EUR/USD: Bernanke enttäuscht
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 8. Juni 2011, 12:00 Uhr
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Und noch immer (wieder) ist der Euro beliebter als der US-Dollar. Das mag zwar nicht viel heißen, aber immerhin...
Bernanke enttäuscht
Gestern sprach FED-Chef Bernanke und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass seine Rede nicht gerade von Aktualität zeugt. Warum sonst sollte der FED-Chef die Hälfte seiner Redezeit damit vergeuden, sich über die Rohstoffpreisinflation (welche, seiner Meinung nach, selbstredend ausschließlich auf die aggressive Nachfrage der Emerging Markets zurück zu führen ist) auszulassen. Offenbar hat der Hüter der Weltleitwährung noch nicht mitbekommen, dass die Rohstoffpreise kürzlich den Rückwärtsgang eingeschaltet haben.
Mit anderen Worten: Bernanke mag sich zwar Gedanken um die Inflation machen, sieht diese aber nach wie vor nicht als Bedrohung an und verkennt immer noch die Ursachen. So weit also nichts neues.
Die FED hat ihr Pulver längst verschossen
Zwar erkannte der FED-Häuptling schließlich doch noch die gegenwärtige Abschwächung der US-Wirtschaft an, betrachtet diese aber als temporär. Spätestens ab der zweiten Jahreshälfte, so Bernanke, sollte die Konjunktur wieder anspringen. Nun ja...
All dem war zu entnehmen, dass Bernanke derzeit nicht die geringste Lust hat über QE3 zu sprechen und stattdessen den Schwarzen Peter, ähnlich wie sein EZB-Kollege Trichet, nur zu gern an die Politik weiter geben würde. So mahnte er an (obwohl er seine Nullzinspolitik auf jeden Fall weiterhin aufrecht erhalten will), dass die Geldpolitik der Notenbank kein umfassendes Allheilmittel sei.
Daraus lässt sich vor allem ein Resümee ziehen: der FED scheint immer deutlicher vor Augen zu stehen, dass sie mittlerweile ihr Pulver verschossen hat, was die Märkte natürlich mit Enttäuschung und erneutem Druck auf die US-Währung hin nahmen.
Hinzu kamen noch Aussagen eines chinesischen Notenbankers, der vor dem Risiko exzessiver USD-Investments warnte und ein paar positive Daten aus Europa (Eurozonen Einzelhandelsumsätze und deutsche Auftragseingänge).
So erreichte EUR/USD gestern im Hoch die 1,4695 und notiert aktuell wieder bei 1,4619. Die Volatilität im Währungspaar dürfte auch weiterhin hoch bleiben. Denn obgleich temporär der Euro favorisiert werden mag, sind auch die Entwicklungen innerhalb der Eurozone nach wie vor nicht ohne Risiko. So warnte der IWF jüngst vor den Risiken der Portugal-Rettung und auch die Fragen um Griechenland sind noch längst nicht geklärt. Unterstützungen ergeben sich zunächst bei 1,4570 und 1,4520. Widerstände finden sich bei 1,4680-95, 1,4710 und 1,4760.
EUR/USD (30 Minuten)
Quelle: CFX-Trader
