch vom heutigen EU-Gipfel nur wenig mehr als eine weitere schlechte Farce erwarten.
Wird man sich wohl jemals einig werden können?
In Europa bleibt vorerst wohl alles beim alten. Die Show kann also weitergehen. Immer wieder tanzt einer aus der Reihe, der nächste fällt aus der Rolle und der dritte wechselt seine Stimmung öfter, als der vierte seine Unterhose, oder genau so oft wie EUR/USD seine Richtung.
Zu Beginn der Woche gab es noch große Pläne vom "Pakt für Wettbewerbsfähigkeit". Nun die Pläne gibt es immer noch, doch die Hoffnungen auf eine wie auch immer geartete und vor allem rasche Lösung der Probleme sind merklich geschwunden.
Wie immer sind die Meinungen zu unterschiedlich und wie immer werden wohl die einen nicht von ihrem Standpunkt abrücken und die anderen schließlich die Nerven verlieren. Das fängt beim Pakt-Plan schon an.
Grundsätzlich sind sich Deutschland und Frankreich zwar einig, dass es so einen Pakt geben muss, dass Europa wirtschafts-, finanz-, und sozialpolitisch zusammen wachsen muss. Doch, wie bleibt die Frage?
Während Deutschland und Spanien beispielsweise ihr Rentenalter bereits auf 67 angehoben haben, ist Frankreich nicht bereit über die 62 hinaus zu gehen. Schon steht ein Punkt des Pakts auf dem Spiel.
Ein weiterer Streitpunkt dagegen betrifft die Lohnsteigerungen. Der deutsche Pakt-Plan sieht ein Ende der starken Lohnsteigerungssysteme, gebunden an die Inflationsrate vor. Stattdessen sollen die Löhne an die Produktivität angepasst werden. Spanien ist dagegen.
Italien andererseits will sich nicht mit noch mehr Sparplänen befassen....und so geht es weiter...
Ein anderes wichtiges Streitthema ist der EFSF. Während Frankreich und die EZB für eine Ausweitung des EFSF plädieren, dahingehend, dass es dem Fonds künftig erlaubt würde, auch Anleihen der EU-Länder aufzukaufen, ist Deutschland strikt dagegen.
Und so fragt sich nicht nur der Markt, was da heute überhaupt zu erwarten ist. Vielleicht hätten sich die EU-Regierungsspitzen aber auch einfach besser fokussieren sollen, schließlich ist es nicht einfach an einem einzigen Tag die Probleme Europas und Ägyptens lösen zu wollen und sich auch noch mit der Energiepolitik zu befassen.
Trichet - wie ein Fähnchen im Wind!
Die gestrige Groß-Enttäuschung lieferte dann aber EZB-Obman Trichet. Der EZB-Präsident hatte sich noch vor 3 Wochen dazu hinreißen lassen, ein wenig mit den Muskeln zu spielen, indem er in den Raum geworfen hatte, die EZB könne ja jederzeit auch eine Zinsanhebung beschließen. Sie wissen, dass ich diesen Aussagen, im Gegensatz zum Markt, nicht viel Wert beigemessen habe. Ich ging und gehe nach wie vor davon aus, dass eine Zinsanhebung nicht so schnell auf dem Plan stehen wird. Denn Aussagen von Zentralbankern haben in den meisten Fällen den Beigeschmack von viel heißer Luft.
Doch die Hoffnungen des Marktes waren geweckt, was Trichet mittlerweile offenbar unheimlich wurde. So ruderte der EZB-Vorsitzende gestern etwas zurück und hütete sich davor, die Erwartungen noch mehr anzuheizen. Das aber hatte natürlich den gegenteiligen Effekt von massiv enttäuschten Erwartungen zur Folge.
Und ein enttäuschter Markt rächt sich, zum Beispiel indem er EUR/USD mal eben um 2 Cent abstürzen lässt - innerhalb von ein paar Stunden. EUR/USD notierte gestern im Hoch bei 1,3824 und im Tief bei 1,3607. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3630. Derzeit wartet der Markt offenbar noch die anstehenden US-Arbeitsmarktdaten ab. Ein Rückgang unter 1,3587 könnte weiteres Abwärtspotenzial sogar bis in Richtung der 1,3412 nach sich ziehen. 1,3570, 1,3550 und 1,3498 bieten Unterstützungen. Widerstände ergeben sich bei 1,3660, 1,3740, 1,3785 und 1,3860.
EUR/USD (30 Minuten)
Quelle: CFX-Trader
