Euroschwäche
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 23. Februar 2010, 08:30 Uhr
ENL5462
die Entwicklung des Devisenpaares Euro/Dollar wird derzeit auch an den Aktienmärkten gespannt verfolgt, gilt doch eine weitere Euroschwäche als Indiz für ein Wideraufkeimen der Sorgen um die Stabilität der Eurozone. Spätestens an der Zapfsäule dürften Sie diese Auswirkungen inzwischen persönlich zu spüren bekommen. Wurden steigende Ölpreise für uns EU-Bürger in der Vergangenheit stets durch einen stärkeren Euro abgefedert, so schlagen sie jetzt voll auf die Benzinpreise im Euroraum durch. Durch den schwachen Außenwert des Euros wird inzwischen Inflation importiert, da so gut wie alle Rohstoffe in der wieder stärkeren Dollarwährung abgerechnet werden.
Inzwischen gibt es Bemühungen, Griechenland mit Finanzhilfen zu stabilisieren und damit indirekt auch die gesamte Eurozone. Ich bezweifle allerdings stark, dass das der richtige Weg ist. Ein Land, das sich durch Betrug in die europäische Währungsunion geschlichen hat, müsste eigentlich ausgeschlossen werden. Dies sieht allerdings der EU-Vertrag nicht vor, da wohl niemand mit so viel Unverschämtheit gerechnet hat. Stattdessen sollen jetzt die anderen europäischen Staaten, allen voran natürlich wieder einmal Deutschland, für die Konsequenzen aus dem griechischen Fehlverhalten aufkommen. Im Gespräch sind derzeit ca. 25 Milliarden Euro Überbrückungskredite, von denen der deutsche Steuerzahler nach Medienberichten ein Fünftel tragen soll. Ein Skandal, wenn sich das bewahrheiten sollte. Die Bundesregierung hat diese Berichte gestern erst einmal dementiert.
Dabei scheinen die Griechen bisher rein gar nichts aus ihrer Misere gelernt zu haben. Erst gestern gab es Berichte, wonach die Athener Behörden es versäumten, der EU wie abgemacht mehr Details zu den Finanztransaktionen zukommen zu lassen, mit deren Hilfe ein Teil des Haushaltsdefizits über Jahre verschleiert wurde. Wir haben es hier mit keinem Kavaliersdelikt, sondern mit einem großangelegten Betrug auf Regierungsebene zu tun. Das ist eine ganz neue Dimension. Ich bin einmal gespannt, ob dafür jemals jemand auf der Anklagebank landet. Aber ich fürchte, ich weiß jetzt schon, wie das ausgeht: Wenn kriminelle Energie nur hoch genug angesiedelt ist, bleibt sie oft frei von Strafverfolgung. Kein Wunder, dass es viele in der breiten Masse mit dieser verheerenden Vorbildwirkung dann beispielsweise bei der Steuerabrechnung oder dem Bezug von Sozialleistungen dann auch nicht ganz so genau nehmen. Ohne dass ich das damit gutheißen möchte, aber der Fisch fängt bekanntlich vom Kopf an zu stinken, wie ein russisches Sprichwort besagt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hans Peter Neuhaus (23.02. 2010 09:35 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, Ich stimme 100% mit Ihrem Artikel ueber das verhalten und den betrug der griechischen Regierung ueberein auch ueber Ihre Eischaetzung der (nicht eintretenden) Folgen. Betrueger dieses Ausmasses haben nichts in der EU zu suchen. Ein Rauswurf sollte bei solchen Machenschaften moeglich gemacht werden. Beste Gruesse aus Thailand: Hans Peter Neuhaus
Antworten - Kommentar von Manos (23.02. 2010 09:38 Uhr):
wo ein kleiner dieb ist, ist auch ein größerer in der Nähe. Wer profitiert am meisten von diesem Desaster? Vielleicht die banken?
Antworten - Kommentar von Jürgen Gaube (23.02. 2010 10:13 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, Sie sprechen mir aus der Seele. Im Fernsehen war gestern ein griechischer Finanzinsider zu sehen und zu hören, der angab, dass die griechischen Staatsschulden insgesamt mit ca. 900 Milliarden ( ja, Milliarden!) zu beziffern sind. Ob da noch irgendeine Hilfe zur rechten Zeit kommen kann? Mit freundlichen Grüßen und Kompliment für Ihre interessanten Beiträge Jürgen Gaube
Antworten - Kommentar von Reinhard Laser (23.02. 2010 13:49 Uhr):
...bleibt zu hoffen daß unsere Regierungs-Marionetten in Berlin nicht nasse Hosen bekommen und doch noch einknicken und bezahlen. Soviel Courage und Achtung vor den Steuerzahlern hier sollten sie (hoffentlich!) haben. Ray
Antworten - Kommentar von Strobel (23.02. 2010 18:34 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, ich stimme Ihrem Kommentar zur Euro-Schwäche zu, muß ihn aber noch erwei-tern. Diese Entwicklung, die Auswirkung der griechischen Finanzschwäche auf den Eu ist durch GMS exakt 'so' geplant: GMS macht einen Reibach, bleibt dabei aber im Hintergrund, der Trumpf sticht erst, wenn der Eu in die Schwächezone gerät. Eine schöne Parallele: US-Banken finanzierten die Revolution in Rußland plünderten das Land hinterher gnadenlos aus und schoben es in die gewünschte politische Richtung. Das kurze russische Entgleiten sollte dann durch Deutschland korrigiert werden und hat auch, mit etwas Zeitverzögerung, wunschgemäß geklappt. Bsp.; Kleine Firmen schließen sich zu-sammen, um einem Marktbeherrscher Paroli bieten zu können, Bedingung: nur gesunde Kleine werden genommen. Der Große manipuliert einen Kleinen für die Aufnahme und weiß, daß der in der Krise der Sargnagel für die Kleinen ist und die Marktbeherrschung wieder sichert - so geschehen mit Griechenland. MfG Strobel
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