EUR/USD belastet Rohstoffpreise am Freitag
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 19. März 2010, 20:00 Uhr
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In der vergangenen Woche haben sich die Aktienmärkte positiv entwickelt. Der DAX legte im Wochenvergleich um rund 0,6% zu. Der Nikkei gewann im Vergleich zur Vorwoche rund 0,7%. Der Shanghai Composite Index stieg gegenüber dem Schlusskurs der Vorwoche um fast 1,8%. Der Dow Jones notiert aktuell mit einem Plus von 0,9% gegenüber der Vorwoche.
Konjunkturdaten
Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung bekannt gab, sind die Konjunkturerwartungen für Deutschland um 0,6 Punkte auf 44,5 Punkte gefallen. Damit wird allerdings nach wie vor eine langsame Erholung über die kommenden 6 Monate erwartet.
Die FED New York ermittelte für März eine Verschlechterung der allgemeinen Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe in New York. So fiel der Empire State Manufacturing Index auf 22,9 Punkte. Zudem ist die US-Industrieproduktion im Februar zwar gestiegen, mit einem Plus von 0,1% gegenüber dem Vormonat allerdings weniger stark als im Vormonat (+0,9%). Wie das US-Handelsministerium mitteilte ging die Zahl der Baugenehmigungen im Februar um 1,6% zurück gegenüber dem Vormonat. Die Zahl der Baubeginne fiel um 5,9%. Die FED Philadelphia berichtet dagegen von einem Anstieg des Geschäftsklimaindex von 17,6 Punkten im Januar auf 18,9 Punkte im Februar. Das Conference Board berichtet zudem, dass sich die wirtschaftliche Aktivität im Februar um 0,1% gegenüber dem Vormonat verbessert habe.
Die FED hat - wie erwartet - den Leitzins unverändert zwischen 0 und 0,25% belassen. Allerdings wurde das Aufkaufprogramm von Hypothekenpapieren nicht ausgeweitet. Bei den Aussichten hat man einen leicht verbesserten, aber immer noch verhaltenen Ton angeschlagen. Zur Inflation gab es weiterhin nichts Neues zu sagen. Nur FED-Mann Hoenig hatte sich - wie immer - gegen die Fortsetzung der Niedrigzinspolitik ausgesprochen. Die US-Wirtschaft, die nach wie vor nur moderate Erholungstendenzen aufzeigt, weist immer noch einen äußerst schwachen Binnenkonsum auf.
Japan kämpft weiterhin aktiv gegen den deflationären Druck an. Im Januar zeigten sich die Verbraucherpreise den elften Monat in Folge rückläufig. Zwar hält die Deflation das Land bereits seit 2 Dekaden im Griff, doch die Situation wird schlimmer. Die Probleme die hieraus entstehen: die reale Schuldenlast erhöht sich, Unternehmensgewinne sinken und vor allem, die Banken halten sich bei der Kreditvergabe zurück. Dementsprechend stellt die Bank of Japan - wie erwartet - den japanischen Geschäftsbanken nun ein höheres Kreditvolumen zur Verfügung. Bereits im März hatte die Notenbank eine qualitative Lockerung beschlossen. Nun wurde das Volumen für die Kreditvergabe an die Banken (3 Monate) auf 20 Billionen JPY verdoppelt. Zwei der Notenbanker hatten gegen die Maßnahme gestimmt. Die Bank of Japan behält - ebenfalls nicht überraschend - ihren Leitzinssatz bei 0,1% bei.
Griechenland steht wieder auf dem Plan
Nachdem die Marktteilnehmer dem Griechenland-Thema in den letzten beiden Wochen zeitweilig den Rücken zugekehrt hatten, weil griechische Sparpläne und insbesondere Hilfsüberlegungen (technische Rahmenbedingungen für etwaige Hilfe) von Seiten der Euro-Politiker zur Beruhigung beitragen konnten, ist das Thema mittlerweile wieder stärker in den Fokus der Marktteilnehmer gerückt.
Uneinigkeit der Euro-Politiker verstärkt Unsicherheit
Anlass für die wieder kehrende Unsicherheit in Bezug auf die Lösung der Griechenland-Problematik bietet einerseits auch die Uneinigkeit der Euro-Staaten bezüglich dieses Themas.
Auf der einen Seite steht insbesondere Deutschland mit einer ganz klaren Abwehrhaltung gegenüber einem europäischen Griechenland-Bailout. Verständlich, denn als größte Volkswirtschaft der EU hätte Deutschland in diesem Falle wohl den höchsten Anteil der Kosten zu tragen. Bundeskanzlerin Merkel erklärte am Mittwoch vor dem Bundestag, der IWF sei die einzige Antwort auf Griechenlands finanzielle Probleme.
Griechenland wird bis zum 20. April und 19.Mai für die Refinanzierung rund 10 Milliarden Euro über die Kapitalmärkte aufnehmen müssen. Doch die aktuell noch immer hohe Rendite kann sich das Land schlichtweg noch immer nicht leisten. Griechenlands Premier Papandreou sagte gestern, er werde sich an den IWF wenden, sollte die EU-Führung bei ihrem nächsten Treffen in der kommenden Woche seinem Land keine Kreditlinie anbieten.
Das dürfte zwar ganz im Sinne der Deutschen und auch noch einiger anderer EU-Staaten sein, doch es gibt auch starke Gegenstimmen.
Frankreichs Präsident Sarkozy und EZB-Chef Trichet sprachen sich beide vehement gegen eine Einmischung durch den IWF aus. Dies würde zeigen, dass die Union ihre Probleme nicht selbst lösen könne. Allerdings fürchtet man die Einmischung des IWF wohl weniger aufgrund von Ehrproblemen, sondern vor allem aufgrund der harschen Kriterien, die der IWF zumeist den Staaten, welche er finanziell unterstützt, auferlegt. In der Vergangenheit wurde oft starke Kritik an der Vorgehensweise des IWF geäußert - diese erscheinen entweder zu streng oder zu lasch.
IWF-Hilfe? Was daraus folgt...
Grundsätzlich aber gehen vor allem die Vorstellungen von IWF und EZB deutlich auseinander, wenn es um die Haushaltssanierung geht. Während der US-lastige IWF daran appelliert die Inflationsziele anzuheben, halten die europäischen Notenbanker wenig vom Weginflationieren der Schuldenlast und orientieren sich lieber an der Preisstabilität.
Doch, es gibt noch ein anderes Problem: sollte Griechenland tatsächlich IWF-Hilfe in Anspruch nehmen, müsste dies juristische Konsequenzen haben. Denn, laut Maastricht-Vertrag ist Voraussetzung für die Inanspruchnahme von IWF-Hilfen eine eigene Währung. Und eigentlich haben sich die Euro-Mitgliedsstaaten dazu verpflichtet auf Hilfen des IWF zu verzichten. Als Konsequenz daraus, müsste Griechenland aus der Euro-Zone ausscheiden und wieder die Drachme einführen.
EUR/USD: Abwärtstrend steht wieder zur Debatte
Somit ist es also nicht verwunderlich, dass der Euro im Angesicht dieser Entwicklung erneut deutlich unter Druck steht. Nachdem EUR/USD am Mittwoch noch um die 1,38er Marke herum gespielt hatte, rauschte der Euro daraufhin erneut deutlich ab und verlor bis dato über 2,5 US-Cent. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3539. Sollte EUR/USD unter 1,3530/25 fallen ist der Abwärtstrend wieder im Spiel.
Rohstoffe Wochenrückblick: Energie und Metalle
Energie
Entlang der EUR/USD- und der stimmungsgetriebenen Entwicklung haben die Ölpreise bis zur Wochenmitte hin erneut weiter zulegen können. WTI scheiterte allerdings bislang nach wie vor an der 83 US-Dollar-Marke.
Am Freitag mussten die Ölpreise allerdings erneut, entlang der deutlichen USD-Stärke nachgeben. WTI verlor fast 2 US-Dollar.
Laut Oil Movement wird die OPEC in den 4 Wochen bis zum 3.April ihre Lieferungen um rund 70.000 Barrel Rohöl pro Tag gegenüber dem Vormonat anheben. Bislang wird der Überschuss hauptsächlich durch die hohe Nachfrage in Asien ausgeglichen. Die OPEC selbst äußerte sich zur schwachen Quotendisziplin auf ihrer Sitzung in dieser Woche nicht wirklich.
WTI zur Lieferung im April notiert aktuell bei 80,35 US-Dollar pro Barrel an der NYMEX.
Brent Crude zur Lieferung im Mai notiert aktuell bei 79,60 US-Dollar pro Barrel an der ICE Futures Exchange in London.
Metalle
Edelmetalle
Die Goldpreise fanden in dieser Woche erneut Unterstützung durch die Unsicherheit in Bezug auf die Griechenland-Problematik.
Gold in USD konnte in dieser Woche zunächst deutlich ansteigen und handelte am Mittwoch zeitweilig über 1.130 US-Dollar pro Feinunze. Am Freitag belastete allerdings auch hier der deutliche Einbruch des EUR/USD und drückte den Preis zeitweilig auf unter 1.105 US-Dollar.
Auch der Goldpreis in Euro konnte in dieser Woche wieder ansteigen und handelte zeitweilig nur knapp unter seinem Allzeithoch von vor zwei Wochen.
Aktuell notiert Gold in USD bei 1.107 US-Dollar pro Feinunze in New York. Gold in Euro notiert aktuell bei 818,06 EUR pro Feinunze. Der London Gold Fix PM wurde heute bei 1.105,50 US-Dollar pro Feinunze.
Basismetalle
Auch die Industriemetalle konnten zunächst zur Wochenmitte hin, durch die Stimmung unterstützt, wieder zulegen - wurden dann aber, ab Mittwoch wieder ausgebremst, entlang der sich wieder aufbauenden USD-Stärke, aufgrund der Verschärfung der Griechenland-Probleme.
Eine Ausnahme bildet Nickel, dass, Brook Hunt zufolge, in diesem Jahr auf ein Angebotsdefizit zusteuern könnte, aufgrund der Erholung in der Edelstahlindustrie.
Nickel notiert aktuell bei 10,18 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
Für Kupfer weist die Shanghaier Börse nach wie vor steigende Lagerbestände aus (allein in der letzten Woche +9%). Die LME-Bestände befinden sich nach wir vor auf dem höchsten Niveau seit Januar.
Kupfer notiert aktuell bei 3,35 US-Dollar pro Pfund an der COMEX.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Michael Pottel (23.03. 2010 08:55 Uhr):
ich hatte zu einem früheren Kommentar bereits auf die fast 1-jährige Streiksituation bei Inco hingewiesen, habe aber hierzu leider nie einen Hinweis bei Ihnen lesen können! Evt. jetzt?? MfG Michael Pottel
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