Eurozonen-Anleihe
Franz-Josef Buskamp (Value Investor) in Investors Daily
vom 10. Dezember 2010, 18:00 Uhr
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nachdem die Irland-Krise mit einer EU-Finanzhilfe von vorerst 85 Mrd. € aus dem Rettungsschirm relativ zügig entschärft wurde, diskutieren die Akteure an den Finanzmärkten bereits über die nächsten Pleitekandidaten im Euro-System.
Dementsprechend gab es bislang auch keine spürbare Entlastung bei den Kredit-Ausfallversicherungen. Portugal rückt dabei zunehmend in den Fokus der Finanzmärkte und es stellt sich nicht die Frage ob, sondern wann Portugal ebenfalls unter den EU-Rettungsschirm schlüpfen wird.
Wie belastbar ist das Euro-System?
Ein möglicher Zusammenbruch des Euro-Systems rückt immer wieder in den Mittelpunkt von Kommentaren und Analysen. Die Kernfrage lautet: Wie belastbar ist das Euro-System, wenn nach Griechenland und Irland demnächst Portugal und Spanien den Rettungsschirm beanspruchen werden? In den Reihen der EZB ist man entschlossen, sich den Angriffen seitens institutioneller Akteure zu stellen. Dies löste unmittelbar Diskussionen hinsichtlich einer deutlichen Aufstockung des EU-Rettungsschirms aus.
Worte und Taten seit der Finanzkrise
Hier winkte Bundeskanzlerin Angela Merkel erst einmal ab. Eine nicht ungewohnte Reaktion. Erst einmal „Nein" sagen, um später zu schauen, was machbar ist. Es wäre klüger, wenn die Kanzlerin hier diplomatischer vorgehen würde, denn Worte und Taten sind bei ihr seit der Finanzkrise 2008 zwei Paar Schuhe geworden. Letztlich entscheidet darüber aber die EZB, da sie die Geldpolitik bestimmt und nicht Brüssel oder einzelne EU-Mitgliedsstaaten. Außerdem: Eine Aufstockung des Rettungsschirms ist jetzt noch nicht erforderlich. Hier besteht aktuell somit kein Diskussionsbedarf und da hätte es keines voreiligen Statements aus dem politischen Berlin bedurft.
Quo vadis Europäische Union
Wohin steuert die EU? Hier liegen Welten zwischen politischen Bestrebungen der einzelnen Länder im Sinne einer schlagkräftigen Gemeinschaft, die ihren Platz innerhalb der vergangenen Dekade global ausgebaut hat. Letzteres wird innerhalb der EU zu wenig geschätzt, von den Vereinigten Staaten und Großbritannien aber geradezu eifersüchtig beobachtet, weshalb die Eurokrise von diesen Staaten mit Genugtuung beobachtet wird, zumal diese phasenweise von den eigenen Problemen ablenkt. Was seit Ende 2009 beobachtet werden kann, ist ein gezieltes Ausnutzen der Griechenlandkrise seitens der Euro-Gegner. In den Medien wird die Krise hauptsächlich einseitig dargestellt. Dass Deutschland nach wie vor über den Export den Hauptnutzen aus der Eurozone zieht, wird nur in Nebensätzen erwähnt.
Nord-Euro und Süd-Euro
Eine Spaltung des Euro-Systems in einen „Nord-Euro" - mit den früheren Hartwährungsländern - und „Süd-Euro" - mit den früheren Schwachwährungsländern - wird immer wieder als mögliche Lösung diskutiert, geht aber am Sinn der Gemeinschaftswährung vorbei. Die Maastrichter Verträge waren demzufolge bereits zu „weich" gestrickt, mit diesen Verträgen ist der aktuellen Eurokrise geradezu der Weg geebnet worden. Merkwürdigerweise wird nie erwähnt, unter welchem Druck diese Verträge zustande kamen. Frankreich wollte den Euro, dieser war inoffizieller Verhandlungsgegenstand im Zuge der Zustimmung Frankreichs zur deutschen Einheit. Kompromisse waren somit im Vorfeld programmiert.
Ausstieg aus dem Euro?
Dies bedeutete aber nicht, dass Griechenland sich viele Jahre später den Zugang zum Euro-System mit falschen Haushaltsdaten erschleichen konnte, während Brüssel darüber einfach hinweg sah. Irland hingegen ist aufgrund der dortigen Immobilienkrise anders zu bewerten. Selbstverständlich könnten Staaten wie Griechenland oder Portugal aus dem Euro-System wieder aussteigen, um mit der früher bewährten Abwertungspolitik wieder wettbewerbsfähig zu werden. Fraglich ist jedoch, ob dies überhaupt funktionieren wird, da ein Ausstieg aus dem Euro für beide Länder ebenso eine nachhaltige Vertrauenskrise nach sich ziehen könnte. Dies würde insbesondere gelten, falls die „Altlasten" aus dem Euro nicht mehr oder nur mit einem erheblichen Abschlag bedient würden.
Eine Währung, verschiedene Anleihemärkte
Was macht den Euro überhaupt angreifbar? Ich bringe hier einen Aspekt in die Diskussion, der von Analystenseite so gut wie gar nicht aufgegriffen wird: Sämtliche Mitglieder der Eurozone haben dieselbe Währung, aber jeweils eigene Anleihemärkte. Da die differierenden Haushaltsentwicklungen über eigene Währungen von den Märkten nicht mehr begünstigt oder abgestraft werden können, konzentrieren sich die Akteure auf die unterschiedlichen Anleihenmärkte innerhalb der Eurozone, sodass es hier seit der Finanzkrise 2008 zu immer größeren Divergenzen kommt.
Die Eurozonen-Anleihe
Überlegungen hinsichtlich möglicher Eurozone-Anleihen wurden in den vergangenen Tagen von Seiten der Politik erst einmal abgeblockt, doch so abwegig ist diese Überlegung nicht, denn Eurozone-Anleihen wären ein konsequenter Schritt innerhalb des Euro-Systems. Ein Thema, das ich demnächst noch intensivieren werde.
Herzlich Ihr
Franz-Josef Buskamp
Chefredakteur Value Investor
Quelle: Value Investor Strategie, der Zusatzdienst per E-Mail für den Value Investor. Weitere Informationen sowie ein Jubiläums-Angebot (10 Jahre) finden Sie hier.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von jocrui (10.12. 2010 19:00 Uhr):
Warum sollte Deutschland den Hauptnutzen aus der Eurozone ziehen??? Völlig unver- ständlich. DE ist Hauptzahler, d. h. nichts anderes als, dass DE den anderen Ländern "Geld" zur Verfügung stellt, damit diese in DE einkaufen können. Toller!! Exporteffekt.!
Antworten - Kommentar von Wiesel (10.12. 2010 23:49 Uhr):
Deutschland hat vor Gründung der EU genau so viel in diese Länder exportiert. Wir brauchen die EU nicht - eine Freihandelszone tät es auch - mit weniger Kosten!
Antworten - Kommentar von Ellen N (11.12. 2010 00:21 Uhr):
Wir sollen bis 67 arbeiten und die Franzosen demonstrieren, weil sie bis 62 arbeiten sollen. Jetzt wir sollen wir mit unseren Steuern die höheren Zinsen der Euro-Anleihen finanzieren. Für unsere Garantien bei dem Rettungsschirm sagt keiner danke. Nein, wir werden noch beschimpft, weil andere endlich mal das leisten sollen, was bei uns normal ist. Wie will man Länder wie die PIIGS dazu bringen, ihre Haushalte zu konsolidieren wenn eine lockere Geldpolitik keine Nachteile wie z. B höhere Anleihe-Zinsen bedeuten. Warum sollten diese Staaten dann ihre Finanzpolitik ändern? Natürlich müssen und werden wir den Euro retten. Aber Fehlverhalten muss Nachteile bringen.
Antworten - Kommentar von boxerhandschuh (11.12. 2010 00:49 Uhr):
Die Idee vom Nord- und Süd-EURO ist auf lange Sicht wahrscheinlich die einzige richtige Lösung für die Staatsschuldenmisere in der EURO-Zone. 1. Die finanzpolitische u. ökonomische Mentalität der Warmwasserländer wird selbst nach 10 Generationen nicht der mittel- und nordeuropäischen Selbstdisziplin nahe kommen. 2.Eine zentrale Kontrolle wird mit Sicherheit mit Tricks in der Darstellung, wie gehabt, unterlaufen. 3. Eine EU-Wirtschafts-- und Finanzregierung für alle EURO-Staaten kann es nicht geben: das gibt das Grundgesetz nicht her. Auch wird keine Regierungspartei jemals dieses wichtige Regierungsinstrument aus der Hand geben. Sozialpolitik ist dann in den einzelnen EU-Ländern nicht mehr möglich. 4. Eine Transferunion nach dem Muster des dt. Länderfinanzausgleichs macht der dt. Steuerzahler niemals mit. Ich auch nicht. 5. Bitte, niemals vergessen: Deutschland ist bislang bei internationalen Zahlungen immer in der Weltspitzengruppe, aber bei der Altersversorgung seiner Bürger auf Platz 19 von den 23 wichtigsten Industriestaaten dieserr Welt. Siehe dazu die OECD-Studie aus 2007, heute noch aktuell. Bei EURO-Süd + EURO-Nord kann es trotzdem eine zentrale EU-Politik geben, auch eine EZB, eben mit 2 Währungen. Falls eines Tages noch die die Türkei, die Ukraine, Georgien etc. zur EU und EURO-Zone kommen, ist es mit einem einzigen EURO sowieso vorbei, endgültig. Die dt. Exportwirtschaft ist so leistungsstark, dass wir Disparitäten in den EURO-Staaten locker verkraften. Das war in der DM-Zeit schon alles bewiesen.
Antworten - Kommentar von bafino (11.12. 2010 14:38 Uhr):
In der letzten Sendung mit Maybritt Illgner sagte Dirk Mueller, Boersenexperte, dass die Euronleihe bereits im Januar 2011 aufgelegt wird. Jede Diskussion ist da ueberfluessig. Einen geruhsmen 3. Advent an alle.
Antworten