EUR/USD: Atempause für US-Währung
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 5. November 2009, 08:00 Uhr
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in den vergangenen zwei Monaten gelang dem Euro gegenüber dem US-Dollar in der Spitze ein Zugewinn von rund 5,5 Prozent. Gute US-Konjunkturdaten und ein steigender Goldpreis haben der europäischen Einheitswährung eine stärkere Nachfrage beschert. Seit etwa zwei Wochen befindet sich der Euro allerdings in einer Korrekturphase, die eng mit den Entwicklungen am Aktienmarkt zusammenhängt. Die Korrelation zum steigenden Goldpreis scheint gebrochen zu sein. Möglich machen das die Zweifel an der Nachhaltigkeit der Konjunkturerholung in den USA. Sollte sich in den nächsten Wochen die Schwäche der US-Konjunkturindikatoren auch die europäische Konjunkturentwicklung ausweiten, müsste mit einer Ausdehnung der vorübergehenden Euro-Schwäche gerechnet werden.
Die fundamentale Konstellation hat sich hingegen kaum verändert. Solange eine Neigung zum Eingehen höherer Risiken bei den Investoren bestehen bleibt, fließt Geld aus dem US-Dollar-Raum in andere Anlageregionen, weil dort die Aussicht auf höhere Renditen besser erscheint. Da nun einmal nach wie vor ein Großteil der Anlegergelder in US-Dollar zirkuliert, wirkt sich eine Erhöhung der Risikopositionen vieler institutioneller Investoren positiv auf alle Währungsrelationen zum US-Dollar aus. Dazu kommt, dass die Rohstoffmärkte, allen voran Öl und Gold, ihre spekulativen Aufwärtsbewegungen weiter fortsetzen und damit das Aufwärtspotential des US-Dollars begrenzen.
Kurzfristiger Kurswechsel der US-Notenbank unwahrscheinlich
Eine nachhaltige Trendwende zugunsten des US-Dollars dürfte dagegen kurzfristig kaum zu erwarten sein, denn die US-Notenbank wird in den kommenden Monaten eine ausgesprochene Inflationierungspolitik betreiben, das heißt, sie druckt soviel Geld, wie die Wirtschaft für einen Erholungsprozess benötigt. Das wird den US-Dollar unter starken Abwertungsdruck halten.
Darüber hinaus stützt die Federal Reserve die US- Wirtschaft durch den Ankauf von Unternehmens-und Staatsanleihen, hat sich nach dem Ende dieses Markteingriffs im Oktober des vergangenen Jahres aber weitere Maßnahmen vorbehalten.
Notenbankchef Bernanke, der sich mit Ursache und Symptomen der großen Depression in den USA in den dreißiger Jahren intensiv beschäftigt hat, will eine Deflationsspirale, wie sie Japan in den neunziger Jahren erlebte, um jeden Preis vermeiden. Bleibt die Inflation auf Null-Wachstum, wird die US-Notenbank ihre Gelddruckaktivitäten aufrechterhalten, um die künstliche Geldentwertung in Gang zu bringen.
US-Abwertungspolitik noch nicht beendet
Eine noch größere Gefahr in Sachen Währungspolitik liegt allerdings in der Fehleinschätzung des Devisenmarktes in der Person von Ben Bernanke. Vermutlich wird der Notenbankchef wesentlich entschlossener und härter gegen die drohende Inflation vorgehen als der Markt das momentan kalkuliert. Bernanke wird eine US-Dollar Abwertung bis zu einem bestimmten Maß (1,60 USD?) noch zulassen, dann aber auch unter dem Druck anderer Notenbanken wie der EZB eine heftige Kehrtwende vollziehen müssen. Die Marktteilnehmer wären gut beraten, sich auf eine Hochzinspolitik nach dem Vorbild von Paul Volcker, dem ehemaligen US-Notenbankchef der Ende der siebziger, Anfang der Achtziger Jahre im Amt war, einzustellen.
Zwar würde Bernanke damit eine zweite Rezessionsphase riskieren, die müsste aber in Kauf genommen werden, um eine weitere Spekulationsblase und einen noch größeren Absturz der US-Wirtschaft zu vermeiden. Anlaufen wird diese „zweite Reparaturphase der US-Wirtschaft" aber erst dann, wenn die US-Wirtschaft wieder so viel Luft zu atmen hat, dass sie eine kurze, aber harte Rezession überstehen kann. Vor 2011 ist daran wohl nicht zu denken.
Korrekturwelle und Atempause
In meiner letzten Analyse Anfang September hieß es: „Mit dem gestrigen Anstieg über das alte Jahreshoch bei 1,4444 USD steht nun ein neues Kaufsignal im Raum, dass in den kommenden Tagen bestätigt werden muss.Der jüngste Ausbruch wird vom MACD-Trendfolgeindikator und einem noch nicht überkauften Segment einer moderat reagierenden Stochastik getragen. Nächstes Kursziel der Aufwärtsbewegung ist die Spitze eines Reaktionsimpulses aus dem Dezember 2008 bei 1,4717 USD. Dieser Widerstand zeichnet sich aber nicht durch eine bestimmte Hartnäckigkeit aus. Richtig ernst wird es eigentlich erst wieder bei 1,488 und 1,496 USD."
Gesagt, getan. Der Euro hangelte sich in der Spitze bis auf 1,5060 US-Dollar nach oben, erst dann meldeten sich wieder die Bären zu Wort. Der Einbruch um 3,5 Cent innerhalb einer Woche sollte nicht unterschätzt werden, denn auch der Trendindikator MACD begleitete diesen Abwärtsschwung mit einem Verkaufssignal. Es ist deshalb damit zu rechnen, dass die Konsolidierung noch nicht beendet ist.
Auf kurzfristiger Basis zeigt sich das Währungspaar schon fast wieder etwas überkauft, ein Test des mittelfristigen Aufwärtstrends bei rund 1,45 US-Dollar und der bei knapp 1,40 US-Dollar verlaufenden 200-Tage-Linie würde in den nächsten Wochen nicht überraschen. Eine fundamentale Trendwende mit deutlich tieferen Euro-Kursen sollte daraus aber noch nicht entstehen.
