Europoly
Tom Firley in Investors Daily
vom 11. Mai 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
sicherlich kennen sie alle das gute, alte Monopoly-Spiel. Einfach ausgedrückt, erhält jeder Spieler Monopoly-Geld, mit er sich auf einem Spielfeld mit etwas Würfelglück Straßen kaufen kann. Auf diesen Straßen platziert der Spieler dann Häuser (und Hotels). Landet einer der Mitspieler auf solch einer Straße des Gegners muss er Miete bezahlen. Das Monopoly-Geld ist also in stetigem Umlauf. Entscheidend ist, dass irgendwann alle - bis auf einen - Spieler pleite sind und somit das Spiel einen glücklichen Gewinner hervor bringt. Daneben gibt es noch die „Bank", die zu bestimmten Situation Geld verteilt (zum Beispiel, wenn ein Spieler das komplette Spiel umrundet hat). Wichtig: Auch die Bank hat nur begrenzt Geld zu Verfügung...
Neue Regeln
Stellen Sie sich jetzt bitte ein paar pubertierende Jungs vor, die Monopoly spielen. Das Spiel ist schon einige Zeit im Gange und einer der Jungs wird pleite. Eigentlich ist er raus aus dem Spiel, aber er macht einen Vorschlag: „Ach, ich steh doch gar nicht soooo schlecht. Lasst mich von der Bank etwas Geld leihen und ich kann noch etwas mitspielen."
Die Anderen (die sich jeweils Ihres Sieges sicher sind) stimmen zu und der Verlierer darf weiterspielen. Es kommt wie es kommen muss: Der Verlierer-Typ braucht noch ein weiteres Mal Geld. Wieder stimmen die Anderen spaßeshalber zu (weil es eh schon fast egal ist).
Immer mehr Verlierer
Doch dann gerät ein weiterer Spieler in Schieflage und ist pleite. Natürlich müssen jetzt die anderen Spieler dem zweiten Verlierer ebenfalls die Kredite bei der „Bank" gewähren. Ein dritter und vierter Pleitegeier kommt hinzu. Diese erhalten ebenfalls Kredit bei der Bank. Und plötzlich:
Das Geld ist alle!
Plötzlich hat die Monopoly-Bank kein Geld mehr, welches sie an die Verlierer verleihen könnte, damit das Spiel weiterläuft. Da hat derjenige, der die Bank verwaltet eine Super-Idee: „Moment mal, ich geh schnell zum Farbkopierer und mach ein paar neue Geldscheine."
Der „Bank-Verwalter" geht also zu Papas Farbkopierer und stellt so neues Geld her. Irgendwann ist natürlich auch dieses Geld verbraucht. Und wieder geht der Junior-Banker an den Farbkopierer und stellt weiteres Geld her. Irgendwann wird es ihm zu dumm und er stellt den Kopierer auf Dauer-Betrieb. So kommt immer wieder frisches Geld nach und das Spiel bleibt weiterhin im Gange... Nach einem kurzen Einschub geht es weiter.
Einschub: Monopoly in der EU... Europoly
So ähnlich kommt mir die Situation momentan in Europa vor. Geld wird mehr oder weniger unbegrenzt zu Verfügung gestellt, damit alle weiter mitspielen können.
Natürlich, die Sachlage ist etwas komplizierter und ich möchte durch diesen Vergleich nicht albern wirken. Aber im Kern stimmt der Vergleich. Nur hat die reale EU-Misere Sache einen Unterschied und somit einen entscheidenden Haken:
In der EU hat fast jeder - mehr oder weniger - Schulden. Und was noch schlimmer ist: Jeder hat in gewisser Weise einen Farbkopierer (aber selbstverständlich wird gerade fieberhaft an Regularien gearbeitet, wie dieser Farbkopierer zu bedienen sei... so in ein paar Monaten steht dann fest, wie die einzelnen Mitglieder mit dem Kopierer umzugehen haben... so wie damals nach der Finanzkrise, als in „Gx bis y-Treffen" versprochen wurde, dass klare Finanz-Regularien festgelegt würden, damit genau dieselbe Krise nicht mehr stattfinden könne...).
Einschub Ende
So, eigentlich bin ich jetzt mit meiner eigentlich gar nicht so lustigen Geschichte (bzw. mit dem Vergleich) am Ende. Aber vielleicht wollen Sie wissen, wie das Monopoly-Spiel unserer pubertierenden Jungs ausgegangen ist.
Das grausame Ende
Nach geraumer Zeit merkten die Knaben, dass das Spiel vollkommen absurd ist, wenn immer wieder Geld nachgedruckt wird. Das Kredit-Ewigkeits-Spiel wird einfach sinnlos. Um irgendwie zum Ende zu kommen, beanspruchte der Spieler mit dem meisten Geld den Gewinn für sich. Und natürlich argumentierte dann der zweitbeste, dass er vor ein paar Minuten noch vorne lag und somit der rechtmäßige Gewinner sei.
Die Jungs auf den Verlierer-Positionen meinten, dass doch noch weiter gespielt werden soll, da sich das Blatt ja vielleicht doch noch wenden könne (allerdings wäre dies unmöglich, sie wollten nur Zeit schinden). Ende vom Lied:
Na, wer hat wohl gewonnen?
Der Stärkste bzw. Brutalste. Denn das Ganze artete in eine große Prügelei aus... (und das, liebe Leser macht mir ein bisschen Angst)
Alternativ: Das zahme Ende
Aber es hätte auch anders ausgehen können. Zum Beispiel so: Der besonnene Farbkopier-Junge wäre selbst recht schnell auf die Idee gekommen, dass das Spiel so keinen Sinn mehr macht und unterbreitete den Vorschlag: „Also Jungs, so ist das Spiel blödsinnig. Lasst uns nochmal von vorn anfangen. Und am besten wir bilden Teams, in denen die schlechtesten Spieler mit den jeweils besten zusammenarbeiten und auf diese Weise etwas lernen können...".
Die (Meine) Hoffnung stirbt zuletzt...
Und da wir gerade bei Floskeln, sind habe ich zum Schluss noch einen Satz von Konfuzius für Sie parat:
Der Mensch hat dreierlei Möglichkeiten klug zu handeln:
Erstens durch Nachdenken,
das ist die edelste,
zweitens durch Nachahmen,
das ist die leichteste,
drittens durch Erfahrung
das ist die bitterste.
Passen Sie auf sich auf
Ihr
Tom Firley
PS: Beachten Sie heute besonders den Beitrag meines US-Kollegen Brian Hunt, der heute die Aufgabe des Stockpickings (der Aktienauswahl) übernimmt.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Lukas Robben (11.05. 2010 19:45 Uhr):
Toller Kommentar....Sie haben ja soooooo Recht !!! Lg Lukas Robben
Antworten - Kommentar von Rainer Steigerwald (11.05. 2010 20:29 Uhr):
Kommentar zu Europoly : Besser kann man fiskalpolitische Exkursionen nicht beschreiben, einfach Super !!! Weiter so! Liebe Grüße
Antworten - Kommentar von walter bruno (11.05. 2010 22:22 Uhr):
Toller Vergleich. Dieses Spiel spiegelt in verkürzter Form unsere Wirtschafts(un)ordnung wieder. Als ich klein war haben wir das mit grosser Begeisterung gespielt. Es wurde dann immer langweiliger, weil ab einen bestimmten Punkt die Plätze verteilt waren. So haben wir dann die Spielregeln verändert (wie richtige Politiker) , allerdings gab es damals noch keine Copyshops und die Bank kam selten in die Situation der Pleite. Aber es war eigentlich immer genug Geld da und so mussten wir auch nie ans Geld drucken denken. Es war ja letztlich immer eine Frage der Verteilung und so waren unsere Mitspieler wohl sehr sozial eingestellt. Es wurden untereinander Kredite zu Vorzugsbedingungen vergeben und auch mal Schenkungen veranlasst. Aber so ist es ja nicht typisch im richtigen Leben. Letztlich endete es immer so: einer hatte ALLES und alle anderen waren Pleite. Da half dann auch keine Politik mehr mit 1000 Varianten. Auch abweichend vom richtigen Leben: bei uns wurden die Regeln vorher gemacht und durften dann nicht verändert werden. Im richtigen Leben kann man die Regeln täglich verändern und man kann die Regeln auch kaufen und handeln. Von uns hatte damals keiner Hunger danach. Man setzte sich ins Auto oder lief nach Hause und hatte noch genug im Kühlschrank. Im richtigen Leben wird es immer enger. Immer mehr haben immer weniger und immer weniger haben immer mehr. Das macht mir genauso Angst wie Ihnen Herr Firley. Es ist ganz sicher, dass alles kein gutes Ende nehmen wird. Sie haben den Spagat beschrieben, wie auch heute Ihr Kollege B.B. ! Den Spagat , einerseits die Armen zu unterstützen und andererseits die in Krise geratenen Wohlhabenden zu helfen (naja und selbst schient man sich ja auch genug bei den staatl. und polit. Inst. in die Taschen) . Den Spagat kann keiner auf Dauer durchstehen. Auch Gold kann im Ernstfall keiner fressen.Mein Grossonkel, der hatte sein linkes Bein bei Dannenberg verloren, berichtete von der grossen Geldentwertung in den 20-ern. Nur den Bauern und Grundbesitzern ging es gut, denn die hatten auf die Märkte das getragen, was zum täglichen Leben grundsätzlich benötigt wurde...und schleppten dafür die Goldschätze nach Hause. Rucksackweise wurden die MilliardenEuronoten herbeigetragen um genug Brot für die Familie zu haben....und dann kam der, der das alles in Ordnung brachte, bis ALLES in Scherben fiel.
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