Euroschwäche
Henrik Voigt in DAX Daily
vom 17. Mai 2010, 08:30 Uhr
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erneut möchte ich mich bei Ihnen für die rege Diskussion um das EU-Rettungspaket bedanken. Es zeigt, wie sehr Sie sich über das Thema Gedanken machen und wie bewusst Ihnen die Tatsache ist, dass es hier nicht nur um ein paar Wirtschaftsdaten, sondern um unsere unmittelbare Zukunft geht. Ich hatte in der vergangenen Woche mögliche Alternativen zu den derzeit verabschiedeten Rettungsplänen aufgezeigt. Ich erhebe mit diesen Vorschlägen keinesfalls Anspruch auf Perfektion. Ich bin mir durchaus bewusst, dass es aus der aktuellen Situation keinen einfachen oder schmerzlosen Ausweg geben wird. Aber eine ernsthafte und fruchtbare Diskussion über Alternativen zum „weiter wie bisher“ wäre bereits ein guter Schritt in Richtung Problemlösung.
Der aktuell eingeschlagene Weg wird vom Devisenmarkt offensichtlich nicht begrüßt. Heute früh notiert der Euro unter 1,23 zum US-Dollar (daran sind sicher wieder die bösen Spekulanten Schuld, während die guten den DAX vergangene Woche um 400 Punkte nach oben trieben – kleiner Scherz). Was wir seit dem Jahreswechsel beim Euro sehen, kann man schon fast als Crash auf Raten bezeichnen. Im langfristigen Bild ist es allerdings auch keine außergewöhnliche Entwicklung. Es gab in der Geschichte immer mal wieder Phasen, in den der Dollar sehr stark und europäische Währungen schwach waren. Nach einigen Jahren kehrten sich diese Phasen wieder um. Das Beunruhigende ist derzeit eher die Geschwindigkeit der Verschiebungen und die ausgemachten Ursachen dafür (Angst vor Staatspleiten). Das Gute daran ist, dass es durchaus möglich ist, dass die Politik eines Tages vom Devisenmarkt gezwungen wird, bessere Maßnahmen gegen die Währungsschwäche zu ergreifen als aktuell.
Aktuell erlangt vor allem Deutschland als Exportnation Kostenvorteile im Ausland durch die Währungsschwäche. Die Kehrseite dieser Medaille ist allerdings, dass sich unsere Importe deutlich verteuern dürften, was diese Vorteile wieder schmälert. Insbesondere Sie als Verbraucher dürften einen noch schwächeren Euro nach und nach deutlich spüren wenn Sie beispielsweise verreisen, einkaufen oder tanken. Ich habe mir am Wochenende noch einmal genau den Euro-Chart angesehen: Da ist noch sehr viel Platz nach unten (1,15, 0,90, 0,70), auch wenn wir zwischenzeitliche (teils deutliche und mehrmonatige) Erholungen sehen dürften (1,38), von denen die erste vermutlich nicht mehr weit entfernt ist. Zu viele wirtschaftsfremde Medien greifen das Thema inzwischen auf – es könnte demnach bald fürs Erste „gegessen“ sein. Der Kurs scheint übergeordnet allerdings mit Nachdruck noch sehr viel tiefer zu wollen. Dies wiederum macht mich aktuell nicht besonders optimistisch, was den eingeschlagenen Weg angeht. In einer der nächsten Ausgaben werde ich mir für Sie einmal Gedanken machen, wie Sie sich gegen die Währungsschwäche schützen können.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Jürgen (17.05. 2010 10:17 Uhr):
Hallo, es wäre sehr schön, wenn Sie ein paar Alternativen zum Gold, in dem ich bereits set 2 Jahern investiert bin, gegen den dramatischen Währungsverfall nennen würden.
Antworten - Kommentar von Werner Bläser (17.05. 2010 12:03 Uhr):
Sehr geehrter Herr Voigt, Ihre Ausführungen zum Euro sind arg pessimistisch, passen aber ins derzeitige allgemeine Stimmungsbild. Angemerkt werden sollten aber m.E. auch folgende Aspekte: Der Euro fällt durchaus nicht nur wg. der Angst vor Staatspleiten, sondern auch, weil die Wachstumserwartungen in den USA einfach höher sind als bei uns. Trotzdem liegt er beim jetzigen Stand immer noch über Kaufkraftparität zum Dollar. Ein niedrigerer Euro ist dabei unter dem Strich nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Südschiene ein dringend benötigter Wettbewerbsvorteil. Falls die von Ihnen als Möglichkeit angedeuteten Strukturänderungen beim europäischen Vertragswerk und eine Regulierung insbesondere der CFD-Geschäfte durch die Politik gelingen sollte, dürfen wir in der €/$-Crossrate eine Shortsqueeze von nie dagewesenem Ausmaß sehen, da die €-Shortpositionen z.Z. gigantische Dimensionen haben. Für den Dax könnte dies eine Kursexplosion zur Folge haben, die momentan niemand auf der Rechnung hat. Sollte es den Anglo-Staaten hingegen gelingen, effektive Regulierungen der Hedgefonds zu verhindern, führt wohl an Ihrem Negativ-Szenario kein Weg vorbei. Short-Triggerpunkt dabei für mich im Dax 5900-6000, wo in etwa die Nackenlinie der kleinen inversen SKS verläuft. Mit freundlichen Grüßen, Werner Bläser
Antworten- Antwort von Werner Bläser (17.05. 2010 13:07 Uhr):
Statt "CFD-Geschäfte" meint der Autor natürlich "Credit Default Swap (CDS)-Geschäfte".
- Antwort von Werner Bläser (17.05. 2010 13:07 Uhr):