Europas Chaos-Woche und die Notenbanken
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 4. November 2011, 20:30 Uhr
ENL5454
Da haben wir ja wieder eine Chaos-Woche sondergleichen überstanden.
Mit dem Griechen-Häuptling, der sich ganz plötzlich als Fan der direkten Demokratie outet, 3 Tage später dann aber doch nichts mehr davon wissen will.
Mit der extremen Wut der EU-Häuptlinge, die mit dem Ultimatum "Sparpaket oder Eurozone" einen Tabubruch begangen haben und deutlich machen, dass auch ein Austritt aus der Eurozone möglich ist.
Mit dem G20-Gipfelchen, dass ein wenig in den Hintergrund geriet, was aber nicht schlimm ist, weil alle Gipfel-Beschlüsschen, wie immer, ja doch wieder wie aus Watte wirken. (nur kurz: der IWF soll kurzfristige Kredite ausgeben dürfen...war der Super-Hammer auf dem Gipfel...nur, kurzfristige Kredite vom IWF gibt's doch schon und ob die Mittel des IWF wirklich aufgestockt werden, steht bestenfalls auch noch in den Sternen...schließlich haben sie ihre letzte, in 2009!, beschlossene Aufstockung auch immer noch nicht vollumfänglich umgesetzt; ansonsten gab's Kloppe für die Banken und die Italiener und wie immer ne Menge diffuser und unkonkreter Pläne.)
Mit den Italienern, deren Refinanzierungskosten steigen, deren Häuptling mit leeren Reformplan-Händen beim Gipfel erschien und die ab jetzt unter der Beobachtung des IWF stehen sollen. Na dann...
Nebenbei die Notenbanken
Super Mario und die EZB
Und dann haben wir in dieser Woche noch einen neuen EZB-Häuptling bekommen, der den Spitznamen Super Mario trägt (nicht meine Erfindung, aber mir gefällt's).
Und Mario Draghi senkte als erste Amtshandlung den Leitzinssatz um 25 Basispunkte auf 1,25%.
Die Märkte: ein bisschen ratlos! Sie kennen Super Mario ja noch nicht so gut.
Und was will der Super Mario uns damit jetzt sagen?
Na, vermutlich genau das, was er uns gesagt hat: dass er eine "milde Rezession" erwartet und dementsprechend frühzeitig darauf reagieren will. Was ist daran jetzt so überraschend? Angesichts der schwachen Konjunkturprognosen für das kommende Jahr hatten doch sowieso alle eine Zinssenkung erwartet. Das hat doch nichts mit Super Mario zu tun, vermutlich wollte Trichet nur einfach nicht als letzte Amtshandlung eine Zinssenkung durchführen, die können ja bekanntlich auch Nebenwirkungen haben.
Tja, mit negativen Realzinsen leben wir ja sowieso schon in Euroland und falls die Konjunkturaussichten wirklich so düster sind, wie Super Mario denkt (nicht von dem Wort mild irritieren lassen..Rezession heißt Rezession..), dann ist eine Zinssenkung die logische Antwort der Zentralbank.
Bank of Japan und das immer gleiche Interventionsmuster
Lustiger war ja eigentlich die Bank of Japan die am vergangenen Montag sage und schreibe 10 Billionen JPY in die Hand genommen hat, um mal wieder im Devisenmarkt zu intervenieren. Leider tut sie das immer auf die gleiche Weise: anstatt mal endlich eine Untergrenze festzulegen und diese dann mal einen Tag lang mit Kaufgeboten aggressivst zu verteidigen, nimmt sie die Verkaufsorders auf, treibt den Yen ein bisschen nach unten und macht dann..gar nichts mehr.
Danach passiert dann das was immer passiert: JPY wird wieder stärker.
Nachdem USD/JPY am Montag noch in der Spitze bei 79,51 notierte, konsolidiert das Währungspaar schon wieder und handelt aktuell bei 78,19.
USD/JPY (4 Stunden)
Quelle: CFX-Trader
Diese Taktik hat die Notenbank in diesem Jahr nun schon zum dritten Mal angewendet und wenn ihr dabei der gleiche Erfolg beschieden sein sollte, wie zuvor, dann dürfte der Aufwertungsdruck für JPY noch nicht zu Ende sein.
Unterstützung findet sich beim Allzeittief bei 75,54. Widerstand bei 79,51.
So long liebe Leser...damit verabschiede ich mich herzlich von Ihnen und freudig von einer stressigen Woche, wünsche Ihnen noch ein schönes und erholsames Wochenende und freue mich überdies, wenn wir uns am Montag zum Rohstoffe Wochenrückblick wiederlesen...liebe Grüße..
Ihre Miriam Kraus
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